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Das Österreichische Museum für Volkskunde konnte 1998 über 350 dieser Objekte aus dem Nachlass Flöges erwerben. Sie werden von Mai bis Oktober 2012 erstmals in einer Ausstellung präsentiert und in den Kontext der Entdeckung bzw. Erfindung der "Volkskunst" um 1900 gestellt. Vergleichsobjekte, die nicht aus dem textilen Bereich stammen, sollen diesen Zusammenhang sichtbar machen.
Das Interesse an den kunsthandwerklichen und künstlerischen Produktionen der ländlichen Bevölkerung war Ende des 19. Jahrhunderts beim städtischen Bürgertum allgemein sehr groß. Über das Sammeln dieser dekorativen, jedoch als primitiv und urtümlich betrachteten Kunst wurde deren künstlerisch-ästhetische Bedeutung erst erzeugt, was schließlich auch Einfluss auf die stilistische Entwicklung des Jugendstils nahm.
Klimts berühmtes Porträt von Emilie Flöge ist im Wien Museum zu finden. Es entstand 1902. Ab 1904 betrieb Flöge gemeinsam mit ihrer Schwester Helene den Haute-Couture-Salon "Schwestern Flöge" auf der Mariahilfer Straße. Dort präsentierten sie Modellkleider, die dem Modegeschmack der Wiener Werkstätte entsprachen. Ihr Salon wurde von Josef Hoffmann im Jugendstil entworfen. Berühmt wurden sie für ihre "Reformkleider", für die auch Klimt Entwürfe ablieferte. Diese Kleider wurden ohne Korsett getragen, hingen von den Schultern lose herab und hatten weite Ärmel. Bis zu 80 Schneiderinnen waren in Flöges Salon beschäftigt. Nach 1938 mussten sie den Salon schließen und in ihrem Wohnhaus im dritten Bezirk weiterarbeiten.
Österreichisches Museum für Volkskunde, Laudongasse 15-19, 1080 Wien, Tel.: +43/1/406 89 05
Nach zwei Jahren Umbauzeit öffnet das Museum Europäischer Kulturen ab dem 9. Dezember 2011 im Bruno-Paul-Bau in Dahlem wieder seine Tore. Die Sonderausstellung "Erkundungen in Europa. Visuelle Studien im 19. Jahrhundert" greift anhand von zwei Beispielen das Thema der kulturellen Begegnungen aus der ebenfalls neu eröffnenden Dauerausstellung auf.
Reisende Künstler und Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts wollten andere Lebenswelten kennenlernen und erforschen. Ihre Impressionen hielten sie in Bildern und Fotografien fest. Sie ließen auch maßstabsgerechte Architekturmodelle anfertigen. Ölgemälde des Berliner Malers Wilhelm Kiesewetter, der Mitte des 19. Jahrhunderts 14 Jahre lang durch Nord- und Osteuropa reiste, zeigen dies eindrücklich. Die Fotografie steckte zu der Zeit zwar noch in ihren Anfängen, entwickelte sich aber rasch weiter, sodass die wissenschaftliche Fotografie bald detailgetreue Zeichnungen und Bilder ablöste. Hier haben sich besonders Wissenschaftler der Berliner Gesellschaft für Ethnologie, Anthropologie und Urgeschichte, wie Rudolf Virchow, hervorgetan.
Museen Dahlem, Lansstraße 8, 14195 Berlin, Tel: 030 - 266 42 42 42 und 030 - 20 90 55 77
Eine Kooperation von Universität Wien, Universität für angewandte Kunst und dem Österreichischen Museum für Volkskunde
Mit wem sind Sie verwandt? Wer macht die Familienfotos? Wieviel Verwandtschaft ist in Deinem Handy? Wo lagern Sie ungeliebte Erbstücke? Wohin mit dem Bild vom Babybauch? Wer kommt in den Wechselrahmen? Hat die Familie eine Nationalität? Die Ausstellung Familienmacher basiert auf einer ethnographischen Forschung im 8. und 16. Wiener Gemeindebezirk.
Entgegen der Behauptung eines Zerfalls der Familie dokumentiert sie Alltagsformen des Festhaltens, Verbindens und Loswerdens. Dabei spielen Traditionen und Bilderbuchfamilien ebenso eine Rolle wie Sehnsüchte und neue Lebensweisen.
Offene Vitrinen bieten Platz für mitgebrachte und dagelassene Familienstücke, ein überdimensionales Familienalbum gestaltet sich im Laufe der Ausstellung immer wieder neu.
