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17.10.14

Hilfe nach Missbrauch in Kindheit und Jugend: Bundesweites Expertentreffen an KU

Missbrauchserfahrungen in Kindheit und Jugend standen im Mittelpunkt eines Kongresses des Lehrstuhls für Klinische und Biologische Psychologie unter der Leitung von Prof. Dr. Rita Rosner an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Bei dem sogenannten „3rd German Health Research Meeting on Behavioural Disorders Related to Violence, Neglect, Maltreatment, and Abuse in Childhood and Adolescence“ handelte es sich um die dritte gemeinsame Tagung der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Verbünde zum Thema „Missbrauch, Vernachlässigung und Gewalt“, die KU war erstmal Gastgeber dieser Expertentagung. An der Förderlinie des Ministeriums sind 34 Zuwendungsempfänger und 47 Forschergruppen aus ganz Deutschland beteiligt.


Rund 120 Forscherinnen und Forscher aus ganz Deutschland tauschten sich an der Katholischen Universität rund um die Themen Missbrauch, Vernachlässigung und Gewalt aus. (Foto: Rimane/upd).

Der Lehrstuhl für Klinische und Biologische Psychologiean der KU ist in dem Netzwerk mit dem Verbundprojekt D-CPT (Developmentally Adapted Cognitive Processing Therapy; auf Deutsch: Entwicklungsangepasste Traumafokussierte Kognitive Verhaltenstherapie – E-KVT) vertreten. Ziel des Projektes ist die Überprüfung einer Traumatherapie, die speziell zur Behandlung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen konzipiert wurde. Hintergrund des Vorhabens ist, dass trotz der bekannten schweren gesundheitlichen Folgen von sexuellen und/oder körperlichen Gewalterfahrungen nur wenige evidenzbasierte psychotherapeutische Ansätze für Jugendliche und junge Erwachsene mit Posttraumatischer Belastungsstörung nach solchen Erlebnissen existieren (mehr Informationen zum Therapieangebot unter www.traumatherapie-jugendliche.de ).

Neben dem von der KU geleiteten Projekt waren Wissenschaftler aus 10 weiteren Verbünden auf der Tagung vertreten – knapp 120 Teilnehmer aus ganz Deutschland traten die Reise nach Eichstätt an, um sich zwei Tage lang über die neuesten Entwicklungen in ihren Projekten auszutauschen. Neben Erkenntnissen zum Zusammenhang biologischer, neurologischer und genetischer Faktoren und Traumaerfahrungen wurden auch die Auswirkungen von traumatischen Erlebnissen auf verschiedene Aspekte der Entwicklung sowie die Wirksamkeit neuer Therapie- und Präventionsmethoden und deren Nutzen für die deutsche Versorgungslandschaft diskutiert.


Für die Tagung in Eichstätt konnten zwei international renommierte Gastreferenten gewonnen werden: Josef I. Ruzek (Leiter der Dissemination and Training Division an der Stanford University) referierte darüber, wie die Erkenntnisse der Psychotherapieforschung am wirkungsvollsten in der Praxis umgesetzt werden können. Mit Marinus H. van IJzendoorn (Centre for Child and Family Studies, Leiden University) konnte eine Koryphäe auf dem Gebiet der Bindungsforschung auf der Tagung begrüßt werden. Dieser berichtete neueste Ergebnisse über den Einfluss von genetischen und biologischen Faktoren auf die Eltern-Kind-Bindung.


Insgesamt gab die Tagung einen guten Einblick in die Arbeit der geförderten Verbünde und zeigte die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Forschung zu Missbrauch in Kindheit und Jugend in Deutschland auf.