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10.04.18

Tourismus mit Nebenwirkungen: Studierende forschten auf Lanzarote

Der auf Lanzarote geborene Künstler César Manrique forderte bereits vor Jahrzehnten für seine Heimatinsel einen „intelligenten Tourismus“, der auf Massen an Gästen verzichtet und sich an den lokalen Gegeben-heiten orientiert. Ob sich zwischenzeitlich stattdessen ein „Overtourism“ auf diesem Teil der Kanaren eingestellt hat, untersuchten jetzt vor Ort zwölf Studierende des Masterstudiengangs „Tourismus und Regionalplanung: Management & Geographie“ der KU gemeinsam mit Prof. Dr. Harald Pechlaner (Lehrstuhl Tourismus) und dessen Mitarbeiter Christian Eckert. In einer Vielzahl an Interviewgesprächen - u.a. mit Akteuren aus Tourismuswirtschaft, kulturellen Einrichtungen, Immobilienbranche und Lokalbevölkerung - untersuchten sie, inwiefern die einstigen Forderungen eines intelligenten Tourismus möglicherweise im Kontrast stehen zu einem gefühlten Zuviel an Tourismus. Der Kontakt für dieses Projekt entstand durch Carl Lang, einen gebürtigen Eichstätter, welcher seit vielen Jahren seinen Lebensmittelpunkt auf den Kanarischen Inseln hat und der bei der Organisation unterstützte.


Die Studierendengruppe gemeinsam mit Christian Eckert (stehend, links) und Charly Lang (stehend, 3.v.l.) zu Gast bei Barbara Hendriks (stehend, 5.v.r.) im Weinbaugebiet „La Geria“. Hendriks betreibt dort eine Bodega mit einigen wenigen Gästezimmern und bietet dort regionale Speisen und Weine. (Foto: Eckert/upd).

Zentrale Erkenntnis war, dass sich Intensität und Auswirkungen des Tourismus auf Lanzarote zwar bislang nicht - wie andernorts - in konkreten Konflikten entladen. „Dennoch droht die soziale und ökologische Kapazitätsgrenze des Tourismus auf Lanzarote langsam aber sicher erreicht zu sein“, erklären Pechlaner und Eckert. Einen Beitrag dazu leisteten unter anderem die Entwicklung von Hotel-Resorts, Kreuzfahrttourismus oder Billigfluglinien. Die Studierenden, die das Projekt außerhalb des Curriculums auf freiwilliger Basis durchführten, identifizieren einige konkrete Probleme: Neue Beherbergungsmöglichkeiten führen zu einem gravierenden Mangel an bezahlbarem Wohnraum für die lokale Bevölkerung. Zudem konnte festgestellt werden, dass die Einheimischen zwar zu über 85% im Tourismus beschäftigt sind, der Großteil der generierten Umsätze gelange jedoch nicht primär in regionale Wirtschaftskreisläufe, sondern zu weiten Teilen an Reiseanbieter und touristische Dienstleister in den Herkunftsländern.

Lösungsansätze scheinen in erster Linie in einer Tourismusentwicklung zu bestehen, deren Fokus auf Qualitäts- statt Quantitätssteigerung liegt und die durch eine alternative Produktentwicklung dazu beiträgt, die negativen Konsequenzen zu reduzieren. So können durch Anreize in der Landwirtschaft (z.B. Subventionen sowie Genossenschaften zur Vermarktung regionaler Produkte), den Ausbau erneuerbarer Energien (vornehmlich Solar- und Windenergie) und auch im Mobilitätsbereich (z.B. Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs zur Verringerung der Anzahl an Mietwagen) gezielte Strategien entwickelt werden, um die Tourismusentwicklung stärker auf die lokalen Ansprüche auszurichten. Eine wichtige Rolle scheinen auf dem Weg zu einer solchen Entwicklung die regional- und lokalpolitischen Institutionen zu spielen, die gemäß den Interviewgesprächen einen übergeordneten Rahmen für die Insel Lanzarote als Destination zu bilden haben, welche zugleich auch Lebensraum für die einheimische Bevölkerung ist.

Im Anschluss an die Vor-Ort-Erhebung auf Lanzarote trafen sich Prof. Harald Pechlaner und Christian Eckert im Rahmen der weltgrößten Tourismusmesse ITB in Berlin mit dem Tourismuschef Lanzarotes, Héctor Fernández, um ihm die ersten Eindrücke der Erhebung zu präsentieren. In den kommenden Wochen werden die Studierenden die Ergebnisse in einer systematischen Auswertung nun noch tiefgreifender analysieren, um diese in einem abschließenden Projektbericht festzuhalten.