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Vierter WORKSHOP "MemoriAL: Interdisziplinäres Netzwerk Lateinamerikanische Gedächtnis- und Erinnerungsforschung"

Vierter WORKSHOP
MemoriAL: Interdisziplinäres Netzwerk Lateinamerikanische Gedächtnis- und Erinnerungsforschung

Wege zur Erinnerung: Methoden und Methodologien in den Memory Studies

Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Forschungen aus dem Bereich der memory studies haben in Lateinamerika in den letzten Jahren sowohl im akademischen, als auch im sozialen Bereich enorm an Bedeutung gewonnen. Ein Verständnis dafür zu gewinnen, wie Gesellschaften Beziehungen zu ihrer Vergangenheit aufbauen oder zerstören, ist nicht mehr nur eine Fragestellung für die Geschichtswissenschaften, sondern wurde auch in anderen Disziplinen und unter anderen Perspektiven vielfältig angeeignet. Die Reflexionen über Erinnerung haben eine fruchtbare Debatte mit verschiedenen Blickwinkeln und Konzeptualisierungen hervorgerufen, die sehr produktiv ist, aber auch das Risiko der Unübersichtlichkeit birgt da eine gleichwertige Diskussion der spezifischen Methoden und Methodologien in der Erinnerungsforschung bisher ausblieb. Die Transdisziplinarität dieses Forschungszweiges verlangt verschiedene Zugänge von den Forschenden, um Probleme aufzuzeigen und mit adäquaten Mitteln angehen zu können. Welche Möglichkeiten und Herangehensweisen im Feld vorherrschen, und wie die am besten geeigneten Methoden gewählt werden können, um diese im Feld der memory studies beantworten zu können, ist die Fragestellung, der wir uns stellen möchten.

Um sie zu beantworten, organisieren wir, das Interdisziplinäre Netzwerk Lateinamerikanische Gedächtnis- und Erinnerungsforschung – MemoriAL und das Zentralinstitut für Lateinamerikastudien/Professur für Geschichte Lateinamerikas der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, ein Workshop speziell für Nachwuchswissenschaftler_innen, die sich mit verschiedenen methodologischen Zugängen vertraut machen möchten und sich für die Problematiken interessieren, die sich ergeben, wenn Konzepte und Theorien aus einem spezifischen Kontext (häufig: der Holocaustforschung) auf einen anderen (in unserem Fall: Lateinamerikanische Geschichte) angewendet werden. Methodologische Herangehensweisen implizieren hier nicht nur die theoretische Reflexion, sondern besonders auch die Schwierigkeiten, die sich aus der Übertragung auf andere Kontexte ergeben. Die Wahl adäquater Methoden bestimmt nämlich sowohl die Eingrenzung des Themas, als auch die Auswahl des Materials auf dessen Grundlage die Forschung aufbaut.

Der Workshop, welcher vom 20. bis 22. Juli 2017 in Eichstätt stattfinden soll, wird aus diesen Gründen nicht das Format einer Konferenz haben, sondern Raum schaffen für ein breiteres Spektrum an Diskussionen und Aktivitäten, die sich auf bestimmte Methoden und ihre Anwendung konzentrieren. Die Vorschläge basieren auf den individuellen Forschungen der Mitglieder von MemoriAL und weiterer Doktorand_innen der KU. Diese werden vorgestellt, um die Vorbereitung auf die empirische Arbeit in Feldforschung oder Archiv zu gewährleisten. Der Workshop wird primär auf Spanisch stattfinden, Beiträge auf Portugiesisch, Deutsch und Englisch sind aber ebenso willkommen, um eine breite Teilnahme der Doktorand_innen des ZILAS, sowie anderer Universitäten in Deutschland und Lateinamerika zu ermöglichen. Zwei Arbeitstage sind darum für interessierte Studierende aus anderen Fakultäten und Programmen geöffnet.

