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"Sharing Heritage - Kulturerbe teilen": ein Blick hinter die Kulissen aktueller  Forschungsprojekte der KU

Zum "Jahr des Europäischen Kulturerbes“ widmet sich die Veranstaltungsreihe „Wissenschaft im Gespräch“ im Sommersemester 2018 Forschungsthemen und Fragestellungen rund um das Thema Forschen an und über Kulturerbe.
Wissenschaftler der KU geben in kurzen Impulsreferaten Einblick in ihre aktuellen Forschungsvorhaben und diskutieren im Anschluss miteinander und mit dem Publikum über dahinterstehende gesellschaftliche Fragen und die Möglichkeiten der Forschung. Die unterschiedlichen Blickwinkel, die jeweilige Fachrichtung, aber auch die gewählten Methoden und Vorgehensweisen führen so zu einem spannenden Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.
Die Veranstaltungen richten sich an alle Interessierten innerhalb und außerhalb der Universität: an Akteure der Zivilgesellschaft sowie Vertreter von Kirche, Politik und Wirtschaft.

 

Unser kulturelles Erbe: Die Welt der Karten

Mittwoch, 25.4.2018,
18:30 - 20:00 Uhr

Prof. Dr. Rathmann (Alte Geschichte),
"Die Welt als Rolle. Antike Weltbilder aus heutiger Sicht"

Karten sind für uns heute allgegenwärtig, von der abendlichen Wetterkarte im Fernsehen bis zum ‚Navi' im Auto. Keine Urlaubsreise ist ohne Landkarte des Gastlandes denkbar. Aber wie reisten Menschen frühen, wie in der Antike? Woher wusste Kaiser Augustus, wie groß sein Reich ist? Wie kam Pontius Pilatus von Rom nach Judäa? Thema des Abends sind die Reisehilfen in der Antike, vor allem die berühmte Tabula Peutingeriana (UNESCO Welterbe), eine Weltkarte in Rollenform

 

Fabian von der Linden (Didaktik der Geographie),
"Mit einer Karte kann man mehr sagen als mit 1000 Worten - Einblicke in die Schülervorstellungen von Karten"
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Was denken Schülerinnen und Schüler über Karten? Mit welchen Gedanken, Vorstellungen und Einstellungen kommen sie in den Unterricht? Auf diese Fragen möchte das Forschungsprojekt Antwort finden. Der Vortrag führt kurz in das Forschungsprojekt ein und zeigt erste Ergebnisse, die jedoch bei Weitem noch nicht das ganze Spektrum abbilden.

Unser kulturelles Erbe: Festgehalten in Wort und Bild

Mittwoch, 16.5.2018,
18:30 - 20:00 Uhr

Prof. Dr. Rudolf K. Weigand, Tobias Benzinger B.A. (Forschungsstelle Geistliche Literatur des Mittelalters),
"Predigt – Massenmedium und Wissensspeicher des Mittelalters"

Welche Möglichkeiten gab es im Mittelalter, Informationen aller Art an möglichst viele Menschen gleichzeitig zu vermitteln? Wer produzierte die Texte für diese Vorgänge, und auf welches Material stützte man sich? Wie können wir heute diese - ursprünglich doch mündliche - Vortragsform erschließen?

 

Christiane Hoth, Dr. Johanna Umbach (Zentralinstitut für Lateinamerikastudien),
"Identitätskonstruktion und Erinnerung: auf den Spuren der Kapuzinermission in Südchile"

Für eine deutsch-chilenische Fotoausstellung werden im Rahmen eines Lehrforschungsprojektes von Studierenden Bilder aus der Kapuzinermission in Südchile vorbereitet. Die Auswahl der Quellen, ihre Einordnung in den historischen Kontext und die Aufbereitung für ein deutsches und chilenisches Publikum stehen dabei im Mittelpunkt. Die Digitalisierung der historischen Quellenbestände bietet aber über den Ausstellungszweck hinaus besondere Möglichkeiten für die Erforschung deutsch-chilenischer Geschichte und ermöglicht neue Formen des Erschließens und des wissenschaftlichen Austausches.

