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13.04.18

Zum Dienstantritt: Prof. Weckwerth im Interview

Das Sommersemester 2018 ist das erste reguläre Semester für Prof. Dr. Dr. Andreas Weckwerth als Lehrstuhlinhaber am Lehrstuhl für Alte Kirchengeschichte und Patrologie an der KU Eichstätt-Ingolstadt. Zum Dienstantritt stand er Benedikt Winkel Rede und Antwort.


Foto: Schulte Strathaus

Benedikt Winkel: Wie sind die Eindrücke aus dem ersten Jahr an der KU Eichstätt-Ingolstadt? Gibt es ein erstes Resümee – ein Jahr in Eichstätt?

Prof. Weckwerth: Ich habe mich von meinem ersten Tag an in Eichstätt sehr wohl gefühlt. Mein Lehrstuhlteam, aber auch die übrigen Angehörigen unserer Theologischen Fakultät, die Professorenschaft, der Mittelbau und die Sekretärinnen haben mich von Anfang an sehr nett aufgenommen, mich unterstützt und mir den Einstieg und die Eingewöhnung sehr erleichtert: Wenn Fragen aufkamen, wusste ich immer, an wen mich wenden konnte. Und Fragen hatte ich genug, schließlich wartete u. a. ein neues Modulsystem auf mich; selbstverständlich ist eine Lehrstuhlvertretung bei laufendem Berufungsverfahren eine besondere, zuweilen auch schwierige Situation, die einem viel abverlangt. Mittlerweile ist es mir gelungen, auch über die Theologische Fakultät hinaus beständige Kontakte zu weiteren VertreterInnen verschiedener Disziplinen zu knüpfen. Last but not least habe ich gleich von den ersten Lehrveranstaltungen an einen sehr guten Draht zu meinen Studierenden gewonnen, die es mir durch ihr Interesse, ihre Aufgeschlossenheit und ihre Freundlichkeit ausnahmslos sehr leicht gemacht haben. Ich war hier von vornherein optimistisch, da ich mit Studierenden auch an meinen früheren universitären Standorten immer sehr gut ausgekommen bin und mir die Qualität der Lehre ein echtes Herzensanliegen ist, aber natürlich kann man das trotz aller Bemühung nie mit Sicherheit abschätzen. Somit kann ich ein sehr positives Fazit aus meinem ersten Jahr an der KU Eichstätt-Ingolstadt ziehen.

 

Winkel: Sie hatten neben dem Ruf nach Eichstätt einen weiteren Ruf. Was hat den Ausschlag für die KU Eichstätt-Ingolstadt gegeben?

Prof. Weckwerth: Dass ich einmal zwei Rufe gleichzeitig erhalte und so die Qual der Wahl habe, das hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt. Man hatte mich auch an der anderen Universität sehr freundlich und wertschätzend empfangen. Es handelt sich – so viel darf hier verraten werden – um einen bedeutenden Wissenschaftsstandort innerhalb der deutschen Universitätslandschaft, der mit nicht wenigen Möglichkeiten ausgestattet ist, so dass ein Ruf dorthin natürlich sehr ehrenvoll und reizvoll ist. Für Eichstätt sprach zunächst sicherlich, dass ich dort heimisch geworden war, das kollegiale Miteinander als sehr bereichernd erfahren und bereits zahlreiche Kontakte in und außerhalb der Theologischen Fakultät geknüpft hatte. Einen tiefen Eindruck hinterlassen hatte bei mir auch die sehr große Zahl an Studierenden, die zu meinem in den Semesterferien stattfindenden Probevortrag erschienen waren. Ausschlaggebend für meine Entscheidung waren aber auch noch weitere Momente: In den vielen Gesprächen mit Angehörigen der Eichstätter Theologischen Fakultät war mir bereits von Anfang an deutlich geworden, dass dort eine echte Aufbruchstimmung herrscht: In Form eines Forschungszentrums werden völlig neue Strukturen geplant, wozu auch eine intensive Kooperation der Theologie mit anderen an der KU vertretenen Disziplinen gehören soll. Dieser interdisziplinäre Ansatz war für mich sehr interessant, da ich hier eine Möglichkeit sah, auch meine altertumswissenschaftliche Kompetenz sinnvoll und zum Nutzen der Eichstätter Fakultät einbringen zu können. Diese Beobachtung bestätigte sich dann vollends in den Berufungsgesprächen mit der Präsidentin der KU, Frau Prof. Dr. Gabriele Gien, die sich sehr darum bemüht hat, mich zu gewinnen. Die KU besitzt ein hohes Entwicklungspotential und in meinem Gebiet einen eigenen kleinen Beitrag zu deren Fortentwicklung leisten zu können, ist eine spannende Herausforderung. So stand am Ende nach dem sorgfältigen Abwägen aller Argumente eine klare und bewusste Entscheidung des Herzens und zugleich des Verstandes, die mich nun dauerhaft nach Eichstätt geführt hat.