Österreichisches Museum für Volkskunde, Laudongasse 15-19, 1080 Wien, Tel.: +43/1/406 89 05
Die Heimatstadt verlassen und an einem anderen Ort neu beginnen - dies ist eine Erfahrung, die in vielen Familien in Görlitz und Zgorzelec bis heute eine große Rolle spielt. Das Kommen und Gehen der Menschen, meist erzwungen, manchmal freiwillig, hat das Leben in der deutsch-polnischen Grenz- und Doppelstadt im 20. Jahrhundert geprägt. Auslöser waren Diktatur und Krieg, Flucht und Vertreibung sowie gesellschaftliche und wirtschaftliche Umbrüche, die bis in die Gegenwart wirken.
Das Schlesische Museum hat in Kooperation mit dem Muzeum ?u?yckie in Zgorzelec erstmals eine Ausstellung erarbeitet, die sich den Lebenswegen der Menschen zwischen 1933 und heute widmet. Sie ist der Beitrag beider Museen zur 3. Sächsischen Landesausstellung, die zeitgleich in Görlitz beginnt.
In der Ausstellung begegnet der Besucher zehn Lebensgeschichten. Ihre beeindruckende filmische Inszenierung, Erinnerungsstücke und Dokumentationen lassen ein lebendiges Bild von Görlitz, Zgorzelec und ihren Bewohnern entstehen.
Die Ausstellung greift historisch auf das Jahr 1933 zurück, als mit der Machtübergabe an die Nationalsozialisten Verfolgung, Vertreibung und Internierung begannen. Bis 1945 hat die Stadt ihre gesamte jüdische Bevölkerung verloren. Aus den von deutschen Truppen überfallenen und besetzten Ländern kamen zehntausende Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter nach Görlitz. Ihre Arbeitskraft diente der deutschen Wirtschaft.
In der Notzeit nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Görlitz einen dramatischen Wechsel seiner Bevölkerung. Die Stadt wurde durch eine neue deutsch-polnische Grenze zerschnitten, die Deutschen mussten ihre Häuser im Ostteil verlassen, und es entstand Zgorzelec mit einer polnischen, griechischen und mazedonischen Bevölkerung. In den westlichen Stadtteilen suchten tausende deutsche Vertriebene Zuflucht.
In den folgenden Jahren trieb die SED-Diktatur viele Menschen aus dem Land. Anderen boten neu entstehende Industrien eine Existenzgrundlage. Seit der Wende 1989/90 ist die Entwicklung von Görlitz und Zgorzelec erneut durch starke Bevölkerungsbewegungen geprägt. Beide Städte suchen nach neuen Perspektiven für die Menschen.
Zur Ausstellung erscheint ein deutsch-polnischer Begleitband mit Erzählungen aus drei Generationen. (154 Seiten, Abb., 21,80 €, ISBN 978-3-9813510-5-7
Das Projekt wurde gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages sowie vom Sächsischen Staatsministerium des Innern.
Schlesisches Museum zu Görlitz, Schönhof, Brüderstraße 8, 02826 Görlitz, Tel.: +49 (0)3581 / 87910
Wer ist alt? Und wer ist jung? Die Vorstellungen von Alter und Jugend haben sich über die Jahrhunderte und besonders in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Zugleich wandelten sich auch die Lebensstile älterer Menschen. Oft fühlen sich Ältere von der Gesellschaft vernachlässigt, andererseits werden sie von der Wirtschaft mit gezielten Angeboten und Produkten umworben.
Die Sonderausstellung bewegt sich in diesem Spannungsfeld und greift verschiedene Aspekte rund um das Älterwerden und Altsein in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf. In sieben Abteilungen wird der Frage nachgegangen, worüber sich das Älterwerden definiert. Einerseits wird dieses von lebenszyklischen Ereignissen wie Versorgung und Pflegebedürftigkeit bestimmt, andererseits aber auch von neuen Freiheiten, die ältere Menschen haben.
Themen wie Generationenverträge, Wohnen und Pflegen, Medien und Produkte sowie Verjüngung und Beziehungen werden in der Ausstellung in den Blick genommen. Dabei wird auch immer das Verhältnis der Jüngeren zum Älterwerden behandelt. Persönliche Erfahrungen älterer und jüngerer Menschen, interessante Objekte, Bilder und Fotos sowie Mitmachstationen erwarten die Besucher, die schließlich auch mit der Frage konfrontiert werden, wie alt sie sich selbst fühlen.
