Sie befinden sich hier: KU.de  Kommunikation  Für KU-Mitglieder  Veranstaltungen  Einzelansicht

Termine

"Die USA und Lateinamerika in der Ära des Kalten Krieges: Partner oder Vormund?"

Referent: Dr. Karl-Dieter Hoffmann (Eichstätt)

Spätestens seit Beginn des Ost-West-Konflikts übernahmen die USA die Rolle einer Hegemonialmacht in der Region südlich des Rio Grande. Aus Washingtoner Sicht bestand ein enges und unauflösliches Verhältnis zwischen der politischen Stabilität in Lateinamerika und den eigenen Sicherheitsbedürfnissen. Übergeordnetes regionalpolitisches Ziel der USA im Zeichen der Blockkonfrontation war es, den Kommunismus von den politischen Systemen in ihrem so genannten „Hinterhof“ fernzuhalten. In der politischen Praxis bedeutete dies, mit den auf die Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen Status quo fixierten konservativen Machtgruppen der diversen Länder eng zu kooperieren. De facto trug der starke Einfluss der USA maßgeblich dazu bei, dass der Handlungsspielraum lateinamerikanischer Politik massiv eingeschränkt wurde. Strukturreformen, welche zur Überwindung der miserablen Lebensbedingungen der Masse der Bevölkerung notwendig gewesen wären, hatten unter diesen Bedingungen keine Verwirklichungschance. Befürworter von grundlegenden Reformen – etwa im landwirtschaftlichen Bereich – wurden regelmäßig als „Subversive“ und „Kommunisten“ diffamiert, vor allem nach der kubanischen Revolution. In mehreren Ländern wurden mit Hilfe der USA bzw. deren Geheimdienst unliebsame Regierungen gestürzt und durch konservative Kräfte ersetzt. In den 1960er und 1970er kam es zu einer Proliferation von autoritären bis diktatorischen Militärregimen, die politisch Andersdenkende gnadenlos verfolgten. Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts nahm die Intensität der Einflussnahme der USA auf die lateinamerikanische Politik spürbar ab. Durch ihre unsensible und arrogante Politik haben die USA in der mehr als 40 Jahre umspannenden Ära des Kalten Krieges maßgeblich dazu beigetragen, die Modernisierung der lateinamerikanischen Gesellschaften zu verhindern.  

Dr. Karl-Dieter Hoffmann ist Politikwissenschaftler und war bis Mitte 2015 Geschäftsführer am Zentralinstitut für Lateinamerikastudien der KU Eichstätt-Ingolstadt


„Zwischen Utopie und Wirklichkeit: Sozialismus und Kommunismus in Lateinamerika“

Zum 10. Mal findet dieses Semester die Vortragsreihe im Winter des Zentralinstituts für Lateinamerikastudien (ZILAS) statt, die dieses Mal in Zusammenarbeit mit der Professur für Theorie und Didaktik der Geschichte durchgeführt und von der Bundeszentrale zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert wird.

100 Jahre nach der Russischen Revolution stellt sich im Hinblick auf Lateinamerika nicht nur die Frage, wie insbesondere marxistisch-leninistische Ideen im Laufe des vergangenen Jahrhunderts rezipiert wurden und welches die konkreten Auswirkungen der Russischen Revolution waren. Auch wie sich ein eigenes revolutionäres Potential in der Region entwickelte und in welchem Verhältnis dies zu europäischen Varianten der Etablierung, Sicherung, Überwindung und Erinnerung sozialistischer und kommunistischer Systeme steht, wirft ein Licht auf Spielarten einerseits und übergreifende Ansprüche sozialistischer und kommunistischer Strukturen andererseits: Wie entstanden mit dem „kurzen 20. Jahrhundert“ in Lateinamerika Nährböden für sozialistische und kommunistische Utopien und welche Realitäten erwuchsen daraus, verschwanden oder blieben erhalten und wie werden diese Utopien und Realitäten erinnert?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich die diesjährige von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur geförderte Vortragsreihe im Winter. Die Reihe richtet sich an alle Interessierten innerhalb und außerhalb der KU Eichstätt-Ingolstadt.

An neun Terminen verdeutlichen Vorträge und eine Filmvorführung, dass Sozialismus und Kommunismus sich in Lateinamerika auf sehr ambivalente und vielfältige Art und Weise manifestierten und manifestieren: in Parteien, intellektuellen Diskursen, wissenschaftlichen Disziplinen, Gewerkschaften, populistischer Politik, Guerilla-Organisationen, planwirtschaftlich ausgerichteten Modellen, Reformprogrammen, sozialen Bewegungen sowie Solidaritätsbewegungen, im öffentlichen gesellschaftlichen Diskurs und nicht zuletzt in der Theologie der Befreiung.

Die Vortragsreihe wird mit einem Vortrag von Prof. Dr. Klaus Meschkat von der Universität Hannover eröffnet. Meschkat spricht zum Thema „Die russische Revolution von 1917 und ihr Echo in Lateinamerika“. Die Veranstaltung beginnt um 18.30 Uhr im Raum KAP 010, Kapuzinergasse 2, 85072 Eichstätt. Danach finden die Vorträge jeweils mittwochs ab 18:30 Uhr in Kollegiengebäude Bau A 205 (Ostenstraße 26) statt.

Begleitend zur Vortragsreihe wird im Foyer der Sommerresidenz die von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Deutschen Historischen Museum Berlin konzipierte Ausstellung „Der Kommunismus in seinem Zeitalter“ gezeigt. Sie beschreibt den Aufstieg und Niedergang kommunistischer Bewegungen, deren totalitärer Anspruch rund um den Globus Millionen mobilisierte und sich zum Albtraum von Abermillionen entwickelte, die Opfer kommunistischer Gewaltregime wurden.

Nähere Infos und das Programm

 

 

Datum: Mittwoch, 15.11.17  Uhrzeit: 18:30 -  19:30 Uhr
Veranstalter: Zentralinstitut für Lateinamerikastudien (ZILAS) in Zusammenarbeit mit der Professur für Theorie und Didaktik 
Ort: Raum 205, Kollegiengebäude, Bau A, Ostenstraßen 28, Eichstätt