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Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät
Ältere deutsche Literaturwissenschaft (Mediävistik)
Forschung

Die von 1501-22 entstandenen etwa drei Dutzend frnhd. und ca. 2.700 lat. Predigten Boehms werden im Rahmen der Dissertation als „intellektuelle Rituale" betrachtet, die der Wissensvermittlung innerhalb einer Text- bzw. Erzählgemeinschaft dienen. Die Predigtexempla sind dabei von herausragender Bedeutung, regen sie doch - für Boehm einer erczney entsprechend - den zur göttlichen Gnade führenden Heilungs- und Erkenntnisprozess durch die Induktion seelischer Dispositionen an. Neben der philologisch-materialen Erschließung des opulenten Werks soll die Rekonstruktion der Genese eines Funktionsgedächtnisses im Zentrum der Untersuchung stehen. Dabei gilt es, sowohl die Auswahl und die Organisation des in den Predigten dargestellten Wissens als auch die möglichen Funktionen der Inhalte für die Stabilisierung der Doktrin-Gesellschaft (Kloster Rebdorf) zu berücksichtigen.
Anhand des synoptischen Vergleichs zwischen der Alexandervita Plutarchs in der frühneuhochdeutschen Übersetzung des Würzburger Kanonikus Johann Sieder (um 1500) und ihrer lateinischen Vorlage von Guarino Veronese, die beide ediert werden, sind die Bedingungen und Verfahrensweisen des Übersetzens im Humanismus zu untersuchen. Dabei wird ausgehend von Niklas von Wyle auf die Entwicklung humanistischen Übersetzens besonderes Augenmerk gelegt.
Ziel der Arbeit ist die Darstellung der Gattungsgeschichte des Märe als der Geschichte eines theologisch-politischen Diskurses, dessen Exponent es in der besonderen Form des Stricker-Märes ist: der teleologisch-theokratischen Ethik Augustins. Das Œuvre Kaufringers soll dabei als der Punkt kenntlich gemacht werden, an dem das augustinische Modell durch die Konkurrenz mit der Subjektivitätskonzeption Meister Eckharts erstmals in die Krise gerät.
Im Kern der Untersuchung geht es um den Diskurszusammenhang zwischen Musik und Poesie in mhd. Texten insbesondere des 13. Jhds., d. h. darum, daß die in diesen Texten implizit entfaltete Poetik ihr Fundament auf vielfache Weise im musikalischen Diskurs findet. Es wird zu zeigen versucht, in welcher Weise mittelalterliche Autoren auf verschiedenen Ebenen (Sprach-)Klang reflektieren und darüber ein Konzept von Dichtung entwerfen, dessen erkenntnistheoretische Ausrichtung ihr Fundament in den 'musiktheoretischen' Texten der Zeit findet.
Die Bedeutung des Rechts und der Rechtsbestimmungen in der ritterlich-höfischen Welt des Mittelalters ist schwer zu überschätzen. Nicht ohne Grund waren es zu Beginn des 19. Jahrhunderts Juristen, welche die mittelalterliche deutsche Literatur als Forschungsobjekt entdeckten und pflegten. Recht oder Unrecht bilden immer wieder einen wesentlichen Problembereich höfischer Erzählungen. Vor diesem Hintergrund wurden Untersuchungen zum mittelalterlichen Diebstahlsbegriff (2006), zur Rolle des Rechts in Erzählpassagen des Nibelungenliedes (2006) und zu Rechtsfragen in den Erzählungen Hartmanns (2002) vorgelegt, aber auch Überlegungen zu Kernbegriffen wie Freiheit (2008) oder Gerechtigkeit (2011). Weitere Untersuchungen sind in Vorbereitung.