Die Sonderausstellung "Alt und Jung - Vom Älterwerden in Geschichte und Zukunft" entsteht am Freilichtmuseum am Kiekeberg im Rahmen des seit 1990 bestehenden Ausstellungsverbundes "Arbeit und Leben". Zu diesem Verbund gehören das Freilichtmuseum am Kiekeberg (Rosengarten-Ehestorf), das Freilichtmuseum Hessenpark (Neu Anspach), das Schleswig-Holsteinisches Freilichtmuseum (Molfsee) und das Freilichtmuseum Domäne Dahlem (Berlin). Die Ausstellung wird in jedem der vier Museen ein Jahr gezeigt.
Stiftung Freilichtmuseum am Kiekeberg, Am Kiekeberg 1, 21224 Rosengarten, Tel: (0 40) 79 01 76-0
Im Mittelpunkt der Präsentation steht der tiefgreifende Wandel im Siedlungsbild sowie in Architektur und
Wohnkultur in den 1960er und frühen 1970er Jahren auf dem Land. Die Sehnsucht nach dem "neuen Bauen", nach dem "schöneren Wohnen", ging auf Kosten der historischen Bausubstanz in den Dörfern: Das Alte hat ausgedient und muss weichen - mit der Folge, dass die Ortskerne im Verlaufe der 1960er und 1970er Jahre zunehmend ihr historisches Gesicht verlieren. Die lichtdurchlässige Wand mit Glasbausteinen und Panoramafenster im Wohnzimmer stehen somit für einen architektonischen Aufbruch ins Lichte, Helle, der sich jetzt auch auf dem Land breite Bahn bricht. In Inszenierungen, Wohnzimmereinrichtungen, Filmen wird diese "Umbruchzeit" in der Ausstellung lebendig.
Fränkisches Freilandmuseum, Eisweiherweg 1, 91438 Bad Windsheim, Tel. 09841-668011 (Di - Do)
Eissplittertorte, warmer Apfelstrudel mit Vanilleeis, Kokosmakronen, gefüllte Trüffel, herrlich leckere Joghurt-Weingummis und dazu ein kleines Gläschen Schokolikör oder Limonade, eine "süße Verlockung", der (fast) keiner widerstehen kann. Und wem jetzt schon das Wasser im Munde zusammenläuft, darf sich getrost auf die neue Ausstellung "Süße Verlockung. Von Zucker, Schokolade und anderen Genüssen" freuen.
Die Besuchenden bekommen einen Einblick in die Themen Zucker, Produktvielfalt, Mode- und Kaltgetränke, Werbung, Luxusschachteln, Kolonialwaren sowie Kindersüßigkeiten. Zahlreiche Medien- und Mitmachstationen ergänzen die Ausstellung.
Zucker ist heute aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Wir verwenden ihn zum Süßen von Getränken, zum Backen und auch zum Kochen. Der Rundgang zeigt den Siegeszug des "Weißen Goldes" im europäischen Kulturkreis vorwiegend der wohlhabenden Oberschicht hin zum Genussmittel für die gesamte Bevölkerung. Die einzelnen Themen wurden mit zahlreichen Exponaten veranschaulicht. Von der Verarbeitung der Zuckerrübe bis hin zum Zahnarztstuhl erlebt der Besucher alle Facetten der "Süßen Verlockung". Kunstvolle Pralinenschachteln und Bonbondosen der letzten hundert Jahre, sowie ein Werbefilm spiegeln die geschickte Vermarktung der Naschereien wider. Heiße Schokolade, Kakao und Limonade stehen ebenso im Mittelpunkt wie Porzellantassen, Süßigkeitenautomaten und Zuckertüten.
Ein interessantes Begleitprogramm wird angeboten. Führungen und ein "zuckersüßes Rätsel" für Kinder und Erwachsene sind auf Anfrage möglich. Zur Ausstellung ist ein gleichnamiger Begleitband erschienen. Neben der Entstehung von Nahrungs- und Konsumgewohnheiten werden auch warenkundliche und sachkulturelle Aspekte, Werbung, Handel und Herstellung, Geschlecht und Statussymbol beleuchtet. Abgerundet wird der Band mit einem kritischen Blick auf Gewichtsprobleme, Schönheitsideale und Ernährungsfragen.
