Sie befinden sich hier: KU.de  Fakultäten  Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät  Lehrstuhl für Deutsche Sprachwissenschaft  

Herzlich willkommen beim Lehrstuhl für Deutsche Sprachwissenschaft

Am Lehrstuhl für Deutsche Sprachwissenschaft wird die deutsche Sprache aus unterschiedlichen Perspektiven erforscht und in der Lehre thematisiert. Der Lehrstuhl ist besonders durch folgende Schwerpunkte charakterisiert:

 

Die deutsche Sprache in Struktur und Gebrauch

Grammatik und Lexik des Deutschen werden am Lehrstuhl aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, etwa bei Fragen zur Entwicklung morphologischer Klassen oder der sogenannten Fugenelemente (vgl. –s in Verwaltung-s-aufwand), dem Unterschied zwischen Appellativa und Eigennamen (wie wird aus Tempo ein Warenname?) der Herausbildung klammernder Strukturen und der Merkmale im Aufbau von Texten. Sprache ist aber kein isoliertes System, sondern stellt variable Strukturen zur Verfügung, um sie in der Interaktion situationsadäquat anzuwenden. Sprache ist somit ein wichtiges soziales Handlungsinstrument, das auch aus einer gebrauchsorientierten Perspektive (Pragmatik) betrachtet wird – z.B. im Gespräch oder in der Werbesprache (s.u.) und durch die kognitive Modellierung von Sprach- und Sprachhandlungswissen.

 

Das Deutsche in Variation und Wandel

Das Deutsche besteht in einem großen Varietäten- und Stilgeflecht, das u. a. durch geographisch (Dialekte), sozial (Dialekt vs. Standardsprache, Soziolekte), kontextuell (Stil, Register) und medial bedingte Unterschiede (gesprochene/geschriebene/gebärdete Sprache) geprägt ist. Selbst die am besten erforschte Varietät, die Standardsprache, ist in den Ländern des deutschen Sprachgebiets (im engeren Sinne Deutschland, Liechtenstein, Österreich und die Schweiz) durch einige Unterschiede charakterisiert und divergiert auch innerhalb Deutschlands deutlich, v. a. zwischen Nord- und Süddeutschland. Die Variation des Deutschen wird am Lehrstuhl u.a. in dialektologischen Projekten erforscht.

Sprachvariation ist auch die Grundlage für den stetigen Sprachwandel, der in der Geschichte des Deutschen vom ältesten dokumentierten Stand im Althochdeutschen bis zur Gegenwartssprache und unter Einbezug wichtiger Sprachwandeltheorien verfolgt wird.

 

Das Deutsche in der Sprache der Werbung

Gemeinsam mit der schwedischsprachigen Universität in Finnland, Åbo Akademien (Turku), besteht der MA-Studiengang „InterculturAd – Werbung interkulturell“. Der interdisziplinäre Masterstudiengang vermittelt vertiefte Kenntnisse der Kodierung von Werbeinhalten in sprachlicher, bildlicher und filmischer Form, vertiefte Kenntnisse über die sozialen und kulturellen Determinanten der Werbekommunikation, vertiefte Kenntnisse im Bereich des internationalen und interkulturellen Marketings, eine vertiefte Auseinandersetzung mit ethischen Problemen der Werbung, die Kompetenz zur Konzeption und Umsetzung von interkulturellen Werbestrategien, die Fähigkeit zu selbständiger wissenschaftlicher Forschung sowie zu einer wissenschaftsadäquaten Vermittlung von Forschungsergebnissen auf den genannten Gebieten und grundlegende Kompetenzen in Schwedisch.

 

Das Deutsche als Mitglied der germanischen Sprachfamilie

Das Deutsche ist Teil der Sprachfamilie der germanischen Sprachen – einer Gruppe europäischer Sprachen, die allesamt auf die gleiche historische Ausgangssprache, das Urgermanische, zurückgehen. Charakteristische Merkmale des Deutschen und seines Wandels lassen sich besonders gut erkennen, wenn man es mit seinen nah verwandten Nachbarsprachen vergleicht, etwa den westgermanischen Sprachen Niederländisch, Luxemburgisch oder Englisch oder den nordgermanischen Sprachen (Dänisch, Färöisch, Isländisch, Norwegisch, Schwedisch), und so alternative Pfade des Sprachwandels miteinander zu vergleichen lernt. Für einige Sprachen lässt sich die Geschichte durch historische Dokumentation über lange Zeit vergleichend verfolgen (vgl. z. B. Altniederländisch, Altenglisch, Altnordisch oder Altsächsisch als Vorstufe des Niederdeutschen). Der systematische Vergleich des Deutschen mit den Nachbarsprachen wird am Lehrstuhl darüber hinaus gepflegt, indem die Verstehbarkeit (ohne vorheriges Erlernen) zwischen dem Deutschen und seinen Nachbarsprachen thematisiert wird.

 

Das Deutsche im Sprachkontakt

Alle Sprachen der Welt stehen mit anderen Sprachen in Kontakt. Sprachkontaktsituationen ergeben sich z.B. dadurch, dass in vielen Gesellschaften die meisten Menschen mehrsprachig sind oder dass zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Sprachen als Hochprestigesprachen auch außerhalb ihres Sprachgebiets häufig genutzt wurden. Das Deutsche zeigt v. a. in seinem Wortschatz, dass es über Jahrhunderte in intensivem Kontakt mit anderen Sprachen stand. So befinden sich z. B. zahlreiche Wörter lateinischer, griechischer und französischer Herkunft im Wortschatz des Deutschen, daneben auch Wörter englischer Herkunft (Englisch stellt aktuell eine wichtige Entlehnungsquelle dar). Nicht nur innerhalb des eigentlichen deutschsprachigen Gebiets sind Sprecherinnen und Sprecher des Deutschen aber in Sprachkontaktsituationen getreten, sondern auch dann, wenn sie das deutschsprachige Gebiet verlassen und sich in Gegenden niedergelassen haben, die nicht deutschsprachig geprägt waren. So ist das Deutsche als Minderheitensprache z. B. in Italien, Frankreich, Belgien oder Dänemark vorzufinden. Es finden sich außerdem zahlreiche deutsche Sprachinseln in Süd- und Osteuropa, und die Auswanderung hat Deutschsprachige auch nach Süd- und Nordamerika und bis nach Papua-Neuguinea und Australien geführt – in Teilen sind solche Sprachinseln heute noch aktiv vorzufinden. Am Lehrstuhl wird u. a. zum Deutschen in Südbrasilien gearbeitet. Schließlich finden wir Spuren des Sprachkontakts auch in anderen, z.T. nah verwandten Sprachen, etwa in zahlreichen niederdeutschen (und auch hochdeutschen) Lehnwörtern in den festlandsskandinavischen Sprachen (Dänisch, Norwegisch, Schwedisch), die in erster Linie auf intensiven Kontakt zu Kaufleuten der Hanse im Spätmittelalter zurückgehen und noch heute den Zugriff und Erwerb skandinavischer Sprachen durch Deutschsprachige erleichtern (und umgekehrt).