Der Workshop wird organisiert von MemoriAL – Interdisziplinäres Netzwerk lateinamerikanische Gedächtnis- und Erinnerungsforschung. Das Netzwerk hat sich auf Initiative von Professor_innen und Nachwuchswissenschaftler_innen der Katholischen Universität Eichstätt-Inglostadt, der Freien Universität Berlin, der Universität Konstanz, der Universität Bonn, der Ludwig-Maximilians-Universität München, und der Universidad de los Andes (Bogota, Kolumbien) gegründet. Sein Ziel ist es, einen Raum für akademische Diskussionen rund um Erinnerungsforschung in Lateinamerika anzubieten, sowie eine Plattform zu schaffen für den Austausch zwischen akademischen Institutionen und Organisationen, die sich mit der Konstruktion und Verbreitung bestimmter Erinnerungsdiskurse in regionalen und nationalen Kontexten Lateinamerikas befassen.

Der vierte Workshop soll der vorangegangenen Arbeit der jungen Forschenden weitere Kontinuität verleihen. Diese Arbeit begann im Jahr 2012 mit dem ersten Treffen in Bogota von 14. bis 16. August unter dem Titel „Erinnerung und Konflikt. Erinnerungen im Konflikt“.  An der Universidad de los Andes beschäftigten sich die Mitglieder mit der Konsolidierung der internationalen Kooperation. Der zweite Workshop unter dem Titel „Interweaving Disciplinary Perspectives toward the Study of Latin-American Memories”  fand von 08. bis 09. September 2014 an der Freien Universität Berlin statt. Auf diesem Treffen gelang es, eine Forschungsagenda festzulegen, und vier gemeinsame Arbeitslinien zu identifizieren. Auf dem dritten Workhops an der Universität Konstanz wurden von 28. bis 29. Juli 2016 unter dem Titel “Thinking the Latin American Memory Complex” die theoretischen Herangehensweisen der Nachwuchswissenschaftler_innen vorgestellt und diskutiert.

 

PROGRAMM

IV WORKSHOP

MemoriAL: Interdisziplinäres Netzwerk Lateinamerikanische Gedächtnis- und Erinnerungsforschung

Wege zur Erinnerung: Methoden und Methodologie in den Memory Studies

Katholische Universität Eichstätt-Ingolstad

 

20. – 22. Juli 2017

Ort: KAP-030

 

Mittwoch,19. Juli

Ankunft der Teilnehmenden

 

Donnerstag, 20. Juli

Workshop, offen für das interessierte Publikum:

 

10:15 Uhr
Begrüßung
(Prof. Dr. Thomas Fischer, M.A. Andrea Cagua, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt)

 

Themenfeld I: Methodologische Herausforderungen in einem interdisziplinären Forschungsfeld

10:30 Uhr   
La masacre de las bananeras: Una conversación desde la interdisciplinariedad de los estudios de la memoria [Das Massaker der Bananenplantagen: Eine interdisziplinäre Konversation aus der Perpsektive der memory studies]

 

Prof. Dr. Tatjana Louis
Prof. Dr. Alessandra Merlo                                       (Universidad de los Andes, Kolumbien)
B.A. Andrés Montoya
B.A. Adriana Vera

Die kolumbianische Hälfte des MemoriAL Netzwerkes wird hier aus unterschiedlichen disziplinären Zugängen über verschiedene Perspektiven auf Erinnerung als Konzept reflektieren, um diese vorzustellen und erste Resultate zu diskutieren. Am Beispiel des kolumbianischen Massakers der Bananenplantagen von 1928 werden Fragen und Probleme der verschiedenen methodologischen Zugänge aufgezeigt, um einen Erinnerungsbegriff zu entwickeln, der ein gemeinsames Arbeiten ermöglicht.

12:00 Uhr: Mittagessen

Themenfeld II: Erinnerung und Bild

13:00 Uhr
El uso de las imágenes, audio y visuales en los estudios de la memoria.
Algunos acercamientos
metodológicos [Die Verwendung von audio-visuellen Medien in den memory studies. Methodologische
Zugänge]

Dr. des. Fabiola Arellano (Ludwig-Maximilians-Universität München)

M.A. Leonardo Pascuti  (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt)
Dr. Mónika Contreras Saiz (Freie Universität Berlin)

Die Verwendung von Bildern in ihren verschiedenen Formaten (audiovisuell – Kino, Fernsehen; Gemälde, Zeichnungen, etc.) spielen eine zentrale Rolle in der Konstruktion von Erinnerung. In diesem Workshop sollen diese Quellen und ihre Anwendung darum im Vordergrund stehen. Wir werden verschiedene Methoden zur Analyse vorstellen und in Kleingruppen die Möglichkeit haben, diese auszuprobieren. Am Ende werden die Möglichkeiten und Grenzen dieser Formate diskutiert.

