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24.10.17

Mehr Mut zum Risiko: Großzügige Verlustabschreibungen bewirken mehr Investitionen

In der öffentlichen Debatte gilt vor allem die Höhe von Unternehmenssteuern als Maßstab für eine wirtschaftsfreundliche Politik. Welchen Einfluss aber die steuerliche Verrechnung von Verlusten z.B. aus Forschung und Entwicklung auf die Investitionsbereitschaft von Firmen hat, wird selten thematisiert. Genau mit diesem Aspekt beschäftigte sich eine gemeinsame Studie von Prof. Dr. Dominika Langenmayr (Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft an der KU) und ihrer Kollegin Prof. Dr. Rebecca Lester (Assistant Professor of Accounting an der Stanford Graduate School of Business), die in Kürze im Fachmagazin „Accounting Review“ erscheinen wird.


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„Ich habe nicht versagt. Ich habe nur 10.000 Wege gefunden, wie es nicht funktioniert“, soll der Erfinder Thomas Edison einmal gesagt haben. Dieses Zitat zeigt, dass die Investition in neue Produkte und Dienstleistungen stets mit vielen Unwägbarkeiten verbunden ist und unternehmerischen Mut erfordert. „Die Risikobereitschaft vor allem großer, etablierter Firmen hat wesentliche makroökonomische Effekte und sorgt für wirtschaftliches Wachstum“, erklären die beiden Autorinnen. Der Wagemut von Unternehmen hängt aber – wie ihre Studie zeigt – nicht nur von der Höhe des Steuersatzes ab: Großzügigere Möglichkeiten zur Verlustverrechnung, welche die zu zahlenden Steuern verringern, sind eine weitere Maßnahme, um die Risikobereitschaft von Unternehmen zu fördern.

Die beiden Forscherinnen stellten darüber hinaus eine Wechselbeziehung fest: Selbst bei einem vergleichsweise hohen Steuersatz gehen die Unternehmen ein höheres Risiko ein, wenn sie gleichzeitig eine gute Perspektive erhalten, Verluste steuermindernd geltend zu machen. Auf diese Weise beteiligt sich der Staat einerseits verstärkt am unternehmerischen Risiko, profitiert jedoch gleichzeitig durch einen hohen Steuersatz von erfolgreichen Investitionen. Im Vergleich dazu zeigte sich, dass hohe Steuersätze ohne die Möglichkeit, Verluste abzuschreiben, die Risikobereitschaft von Unternehmen mindern. „Bei der Gestaltung beider Faktoren muss natürlich eine Balance gefunden werden, die sowohl dem nötigen Steueraufkommen als auch der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen gerecht wird“, resümieren Langenmayr und Lester.

Für ihre Untersuchung griffen die beiden Forscherinnen auf die Datenbank „Thomson Reuters‘ Worldscope“ zurück, die Gewinn- und Verlustrechnungen, Bilanzen sowie weitere finanzwirtschaftliche Kennzahlen von weltweit über 50.000 Firmen umfasst. Diese Daten wurden ins Verhältnis gesetzt zur jeweiligen Steuergesetzgebung in den untersuchten Staaten. Geographisch konzentrierten sich Langenmayr und Lester auf die USA sowie alle großen westeuropäischen Staaten für den Zeitraum von 1998 bis 2009. In der Studie ausgeklammert wurden Unternehmen, für die besondere branchenspezifische Regulierungen gelten, wie beispielsweise Finanzdienstleistungsunternehmen.