 

Winkel: Woran forschen Sie gerade? Wie ist der aktuelle Stand Ihres „Arbeitsbuchs Alte Kirchegeschichte“?

Prof. Weckwerth: Mein derzeitiges Forschungsprojekt, das ich bis zu meiner Tätigkeit in Eichstätt in Mainz als DFG-Projekt betreut habe, beschäftigt sich mit der „Rhetorik des Gebets“, d. h. Formen lateinischer Sakralsprache in der paganen und christlichen Antike. Erste Ergebnisse habe ich im April 2017 auf einem Kongress in Wien vorgetragen; der Vortrag befindet sich gerade im Druck. Ich werde das Projekt aus Mainz mit nach Eichstätt bringen und es ist mir bereits gelungen, einen Mainzer Doktoranden, Dominic Bärsch, für die Bearbeitung eines Teilaspektes zu gewinnen. Darüber hinaus stehen einige kleinere Projekte an, die nun abgearbeitet werden müssen, wie die RAC-Artikel „Speisegesetze“ und „Synode“, eine Abhandlung zu den Kanones von Nizäa für den geplanten „Cambridge Companion to the Council of Nicaea“ u. a. Sofern es mir die Zeit erlaubt, mache ich mir bereits Gedanken zur Struktur und zum Inhalt eines geplanten „Lateinischen Lesebuchs für Theologen“. Das „Arbeitsbuch Alte Kirchengeschichte“, das bisher in Form eines frei im Internet zugänglichen Readers existiert, ist im Stadium der praktischen Erprobung. Der Reader wird in Eichstätt konkret im Vertiefungsmodul Kirchengeschichte verwendet und dient als Leitfaden für die Abfassung der Hausarbeiten.

 

Winkel: Sie sind Kirchenhistoriker und Altphilologe. Wollen Sie in Zukunft beides kombinieren? Interdisziplinäre Veranstaltungen sind im Aufwind.

Prof. Weckwerth: Mit einer solchen Kombination habe ich bereits begonnen. Zum Einen biete ich eigene Lektüreübungen an, in denen wir gemeinsam lateinische oder griechische Texte übersetzen und natürlich auch interpretieren. In diesem Semester habe ich zum ersten Mal auch eine Wiederholung der Grammatik in die Übung integriert. Zum Anderen spielen die Alten Sprachen auch in Seminaren und Vorlesungen eine nicht geringe Rolle: Im letzten Semester z. B. haben die Studierenden in dem von Dr. Marco Benini und mir geleiteten Vertiefungsmodul Kirchengeschichte (M17) spätantike lateinische Hymnen übersetzt und analysiert. Sämtliche Texte hatten wir zuvor kommentiert, d. h. mit großzügigen sprachlichen Hilfen und Vokabelangaben versehen. Auf diese Weise werden Barrieren abgebaut und auch diejenigen, die vielleicht länger keine lateinische oder griechische Lesepraxis gehabt haben, kommen mit den Texten gut zurecht. Aus den Erfahrungen des Unterrichts heraus soll schließlich ein „Lateinisches Lesebuch für Theologen“ entstehen. Die Alten Sprachen – hierzu zählen natürlich auch das Hebräische sowie die christlich-orientalischen Sprachen – sind für Theologinnen und Theologen wichtige Quellensprachen, die sie zumindest so beherrschen sollten, dass sie etwaige Übersetzungen beurteilen können. Wenn solche aber fehlen, muss man eine eigenständige Übersetzung wagen. Hierfür möchte ich bei meinen Studierenden die Grundlagen legen, im Sinne einer Vertiefung der auf der Schule oder an der Universität erworbenen Sprachkenntnisse. Das übergeordnete Ziel ist es, das Fach „Alte Kirchengeschichte und Patrologie“ bereits für Studierende attraktiv zu machen und somit für das Fach insgesamt wissenschaftlichen Nachwuchs zu gewinnen.

Meine bisherigen Erfahrungen ermuntern mich, diesen Weg konsequent weiter zu beschreiten. Ich habe aber auch bereits einen guten Kontakt zu den Eichstätter FachvertreterInnen der Klassischen Philologie und zur Forschungsstelle „Christlicher Orient“ aufgebaut, woraus in Zukunft auch interdisziplinäre Lehrveranstaltungen, Abschlussarbeiten und Projekte hervorgehen sollen.