15:30 Uhr: Pause

15:40 Uhr: Memory Work durch Fotografie
M.A. Lena Voigtländer  (Universität Bonn)

Memory Work (Annette Kuhn) ist eine methodologische Annäherung für das Erforschen von Erinnerung. In der Übung sollen die Teilnehmenden diese selbst ausprobieren. Erzählungen sollen durch Fotografien stimuliert und über Erinnerungen evoziert werden, um anhand dieser der Vergangenheit Sinn zu geben.

[Kuhn, Annette, “Memory texts and memory work: Performances of memory in and with visual media”, Memory Studies 3(4), 298 – 313, 2010]

17:40 Uhr: Pause

17:50 Uhr: Ein Beispiel der Filmmethodologien: Die Hacienda als Gedächtnisspeicher – filmische Mnemotopie zum mexikanischen Hinterland [La hacienda como acervo de la memoria – nemotopía fílmica del México rural]

M.A. Sergej Gordon (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt)

Anhand von drei markanten Filmbeispielen wird  untersucht, wie gegensätzlich die Einschätzung der mexikanischen Hacienda als historischer Ort vorgenommen wurde. Während Sergej Eisenstein in Que viva México (1931) die Hacienda als einen Schattenort aufgreift, an dem sich eine heiße, auf die Revolution gerichtete Erinnerung konstituiert, bleibt in El compadre Mendoza (1934) von Fernando de Fuentes die historische Figur des Hacendado ambivalent und die Traktierung der mexikanischen Vergangenheit in der Schwebe. Allá en el Rancho Grande (1936), ebenfalls von de Fuentes, feiert die Hacienda schließlich als Eutopie, in welcher eine unerschütterliche Sukzession ländlicher Werte und Gebräuche in Mexiko unhinterfragt bleibt. Das letzte Beispiel scheint dabei die Hacienda als Mnemotop zu einem rhetorischen Ort zu degradieren und trägt in erheblichem Maße zur Dissemination eines historisch überwundenen aber als Archetyp persistenten Mexikobildes bei.

18:50 Uhr: Abschluss

 

Freitag, 21. Juli

Workshop, offen für das interessierte Publikum:

9:30 Uhr: Zusammenfassung und Kommentare zum vergangenen Tag
(M.A.Leonardo Pascuti, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt)

 

Themenfeld III: Erinnerung und ethnografische Methoden

10:00 Uhr: El uso de las historias de vida en los estudios de memoria [Die Verwendung von Lebensgeschichten in den memory studies]

M.A. Carolina Garay Doig (Universität Bonn)
B.A. Felipe Fernández (Freie Universität Berlin)

Das Erzählen von Lebensgeschichten ist eine Methode, die bereits seit einigen Jahrzehnten in der qualitativen Forschung verwendet wird. Diese biografische Technik sammelt persönliche Geschichten von Individuen, die aus subjektiver Perspektive ihre Erfahrungen in ihrer sozialen und historischen Realität beschreiben. Das Ziel dieser Übung ist es, die Möglichkeiten dieser Technik für die Erinnerungsforschung auszuloten, insbesondere im Hinblick auf die Erfahrungen aus lateinamerikanischen Ländern, die bewaffnete Konflikte erlebt haben. Dabei sollen mit Hilfe eines konkreten Fallbeispiels die Grenzen und Schwierigkeiten reflektiert werden, sowie mögliche Auswege angedeutet werden, die sich im Laufe der Rekonstruktion von Lebensgeschichten ergeben können.

11:00 Uhr: Pause

11:15 Uhr: Multi-sited ethnography und die Erforschung des kollektiven Gedächtnisses

Dr. Antje Gunsenheimer (Universität Bonn)

Multi-sited ethnography ist ein methodischer Zugang, der besonders in Themenkomplexen wie Migration und Konflikten verwendet wird. Er wird häufig mit der Affirmation “Following the people, following the theme, following the plot” beschrieben. Um die Verwendung dieses Zugangs für die Erforschung des kollektiven Gedächtnisses zu analysieren, soll eine kritische Diskussion über die Verbindung ethnografischer Methoden mit Theoriekomplexen angeregt werden.