Ausstellung und Publikation sind ein Projekt des Ausstellungsverbundes "Arbeit und Leben". Erarbeitet wurde die Wanderausstellung im Schleswig-Holsteinischen Freilichtmuseum in Molfsee und läuft seit 2008 durch die Verbundmuseen Museumsdorf Cloppenburg, Domäne Dahlem Berlin sowie Freilichtmuseum am Kiekeberg.
Freilichtmuseum Hessenpark - Stallscheune aus Asterode, Laubweg 5, 61267 Neu-Anspach/Taunus, Tel.: 06081-588-0
Auch wenn sich die Menschen heute für rational und aufgeklärt halten, spielt der Aberglaube im täglichen Leben doch immer noch eine nicht zu unterschätzende Rolle. Glaube und Aberglaube können manchmal ähnlich erscheinen, sind aber im Kern grundverschieden: Der christliche Glaube ist ein freies, vertrauendes Verhältnis zwischen Mensch und Gott; der abergläubische Mensch dagegen will sich "heidnische Mächte" dienstbar machen. Aberglaube verweist oft auf einen Mangel an Gottvertrauen und Lebenszuversicht.
Die Ausstellung im Kirchenburgmuseum Mönchsondheim will ausgewählte Beispiele von Objekten und Bräuchen des Aberglaubens vorstellen. Sie spannt dabei den Bogen vom Gebrauch von Amuletten in vor- und frühgeschichtlicher Zeit über die Hexenverfolgung als eine besonders extreme Ausprägung bis hin zu modernen Formen und Symbolen des Aberglaubens. Die Ausstellung thematisiert die in früherer Zeit gerade auf dem Land weit verbreiteten abergläubischen Vorstellungen im häuslichen Bereich sowie in Bezug auf Pflanzen und Tiere ebenso wie Hintergründe und Wurzeln der bis in die heutige Zeit gebräuchlichen "Glücksbringer" wie Schornsteinfeger, vierblättrige Kleeblätter und "Unheilbringer" wie schwarze Katzen und die Zahl 13.
Kirchenburgmuseum Mönchsondheim, Kirchstr. 5, 97346 Iphofen-Mönchsondheim, Tel.: 09326/ 1224
Die Ausstellung, ein Kooperationsprojekt mit dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv, zeigt in einem breit angelegten Spektrum die Geschichte des Waldes in Bayern vom 9. Jahrhundert bis heute, von der Rodungstätigkeit im Mittelalter bis zur Entwicklung des Ökosystems Wald unter den Rahmenbedingungen des Klimawandels. Zehn Sequenzen beleuchten zahlreiche Aspekte aus der Geschichte von Wald und Jagd: Der Wald war Lebensraum der Wildtiere und Ort des Jagdgeschehens - die adelige Jagd des Barock wird ebenso thematisiert wie die moderne Jagd und die Hege des Wildes. Der Wald war aber auch die Basis für das ländliche Leben der vorindustriellen Zeit schlechthin. Aus dem Wald holte die Landbevölkerung Laub und Streu, dort weideten Schweine und Rinder. Der Wald lieferte neben Bau- und Werkholz auch zahlreiche Produkte des täglichen Bedarfs: Harz zum Pichen von Bierfässern oder Pottasche zur Glasherstellung.
Mit der Romantik veränderte sich der Blick auf den Wald grundlegend: Der Wald war nicht mehr ausschließlich Wildnis, Jagdrevier oder Holzlieferant, sondern wurde zum Sehnsuchtsort, zum Thema von Märchen und Mythen, zum Gegenstand von Literatur und Musik.
Ergänzend zur Ausstellung zieht sich das Thema Holz wie ein roter Faden durch das Museumsjahr. An jedem ersten Sonntag im Monat gibt es die Führung "HolzWege". In der Köhlerwoche, von 4. bis 11. August, steht die Verwendung von Holz als Energieressource im Mittelpunkt. Die "BaumReise" für Kinder stellt an drei Terminen jeweils einen der heimischen Waldbäume in den Fokus. Die Aktionswoche "WaldZeit", vom 15. bis 21. August, bietet Vorführungen, offene Werkstätten und den Medienworkshop "WaldTöne".
Freilichtmuseum Glentleiten des Bezirks Oberbayern, An der Glentleiten 4, 82439 Großweil, Tel.: 08851 - 185 0
Wir zeigen hölzerne Alltagsgegenstände des vergangenen Jahrhunderts aus Oberbayern. Die historischen Objekte erzählen faszinierende Geschichten über ihre ehemaligen Besitzer, ihre frühere Verwendung und ihre einstige Bedeutung. Die Palette der aus der Museumssammlung ausgewählten Stücke reicht vom einfachen Gebrauchsgegenstand über ein Kinderspiel mit besonderer Herkunft bis hin zu einem seltenen Spezialwerkzeug.
