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30.05.17

Musik auf Hartgummi: Ausstellung an KU über die Anfänge der Schallplatte

Zurück zu den Anfängen der Schallplatte geht eine Ausstellung in der Staats- und Seminarbibliothek der KU am Eichstätter Hofgarten. Die gesamte private Musik- und Hörbuchsammlung passt heutzutage dank MP3-Format bequem auf das Smartphone, so dass sie jederzeit ganz selbstverständlich verfügbar ist. Dabei begannen die Speicherung von Klängen und die Massenproduktion von Tonträgern erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Untrennbar verbunden mit dieser Entwicklung ist Emil Berliner, der als Erfinder der Schallplatte und des Grammophons gilt. Seine ersten Produkte stehen im Zentrum der Ausstellung mit Exponaten aus dem Bestand der Seminarbibliothek.


Emil Berliner mit dem von ihm entwickelten Aufnahmegerät. (Quelle: Emil Berliner, 2/15/21. , 1921. Photograph. Retrieved from the Library of Congress, https://www.loc.gov/item/npc2008010408/. (Accessed May 30, 2017.))

Zu sehen ist die wohl weltweit größte Sammlung von Platten aus der Frühphase der Tonträger – die 31 Raritäten stammen aus der Zeit zwischen 1890 und 1893. Es handelt sich dabei um einseitig bespielte Platten aus Hartgummi, die eine Abspielzeit von etwa einer Minute haben. Die Besitzer der damaligen Wiedergabegeräte brauchten selbst musikalisches Gespür, denn der Plattenteller musste in gleichbleibendem Tempo per Hand angekurbelt werden. Die Platten wurden anfangs nicht mit Titeletiketten versehen, die wichtigsten Angaben waren eingeritzt oder gestanzt.

Der aus Hannover stammende Emil Berliner war 1870 in die USA ausgewandert und beschäftigte sich dort mit elektrischen Geräten. So erfand er unter anderem auch ein Mikrophon für den Telefonapparat von Graham Bell. 1887 schließlich meldete er ein Patent auf einen scheibenförmigen Tonträger an, auf den die Schwingungen einer Aufnahme-Membran übertragen wurden, indem diese von außen nach innen in die drehende Scheibe geritzt wurden. Auch das Aufnahme- und Abspielgerät – ein Vorläufer des Grammophons – wurden in diesem Patent erwähnt. In seiner Muttersprache nannte Emil Berliner die Erfindung „Schallplatte“.

Die ausgestellte Sammlung stammt aus dem Eichstätter Priesterseminar und wurde 1983 in den Bestand der Seminarbibliothek übernommen. Der auf Tonträger spezialisierte Berliner Restaurator Stephan Puille hat die Platten in diesem Frühjahr in Augenschein genommen. Nach seiner Einschätzung handelt es sich „mit großer Wahrscheinlichkeit um die größte derartige Sammlung weltweit“. Seine Kommentare finden sich bei den einzelnen Exponaten.

Besucher der Ausstellung können sich nicht nur über die dortigen Exponate und die Geschichte der Schallplatte lesend informieren, sondern auch einige Klangproben hören: Das Deutsche Rundfunkarchiv überspielte vor Jahren die Platten zunächst auf Band – ein mittlerweile ebenfalls historischer Tonträger. Inzwischen liegen diese Aufnahmen auch in digitaler Form vor, so dass man sich an einem Tablet einen persönlichen Eindruck von Stücken wie „An der schönen blauen Donau“ oder der englischen Nationalhymne „God save the Queen/King“ machen kann.

Die Ausstellung ist voraussichtlich bis Ende Oktober in der Staats- und Seminarbibliothek (Hofgarten 1, Eichstätt) zu deren Öffnungszeiten (bis Mitte August Mo-Fr, 8.30 Uhr bis 18 Uhr, danach 8.30 Uhr bis 17 Uhr) zu sehen.