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05.03.18

Pflege unter Stress: Fachtagung für kirchliches Arbeitsrecht

„Immer schneller, besser, günstiger“ – unter diesem Titel macht die 21. Fachtagung zum kirchlichen Arbeitsrecht, die am 5. und 6. März in Eichstätt stattfindet, den Leistungsdruck in den sozialen Diensten zu ihrem zentralen Thema. Rund 550 Teilnehmer aus ganz Deutschland hörten am Montagmittag das Eröffnungsreferat von Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland, der forderte: „Am Thema Pflege darf sich niemand vorbeimogeln!“


Das Organisationsteam der Fachtagung mit Diakonie-Präsident Ulrich Lilie und Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger. Von links: Thomas Schwendele, Ulrich Lilie, Prof. Dr. Renate Oxenknecht-Witzsch, Detlev Fey, Dr. Joachim Eder, Prof. Dr. Jacob Joussen, Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger.

Das Organisationsteam der Fachtagung mit Diakonie-Präsident Ulrich Lilie und Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger. Von links: Thomas Schwendele, Ulrich Lilie, Prof. Dr. Renate Oxenknecht-Witzsch, Detlev Fey, Dr. Joachim Eder, Prof. Dr. Jacob Joussen, Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger. (Foto: upd)

„Es herrscht ein unglaublicher ökonomischer Druck auf die sozialen Dienste, insbesondere im Bereich der Pflege“, sagte die Organisatorin der Tagung, Prof. Dr. Renate Oxenknecht-Witzsch von der Fakultät für Soziale Arbeit der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU), in ihrer Begrüßung. Bereits seit 25 Jahren zeichne sich diese Entwicklung ab – höchste Zeit, dass die kirchlichen Einrichtungen sich ihr stellen und überlegen, wie sie diese steuern können. Der Vorsitzende des Stiftungsrates der Katholischen Universität, Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger, gratulierte dem Organisationsteam in seinem Grußwort zu der aktuellen Themenwahl und sprach sich dafür aus, den humanen Aspekt der Arbeit nicht aus den Augen zu verlieren.

Diakonie-Präsident Ulrich Lilie unterstrich in seiner Eröffnungsrede diesen menschlichen Aspekt der Pflege und skizzierte den stressigen Pflegealltag. Die „täglichen Höchstleistungen“ führten nicht nur sehr häufig zu Burnouts, sondern auch zu „Coolouts“, also zu einem kühleren, sogar abgebrühten Umgang mit den Patienten. „Die Pflege ist in Not und unter Druck geraten – und die Pflegebedürftigen mit ihr“, so Lilie. Pflegekräfte fänden sich häufig in moralischen Konfliktsituationen wieder und müssten abwägen zwischen einer menschlichen Pflege und zeitlichen Zwängen.

Der hohe Druck, die geringe Bezahlung und die auch körperlich belastenden Aufgaben führten zu einer sinkenden Attraktivität des Berufs. „Jeder Dritte überlegt, seine Arbeitsstelle zu wechseln – jeder Fünfte, ganz aus dem Pflegeberuf auszusteigen“, berichtete der Diakonie-Präsident. Gleichzeitig fehlten schon heute 30.000 Pflegekräfte in Deutschland. Die 8000 im Koalitionsvertrag angekündigten Fachkraftstellen seien da „nur ein Tropfen auf den heißen Stein“. Unter Applaus des Publikums forderte Lilie strukturelle Antworten auf die Finanzierungsfragen im Pflegebereich: „Lassen sie uns gemeinsam dafür kämpfen, dass sich die Rahmenbedingungen endlich ändern!“

Die Tagungsteilnehmer werden sich in Fachvorträgen und Vertiefungsgruppen bis Dienstag mit verschiedensten Aspekten des Tagungsthemas befassen, Schwerpunkte sind dabei der Gesundheitsschutz und die Digitalisierung mit ihren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Den Abschluss bildet Dienstagmittag eine Podiumsdiskussion zur Ökonomisierung der Krankenhäuser mit Jeanne Turczynski, Koautorin des Buches „Tatort Krankenhaus“, und Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft.

Das zweitägige Symposium zum kirchlichen Arbeitsrecht ist die größte Fachtagung des Jahres in Eichstätt. Organisiert wird sie von der Juristin Prof. Dr. Renate Oxenknecht-Witzsch von der Fakultät für Soziale Arbeit der KU, Detlev Fey, Referatsleiter Arbeitsrecht bei der Evangelischen Kirche in Deutschland, sowie dem Herausgeberkreis der Zeitschrift „Die Mitarbeitervertretung“. Bemerkenswert ist der Charakter der Veranstaltung als Dialogforum: Anwesend und in die Diskussionen eingebunden sind sowohl Vertreter der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer, von katholischer ebenso wie von evangelischer Seite, Personen aus der Wissenschaft ebenso wie aus der Praxis.