Unser kulturelles Erbe: Objekte entdecken und entschlüsseln

Mittwoch, 13.6.2018,
18:30 - 20:00 Uhr

Prof. Dr. Nadine Burkhardt und i.R. Prof. Dr. Gerhard Zimmer (Klassische Archäologie),
"Palmyra und Gerasa - Projekte zur Rettung archäologischen Kulturguts"

Palmyra im heutigen Syrien war wohl eine der schönsten antiken Städte. In römischer Zeit war die Stadt ein Treffpunkt der Kulturen, ein Miteinander der Religionen. Wohl auch aus diesem Grund wurden viele der antiken Monumente und Gebäude durch die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zerstört. Aber was soll nun mit den Ruinen geschehen? Soll man Kulturdenkmäler wiederaufbauen, rekonstruieren? Oder sollte man sie als Mahnmal, als Zeichen des Widerstands gegen Terror so belassen?. Dank digitaler Technik kann Kulturgut in kleinerem Umfang bewahrt werden wie z. Bsp. in Gerasa in Jordanien. Dort wurde auf der unteren Terrasse des großen Zeusheiligtums in römischer Zeit eine Bronzewerkstatt errichtet, die wohl für den Neubau und das Kultbild des Zeus die Bronzegeräte und Bronzeplastiken goß. Die Reste der Gußmantelformen, aus denen sich vielleicht nicht nur Werkstattabläufe und Funktionen, sondern auch das Kultbild des Zeus rekonstruieren lassen, liegen im Magazin, jede Erschütterung kann sie in Staub und Brösel zerlegen. Die Archäologen der KU haben die Idee, diese Formen in einem 3-D-Scan zu dokumentieren, zu rekonstruieren, zu bewahren und zu analysieren.

Unser kulturelles Erbe: Vielfalt der Sprachen, Vielfalt der Schriften

Mittwoch, 4.7.2018,
18:30 - 20:00 Uhr

PD Dr. Kerstin Kazzazi (Deutsche Sprachwissenschaft),
"Schrift und Schriftlichkeit als Kulturerbe: Runische Inschriften"

Die Runenschrift wird in der öffentlichen Wahrnehmung einerseits häufig in die Nähe zu Magie oder Esoterik gerückt, andererseits ist sie bekannt geworden durch ihre Verwendung zu Propagandazwecken durch die Nationalsozialisten. Sie ist jedoch in Struktur und Verwendung - der lateinischen Schrift vergleichbar - ein Inventar von Schriftzeichen zur Aufzeichnung von Sprache in ihrer gesamten Bandbreite, also eine Gebrauchsschrift. Verwendet wurde sie - anders als die lateinische Schrift - nur für eine bestimmte Sprachgruppe, nämlich die germanischen Sprachen. Die mit Runen geschriebenen Inschriften stellen die frühesten Zeugnisse dieser Sprachgruppe dar. Für die Forschung sind nicht nur Sprache und Inhalt dieser Inschriften interessant, sondern auch der Umgang mit der Schrift selbst liefert spannende Einblicke in die Entwicklung der Kulturtechnik des Schreibens. Das gesamte bekannte Corpus von über 6.000 Runeninschriften wird derzeit im RuneS-Projekt digital in einer Datenbank der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

 

Wolfgang Dickhut, Andreas Ellwardt (Forschungsstelle Christlicher Orient),
"Bewahrung christlich-orientalischen Kulturerbes. Digitalisierung unerschlossener Handschriftenbestände koptischer Bibliotheken"

Seit 2015 führt die Forschungsstelle Christlicher Orient (FSCO) ein von der Gerda Henkel Stiftung zunächst bis 2019 finanziertes Projekt durch, mit dem bisher unerschlossene Handschriftenbestände koptisch-orthodoxer und koptisch-katholischer Bibliotheken digitalisiert werden. Zwei Teams von ägyptischen Mitarbeitern erledigen die Arbeiten vor Ort und sind dazu mit dem nötigen Equipment ausgestattet worden. Der Vortrag stellt die bisherigen Resultate vor und beschreibt Perspektiven für die dauerhafte Sicherung der Digitalisate und ihre wissenschaftliche Auswertung.

 

 

Moderation:Daniel Eisele
Ort: International House (Foyer) der KU, Eichstätt
Der Eintritt ist frei.