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15.12.17

KU schließt Forschungsvereinbarung mit „Stiftung Naturerbe Donau“

Die „Stiftung Naturerbe Donau“ gibt dem Neuburger Aueninstitut der KU die Möglichkeit, auf einem rund 100 Hektar umfassenden Areal bei Neuburg im dortigen Auwald zu forschen. Eine entsprechende Vereinbarung hat die KU mit Dr. Maya Gräfin Du Moulin Eckart und ihrem Mann Dieter Graf von Brühl geschlossen, die ihre Stiftung im vergangenen Jahr ins Leben gerufen haben.


(v.l.) Albert Wünsch (Mitglied im Vorstand der Stiftung Naturerbe Donau), Siegfried Geißler (Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen), Dr. Maya Gräfin Du Moulin Eckart und Dieter Graf von Brühl (Gründer der Stiftung Naturerbe Donau), KU-Präsidentin Prof. Dr. Gabriele Gien, Prof. Dr. Bernd Cyffka (Leiter des Aueninstituts Neuburg) und Prof. Dr. Rüdiger Korbel (Leiter der Klinik für Vögel an der Ludwig-Maximilians-Universität München) nach der Unterzeichnung der Forschungsvereinbarung. (Foto: Schulte Strathaus/upd)

Besonders an dem Waldgebiet, das sich östlich der Staustufe Bertoldsheim und südlich der Donau befindet, ist seine Beschaffenheit: Es wurde seit Jahrzehnten nicht bewirtschaftet, so dass sich dort seitdem Flora und Fauna frei entfalten konnten. Südlich begrenzt wird der Bereich teilweise durch die frei mäandernde Friedberger Ach. „In dem Gebiet finden sich beispielsweise 260 verschiedenen Vogelarten“, erläuterte Graf von Brühl bei der Unterzeichnung der Vereinbarung. „Wir möchten diesen Raum der Wissenschaft und dem Naturschutz zur Verfügung stellen und sehen das Aueninstitut als Zentrum eines künftigen Netzwerks mit weiteren Forschern“, ergänzte Gräfin Du Moulin Eckart, deren Familie Eigentümer des Gebietes war, das nun Teil der durch das Ehepaar gegründeten Stiftung ist.

Deren Ziel ist die Förderung des Umwelt- und Naturschutzes, die Sicherung wertvoller Auen und die finanzielle Förderung der Auenforschung. Die Stifter begrüßen die Perspektive eines möglichen Nationalparks Donau-Auen und kritisieren die Pläne für einen Flut-Polder im zur Stiftung gehörenden Gebiet, dessen Umsetzung automatisch die Auflösung der Stiftung zur Folge hätte. Ein Polder würde – wie von Brühl betont – für Pflanzen und Tiere den Tod bedeuten, da das gezielt eingeleitete Hochwasser darin über Wochen wie in einer Wanne stehen würde, während fließendes Hochwasser den Lebensraum des Auwaldes gerade präge. KU-Präsidentin Prof. Dr. Gabriele Gien dankte den beiden Stiftern für die Gelegenheit, das Areal für die Forschung des seit elf Jahren bestehenden Aueninstituts nutzen zu können.

Dieses begleitet wissenschaftlich die vom Freistaat getragene Dynamisierung der Donauauen zwischen Neuburg und Ingolstadt – eines der bedeutendsten Auwaldgebiete an der Donau auf deutschen Gebiet. Durch Eingriffe in den Verlauf des Flusses im 19. Jahrhundert sowie Stauregulierungen im letzten Jahrhundert ging die natürliche Flussdynamik weitgehend verloren. Ziel des großangelegten Projektes war es, zum einen die auentypische Flora und Fauna zu verbessern und gleichzeitig Rückhalteraum für kleinere Hochwasser zu „reaktivieren“. Wie die Wissenschaftler des Aueninstituts zeigen konnten, nahm durch die Vergrößerung der wassergebundenen Lebensräume die Artenvielfalt der Wasservegetation und der Fische zu. Auch die Vogelfauna reagierte mit einem Zuwachs an Arten in den neu geschaffenen Habitaten. Diese Erfahrungen lassen Schlussfolgerungen auch für andere Flussbereiche in Deutschland und Europa zu.

Durch seine Arbeit hat sich das Aueninstitut im Lauf der Jahre gut vernetzt, so dass es mittlerweile an nationalen und internationalen Projekten beteiligt ist. So untersuchen die Forscher des Instituts gemeinsam mit deutschen, chinesischen und kirgisischen Wissenschaftlern, wie sich in den Trockengebieten Zentralasiens Wasserressourcen nachhaltig nutzen lassen und die Stabilität der dortigen Ökosysteme bewahrt werden kann.

Darüber hinaus gehört das Aueninstitut zum Verbundprojekt RESI (River Ecosystem Service Index), bei dem 19 Projektpartner aus Forschung, Verwaltung und Praxis der Frage nachgehen, wie sich die Bewirtschaftung von Flussökosystemen verbessern lässt. Denn Flüsse und Auen haben viele Aufgaben gleichzeitig: Sie sind Schifffahrtsstraße, Reservoir für Hochwasser, Trinkwasserlieferant und Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten. Das RESI-Projekt zeigt beispielhaft ein Grundanliegen des Instituts für die Region und darüber hinaus: Es will mit seiner Forschung dazu beitragen, dass sich alle gesellschaftlich relevanten Aspekte rund um die Nutzung der Auwälder umweltverträglich an einem Ort vereinen lassen.