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25.09.17

Der Mensch als Träger und Ziel von Bildung

25 Lehrerinnen und Lehrer von katholischen Schulen aus ganz Bayern haben sich an der KU rund um „Katholische Reformpädagogik unter besonderer Berücksichtigung des Marchtaler Plans“ weitergebildet und nun ihr Abschlusszertifikat erhalten. Damit feierte dieses Studienangebot ein kleines Jubiläum, denn es war der mittlerweile fünfte Jahrgang, der an der KU seine Zeugnisse erhielt – gleichzeitig wurde der sechste Jahrgang begrüßt. Die KU ist in dieser Thematik zu einem zentralen Anlaufpunkt in Bayern geworden.


Die 25 Absolventinnen und Absolventen erhielten ihr Zertifikat im Holzersaal der Eichstätter Sommerresidenz aus den Händen der drei Kursleiterinnen. (Foto: Schulte Strathaus/upd)

Der Zertifikatskurs an der KU, der zwei Semester dauert und 10 Seminareinheiten umfasst, bereitet Lehrkräfte an katholischen Schulen darauf vor, nach der Pädagogik im Sinne des „Marchtaler Plans“ zu unterrichten: mit den Elementen des Morgenkreises, der Freien Stillarbeit und des Vernetzten Unterrichts, einer anderen Form von Leistungsmessung, vor allem aber auf der Grundlage eines christlichen und reformpädagogischen Menschenbildes. Der Kurs wird von der Fakultät für Religionspädagogik/Kirchliche Bildungsarbeit gemeinsam mit dem Katholischen Schulwerk Bayern angeboten. Zurück geht das Konzept auf die Kirchlich Akademie der Lehrerfortbildung in Obermarchtal (Diözese Rottenburg-Stuttgart).

KU-Präsidentin Prof. Dr. Gabriele Gien dankte in ihrem Grußwort zur Abschlussfeier den Kursleiterinnen Prof. Dr. Sabine Bieberstein (Dekanin der Fakultät für Religionspädagogik/Kirchliche Bildungsarbeit), Prof. Dr. Barbara Staudigl (Leiterin der Maria-Ward-Realschule Eichstätt) und Petra Schiele (Leiterin der Maria-Ward-Realschule Schrobenhausen), welche das Weiterbildungsangebot langfristig in Bayern etabliert hätten. „Vernetzte Denkweise, persönliches Engagement – dies sind Elemente des Marchtales Plans, die wir auch für unsere Studierenden als wichtig erachten. Wenn uns dies so gut gelingt, wie Ihnen in den Schulen, können wir glücklich sein“, so Gien. 

In seinem Festvortrag ging der Leiter der Schulabteilung im Bistum Eichstätt, Dr. Peter Nothaft, auf eine grundlegende Fragestellung ein, welche zur Entstehung des Zertifikatskurses beigetragen hat: Wodurch unterscheiden sich katholische Schulen von solchen in staatlicher Trägerschaft? Was macht das Qualitäts-Plus katholischer Schulen aus? Nothaft nahm in seinen Ausführungen bei der Beantwortung dieser Fragen Bezug auf die Katholische Soziallehre, welche sich durch  Prinzipien der Personalität (also Wert und Würde der menschlichen Person als Leitprinzip), der Solidarität, der Subsidiarität (also der Eigenständigkeit der kleineren Einheit vor der größeren) und dem Gemeinwohl auszeichne – und Anknüpfungspunkte auch für das Selbstverständnis katholischer Schulen biete.

Johannes XXIII. habe festgehalten, dass der Mensch „Träger, Schöpfer und das Ziel aller gesellschaftlichen Einrichtungen“ sein müsse. „Der Mensch als Person, als Geschöpf mit eigener schöpferischer Kraft, in Freiheit und Verantwortung, mit Wille und Verstand ausgestattet ist jenes Wesen, dass in einmaliger Weise gebildet werden kann, Selbstbildungskräfte besitzt, die gefördert werden wollen und wiederum als gebildete Persönlichkeit in Bildungsprozesse für andere einsteigen kann“, erklärte Nothaft. Außerdem sollen sich katholische Schulen dadurch auszeichnen, dass sie gerade im Lernen Wege gehen, die „subsidiär“ das Lernen des Einzelnen fördern – im vertrauensvollen Miteinander von Schule und Eltern. „Katholische Schulen müssen sich heute noch stärker positionieren angesichts eines Bildungsbegriffs, der nur die Frage nach ökonomischer Nützlichkeit und Verwertbarkeit in den Mittelpunkt stellt“, so Nothaft. Daraus leite sich auch der Gemeinwohlgedanke als eine Säule in katholischen Schulen ab.

Schulen seien zusammen mit den kirchlichen Kindertagesstätten, den kirchlichen Universitäten und Hochschulen sowie anderen Bildungseinrichtungen die Tätigkeitsfelder von Kirche, mit denen auch Menschen Kontakt hätten, die mit dem so genannten „Kerngeschäft“ von Kirche nicht mehr in Berührung kämen. „Damit wären diese Einrichtungen am ehesten Orte, besser Erfahrungsfelder, an denen Menschen die Bedeutung und den Wert von Kirche für unsere Gesellschaft erkennen können.“