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01.07.13

Neue Psychotherapie für Jugendliche nach Gewalterfahrungen: Betroffene können an Studie teilnehmen

Eine neue Form der Psychotherapie für Jugendliche und junge Erwachsene, die nach einem traumatischen Erlebnis sehr belastet sind, untersucht seit dem vergangenen Jahr ein Team von Forschern, das von Prof. Dr. Rita Rosner, Lehrstuhlinhaberin für Klinische und Biologische Psychologie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU), geleitet wird. In einer Vorstudie hat das neuartige Therapiekonzept bei den Patienten bereits zu einer deutlichen Verbesserung der Symptomatik geführt. In den nächsten Wochen beginnt nun in Frankfurt, Berlin und Ingolstadt die Hauptstudie, die für Betroffene Gelegenheit zur Teilnahme bietet. Das Bundesforschungsministerium fördert das Forschungskonsortium mit 1,4 Millionen Euro.


Svea Anais Perinne/photocase.com

Sexueller Missbrauch und körperliche Misshandlung im Kindes- und Jugendalter sind Themen, die immer wieder Schlagzeilen in der Öffentlichkeit machen. Etwa eines von vier Mädchen und einer von elf Jungen werden sexuell missbraucht. Etwa zehn Prozent der Kinder erleben körperliche Misshandlung – die Dunkelziffer dieser Fälle liegt vermutlich noch deutlich höher. Die langfristigen Folgen solcher Erfahrungen in Kindheit und Jugend sind alarmierend: Betroffene haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an einer psychischen Störung zu erkranken, insbesondere an der sogenannten Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Diese psychische Erkrankung führt zu Einschränkungen in vielen Lebensbereichen. Traumatisierte Menschen zeigen Symptome wie wiederkehrende Erinnerungen, Ängste, Schlafstörungen oder Reizbarkeit. Häufig werden Dinge und Situationen vermieden, die an das belastende Ereignis erinnern. Das alles kann zu einer deutlichen Beeinträchtigung im Alltag führen. Eine frühe Behandlung kann jedoch helfen, Langzeitfolgen zu verhindern.

Für Erwachsene und Kinder gibt es hier Verfahren, deren gute Wirksamkeit bereits in Studien belegt wurde. Problematisch wird es allerdings bei dem Altersbereich zwischen diesen beiden Gruppen: Für Jugendliche mit einer PTBS sind die kinder- oder erwachsenenspezifischen Verfahren nur schwer anwendbar, dennoch gibt es kaum überprüfte Therapien für diese. Diese Lücke zu schließen haben sich die Wissenschaftler um Prof. Dr. Rita Rosner von der KU zur Aufgabe gemacht. Bei dem neuen Verfahren handelt es sich um eine kognitive Verhaltenstherapie, welche bereits bei erwachsenen Traumapatienten gute Erfolge gezeigt hat und auf dem Konzept der Amerikanerin Patricia Resick beruht. Neu ist die Adaptation des Verfahrens für Jugendliche, welche sich darin zeigt, dass Stimmungswechsel, eine schwankende Therapiemotivation und soziale sowie schulische Anforderungen besonders berücksichtigt werden.

In einer großen Studie mit verschiedenen Zentren wird die Therapie gerade umfassend überprüft. Zu den Standorten gehören dabei die Hochschulambulanz der Freien Universität Berlin, die Verhaltenstherapie-Ambulanz der Goethe-Universität Frankfurt und die Psychotherapeutische Hochschulambulanz der KU in Ingolstadt. Das Angebot erfährt eine große Resonanz und hat das Interesse von Therapeuten, Ärzten, Beratungsstellen und Betroffenen geweckt. In Frankfurt haben bereits einige Patienten, die an der Pilotphase der Studie teilnahmen, die Therapie abgeschlossen – mit großem Erfolg: Es zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Symptomatik. Patienten berichteten nicht nur weniger PTBS-Symptome, auch andere Störungen wie z.B. Depressionen nahmen deutlich ab.

Nach dieser ersten Testphase wird in den nächsten Wochen mit der Hauptstudie begonnen. Hierfür werden an allen Zentren über die gesamte Projektlaufbahn Interessenten zwischen 14 und 21 Jahren gesucht, die sich für ein erstes unverbindliches Gespräch an die Ambulanz in der jeweiligen Stadt wenden können. Dabei wird abgeklärt, ob die angebotene Traumatherapie zu den Problemen des Interessenten passt. Ist die Therapie für den Patienten geeignet, kann relativ schnell die Behandlung, die von allen Krankenkassen finanziert wird, begonnen werden. Der Vorteil: die Wartezeit ist geringer als sonst üblich. Zudem basiert die Therapie auf wissenschaftlichen Verfahren, die bereits in Studien untersucht wurden und sich als wirksam erwiesen haben. Da die Studie den Standards wissenschaftlicher Forschung genügen muss, werden die therapeutische Arbeit und die Entwicklung des Patienten stärker beobachtet als im normalen Praxisalltag, was eine hohe Qualität der Behandlung sicherstellt. Insgesamt bringt die Teilnahme an der Therapiestudie den Patienten also viele Vorteile.

Mehr Informationen zum Projekt finden sich unter
www.traumatherapie-jugendliche.de

 

 

Ansprechpartner vor Ort:

Berlin:

Dr. Dipl.-Psych. Maja Trenner

Hochschulambulanz für Psychotherapie, Diagnostik und Gesundheitsförderung

Freie Universität Berlin

Habelschwerdter Allee 45

14195 Berlin

Email: maja.trenner@fu-berlin.de

Telefon: 030 83875303

 

Frankfurt:

Dr. Dipl.-Psych. Franziska Schreiber

Goethe Universität Frankfurt am Main

Institut für Psychologie

Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie

Varrentrappstraße 40-42

60486 Frankfurt am Main

Email: schreiber@psych.uni-frankfurt.de

Telefon: 069 79823973

 

Dipl.-Psych. Jana Gutermann

Goethe Universität Frankfurt am Main

Institut für Psychologie

Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie

Varrentrappstraße 40-42

60486 Frankfurt am Main

Email: gutermann@psych.uni-frankfurt.de

Telefon: 069-79823989

 

Ingolstadt:

Dipl.-Psych. Anna Vogel

Psychotherapeutische Hochschulambulanz der KU Eichstätt-Ingolstadt

Levelingstraße 7

85049 Ingolstadt

Email: anna.vogel@ku.de

Telefon:

0841 9371956

08421 931956