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12.04.18

March for Science: Mit Qualität und Transfer gegen alternative Fakten

Am 14. April findet auch in vielen deutschen Städten zum zweiten Mal ein "March for Science" statt. Aus diesem Anlass ein Gespräch mit Prof. Dr. Jens Hogreve (Vizepräsident der KU für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs) über die Freiheit von Forschung, wissenschaftliche Qualität und den Dialog von Forschern mit der Gesellschaft.


Der erstmals im vergangenen Jahr organisierte March for Science ging von den USA aus – als Reaktion auf eine wissenschaftsfeindliche Haltung des US-Präsidenten. In diesem Jahr wird die Aktion am 14. April wieder auch in einigen deutschen Städten fortgeführt. Ist Deutschland so wissenschaftsfeindlich?

Wie Umfragen zeigen, ist in Deutschland das generelle Vertrauen in Wissenschaft und deren Erkenntnisse zum Glück nach wie vor groß. Aber auch bei uns finden sich in der öffentlichen Debatte immer wieder Tendenzen, persönliche Meinungen stärker zu gewichten als Fakten – etwa bei der Diskussion über die Ursachen des Klimawandels. Daher ist es wichtig, immer wieder auf die Relevanz von Wissenschaft und Forschung hinzuweisen sowie populistischen Haltungen Einhalt zu gebieten. Hinzu kommt, dass der March for Science auch ein Zeichen der Solidarität mit Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern ist. Denn die bei uns gewährleistete Freiheit von Forschung und Lehre ist leider nicht überall eine Selbstverständlichkeit.

 

Eine funktionierende Gesellschaft beruht auch auf den Erkenntnissen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Wie kann man die Bevölkerung noch stärker an Wissenschaft teilhaben lassen, um Barrieren abzubauen?

Meiner Meinung nach geht es nicht nur darum, die Bevölkerung eingehender über wissenschaftliche Erkenntnisse zu informieren, sondern sie schon bei deren Entstehung einzubeziehen – quasi als Ko-Produzenten von Wissen. Das wollen wir zum Beispiel mit dem Projekt „Mensch in Bewegung“ erreichen, in dem wir mit der Technischen Hochschule Ingolstadt kooperieren. Rund um die Themen Mobilität, Digitalisierung, nachhaltige Entwicklung und bürgerschaftliches Engagement werden wir dabei nicht im „Elfenbeinturm“ forschen, sondern Bürger, Kommunen, Unternehmen und zivilgesellschaftliche Gruppen einbeziehen. Damit verfolgen wir zwei Ziele: Zum einen wollen wir ein zusätzliches Potenzial an Wissen und Erfahrung nutzen, zum anderen wollen wir auf diesem Weg mehr Verständnis und Akzeptanz der erarbeiteten Erkenntnisse erreichen. Den Austausch mit der Zivilgesellschaft sehen wir neben Forschung und Lehre als unser Kerngeschäft.

 

Sie sind Vizepräsident für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs. Wie lassen sich gerade junge Forscherinnen und Forscher – jenseits des anstehenden Aktionstages – für dessen Intention sensibilisieren?

Die wichtigste Basis für ein gutes Standing der Wissenschaft bildet zunächst die Qualität der Forschung. Die gewonnenen Erkenntnisse müssen einer kritischen Überprüfung standhalten. Das ist grundlegendes Handwerkszeug, welches es zu vermitteln gilt. Neben der Qualität der Forschung ist es allerdings auch wichtig, die Relevanz der Forschungsergebnisse im Auge zu behalten. Es sollte nicht darum gehen Forschung um der Forschung Willen zu betreiben. Darüber hinaus möchten wir den jungen Forscherinnen und Forschern aber auch ein Gespür für ihre Verantwortung als Wissenschaftler vermitteln. Fragen von Wissenschaftsethik spielen dabei zum Beispiel in unseren Graduiertenkollegs eine große Rolle – etwa auch in dem zum Wintersemester beginnenden Promotionskolleg  „Ethik, Kultur und Bildung im 21. Jahrhundert“, das wir zusammen mit Hochschule für Philosophie und Katholischen Stiftungshochschule München anbieten. Zuletzt möchte ich noch einmal betonen: Vertrauen in die Forschung kann nur weiter wachsen, wenn Forscher Ihre Erkenntnisse auch in die Gesellschaft hinein kommunizieren und nicht nur einem kleinen Fachpublikum zur Verfügung stellen.

Prof. Dr. Jens Hogreve ist Vizepräsident für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Er hat den Lehrstuhl für Dienstleistungsmanagement an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Ingolstadt inne.