12:15 Uhr: Mittagessen

Themenfeld IV: Erinnerung im Alltag. Andere Zugänge.

13:30 Uhr: Evocando Memorias. Taller de metodologías afectivas [Erinnerungen evozieren. Übung zu affective methodologies]

M.A. Hendrikje Grunow (Universität Konstanz)
M.A. Andrea Cagua (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt)

Basierend auf den Ideen von Timm Knudsen und Stage sollen Affekte verstanden werden als etwas, das zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Körpern übertragen wird, und das aus subjektiver Sicht oft überraschend erfahren wird (2015: 4-5). Es soll im Workshop versucht werden, Erinnerungen bei den Teilnehmenden hervorzurufen durch Objekte, Geschmäcker, Gerüche, Klänge, und andere Sinneseindrücke. Mit Hilfe der Anwesenden soll die Übertragung von Affekten beobachtet werden. Dies soll zunächst ohne einen konkreten historischen Kontext geschehen, wobei es den Teilnehmenden freisteht, die Übungen im Zusammenhang mit ihren eigenen Projekten zu denken. Es wird außerdem Raum geben, auf diese konkreten Bedürfnisse einzugehen.

[Timm Knudsen, Britta, and Carsten Stage. 2015. Affective Methodologies: Developing Cultural Research Strategies for the Study of Affect]

15:30 Uhr: Pause

15:45 Uhr: Una mirada desde las artes: Intervenciones en lugar de monumentos [Ansichten aus der       Kunst. Interventionen statt Denkmäler]

M.A. Oscar Ardila (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt)

In der modernen visuellen Kunst kann man einen Trend zu Interventionen im öffentlichen Raum erkennen, der unter anderem darin besteht, sich temporär in Erinnerungsorte und Denkmäler „einzumischen“. Diese Interventionen werden dazu genutzt, die politische und symbolische Bedeutung dieser Orte mit den alltäglichen Praktiken der Bürger_innen zu konfrontieren. Mit dem Ausspruch „Interventionen statt Denkmäler“ wird also eine Alternative zum konventionellen Kunstverständnis der Nachkriegszeit im öffentlichen Raum – den monumentalen und zentralisierten Repräsentationen der „Traurigkeit“ der Menschheit – beschrieben. Während des Vortrags werden einige dieser künstlerischen und performativen Interventionen vorgestellt.  

18:00 Uhr: Abschluss
18:30 Uhr: Performance und Fotosession für den Netzwerk-Blog

 

Samstag, 22. Juli

Geschlossenes Treffen der Netzwerkmitglieder

10:00 Uhr: Schreibworkshop: Was wir meinen, wenn wir über Erinnerung sprechen
Organizatorin: M.A. Andrea Cagua (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt)           

Mit dem Ziel, vorhandene Konzepte zu vereinheitlichen, soll in dieser Einheit der Grundstein für die Arbeit an einem gemeinsamen Lexikon gelegt werden. Im Schreibworkshop sollen Definitionen zu Kernkonzepten ausgearbeitet werden, die häufig in den Diskussionen des Netzwerks und der Forschungsliteratur verwendet werden. Dafür sollen die Kenntnisse der einzelnen Mitglieder genutzt werden, um ein gemeinsames Dokument zu erstellen.

Darüber hinaus werden Schreibplattformen, die das gleichzeitige Arbeiten ermöglichen, nutzen gelernt.

12:30 Uhr: Mittagessen

13:30 Uhr: Bilanz und Planung der weiteren Aktivitäten des Netzwerks
Moderatorin: M.A. Andrea Cagua (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt)

In diesem Abschnitt sollen sowohl das Workshop, als auch die Aktivitäten des vergangenen Jahres bilanziert werden. Darauf aufbauend werden darüber hinaus die kommenden Aktivitäten geplant, und Zuständigkeiten etabliert.

18:00 Uhr: Abschluss

 

Programm

 

 

Datum: Donnerstag, 20.07.17  - Samstag, 22.07.17
Uhrzeit: 10:15 -  18:00 Uhr
Veranstalter: Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler des Zentralinstituts für Lareinamerikastudien (ZILAS) 
Ort: Raum Kap 018, Ehemaliges Kapuzinerkloster, Kapuzinergasse 2, Eichstätt