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20.05.14

Auf dem Weg zur Traumatherapie für Kinder und Jugendliche

Mit der Psychotherapeutischen Hochschulambulanz der KU gibt es seit einem Jahr einen Anlaufpunkt für Kinder und Jugendliche, die nach körperlicher oder sexualisierter Gewalt traumatisiert sind. Dort wird in einem bundesweiten Forschungsprojekt unter Leitung des Lehrstuhls für Biologische und Klinische Psychologie (Prof. Dr. Rita Rosner) eine neue Form der Psychotherapie für solche jungen Patienten erforscht. Die in Ingolstadt angesiedelte Ambulanz wurde nun mit einem Fachtag, der große Resonanz hatte, auch offiziell eröffnet.


Das Team der Psychotherapeutischen Hochschulambulanz mit ihrer Leiterin Prof. Dr. Rita Rosner (Mitte).

„Anstatt 50 bis 60 erwarteten Gästen haben ca. 150 interessierte Psychotherapeuten, Ärzte, Sozialarbeiter, Schulpsychologen sowie Vertreter von Beratungsstellen, Jugendamt und Polizei teilgenommen“, berichtet der stellvertretende Leiter der Psychotherapeutischen Hochschulambulanz Dr. Patrick Fornaro. „Die gute Resonanz, die das Treffen hatte, spiegelt deutlich wider, wie wichtig solche Angebote in der Region sind und wie sehr sie fehlen. Wir können zwar die vorhandene Versorgungslücke allein nicht schließen. Für die Zukunft ist aber geplant, die Erkenntnisse über neue und wirksame Therapiemöglichkeiten verstärkt an niedergelassene Therapeuten weiterzugeben“, erklärt der Psychologe.

Die Vorstudie für die neue Form der Psychotherapie für Jugendliche war vielversprechend und zeigte erste Erfolge. Bei der Therapie geht es darum Jugendliche, die traumatische Erfahrungen machen mussten, altersgerecht zu behandeln und auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Das bundesweite Forschungkonsortium unter Leitung von Professor Rosner wird vom Bundesforschungsministerium mit 1,4 Millionen Euro gefördern. Seit vergangenem Herbst läuft die Hauptstudie in Berlin, Frankfurt und Ingolstadt mit 30 Probanden pro Standort.

Internationale Studien gehen davon aus, dass etwa 20% der Mädchen und 8% der Jungen im Kindes- oder frühen Erwachsenenalter körperlich missbraucht werden. Viele Kinder und Jugendliche erkranken daraufhin an der Posttraumatischen Belastungsstörung, kurz PTBS genannt. Diese kann für den Betroffenen zu Einschränkungen in fast allen Lebensbereichen führen: Angstzustände, wiederkehrende belastende Erinnerungen, unkontrollierbare Aggressivität sowie Selbstverletzung sind Beispiele für mögliche Folgen. Häufig kommt es vor, dass die Betroffenen im späteren Leben an Partner geraten, die sie ebenfalls misshandeln oder unterdrücken.

Eine spezielle, wissenschaftlich geprüfte Therapieform gab es für die Betroffenen jedoch bisher nicht. Jugendliche wurden mit unspezifischen Verfahren behandelt, die nicht auf die Bedürfnisse von Jugendlichen zwischen 14 und 21 Jahren zugeschnitten waren. Diese Lücke möchte das Forschungsteam schließen und will mit seiner Studie eine kognitive Verhaltenstherapie etablieren, die genau auf die typischen Rahmenbedingungen bei Jugendlichen – wie Stimmungsschwankungen oder den schulischen Alltag – eingeht. Besonders die kurze Dauer der Therapie ist ein Ansporn für die Betroffenen. „Einen Therapieerfolg erst nach zwei Jahren Behandlung festzusetzen klingt für einen Jugendlichen nicht sehr motivierend“, sagt Patrick Fornaro. In der intensiven Phase der neuen Therapie kommen die Betroffenen drei bis viermal wöchentlich zur Behandlung und können erfahren, dass sich schon nach einer Gesamtdauer von vier Monaten eine deutliche Besserung einstellen kann. Mit den offiziellen Forschungsergebnissen wird Mitte 2016 zu rechnen sein. Interessierte Jugendliche können sich für ein erstes unverbindliches Gespräch bei der Ambulanz in Ingolstadt melden. 

Weitere Informationen dazu finden sich unter
http://www.traumatherapie-jugendliche.de/