Freilichtmuseum Glentleiten des Bezirks Oberbayern, An der Glentleiten 4, 82439 Großweil, Tel.: 08851 - 185 0
2010 schrieb das Rieser Bauernmuseum einen Fotowettbewerb zum Thema "Bäuerliche Arbeit im Ries" aus. Anlass war eine Ausstellung über die Fotografin Erika Groth-Schmachtenberger (1906-1992), in deren Werk Aufnahmen von Bauern und Bäuerinnen bei der Arbeit einen großen Stellenwert eingenommen hatten. Das Museum hatte gefragt: Wie sehen Menschen die aktuelle Landwirtschaft? Was ist kennzeichnend für die moderne Landwirtschaft im Ries? Sind noch Menschen zu sehen oder dominieren riesige Maschinen? Die Teilnehmer am Fotowettbewerb interpretierten das Thema sehr unterschiedlich, die Fotografien decken somit eine große Bandbreite der heutigen Landwirtschaft ab. Eine Jury traf eine Auswahl aus den qualitätvollen Einsendungen, die in der Ausstellung gezeigt wird. Die Betrachter können beim Gang durch das Museum auch einen Vergleich zwischen früher und heute ziehen, da sich eine der Dauerausstellungen mit dem Wandel der Rieser Landwirtschaft zwischen 1800 und 1950 befasst. Die Foto-Ausstellung stellt nun die Situation 2010 daneben.
Rieser Bauernmuseum Maihingen, Klosterhof 3 und 8, 86747 Maihingen, Telefon 09087 / 920 717-0
Menschen legten schon immer Wert auf ihr äußeres Erscheinungsbild. Zum guten Aussehen trugen Bader bzw. Friseur, Hutmacher, Schneider und Schuhmacher wesentlich bei. Die Ausstellung zeigt ihre Werkzeuge, Gerätschaften und die fertigen Produkte aus einem Zeitraum von etwa 1900 bis 1970. Filme, Fotos und Interviews ergänzen die Themen und Ausstellungsobjekte.
Im Mittelpunkt steht ein Herren-Frisiersalon. Das Haareschneiden bildete allerdings nur einen Teil des Angebotes. Bereits der Bader, wie der Vorläufer des Friseurs hieß, war für die Bartpflege zuständig. Die Bartmode bedingte aus heutiger Sicht kuriose Dinge wie Bartbinden und spezielle Tassen. Hatten früher Friseure die Haare der Damenwelt mit Brennscheren onduliert, verbrachten Frauen später manche Stunde mit Lockenwicklern unter der Trockenhaube. Die Entwicklung führte stufenweise von der heißen zur kalten Dauerwelle. Nach stundenlanger Prozedur war das Haar füllig und gewellt - jetzt konnte der eigentliche Haarschnitt folgen. Auch das Tressieren und Knüpfen von Haarteilen und Perücken zählte früher zum Handwerk. Noch bis in die 1960er Jahre gehörte für die Damen ein modischer Hut zur Frisur. Aus Haar-, Wollfilz oder Stroh gearbeitet, begleitete er auch den gut gekleideten Herren.
Jedoch machen erst Kleider Leute. Schneider stellten die Garderobe nach Maß her. Näherinnen fertigten vor allem Wäsche, aber auch Kinder- und Damenbekleidung, mit Ausnahme von Mänteln und Jacken. Die Kunden hatten bestimmte Vorstellungen oder brachten Modevorlagen mit. Die Stoffe kauften die Schneider oft gemeinsam mit den Auftraggebern ein. Manche Tuchfabriken stellten den Handwerkern Stoffmuster-Sortimente zur Verfügung.
Fehlen noch die Füße. Musterstücke veranschaulichen die Entstehung eines genagelten Schuhes. Eine "Schuhparade" gewährt einen Überblick über 70 Jahre Schuhwerk, hauptsächlich der Damen. Bemerkenswert ist, dass selbst in Notzeiten zwar Reifenteile als Sohle dienten, aber dennoch die Arbeit am guten Aussehen elegante Schuhe hervorbrachte.
Rieser Bauernmuseum Maihingen, Klosterhof 3 und 8, 86747 Maihingen, Telefon 09087 / 920 717-0