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Fachprofil

Die Arbeit am Lehrstuhl umfasst - seiner Bezeichnung folgend - drei Gebiete:

  1. Religionspädagogik
  2. Katechetik
  3. Didaktik der Religionslehre

Diese Arbeitsgebiete sind sowohl für Studierende im Magisterstudiengang als auch für Studierende eines Lehramts - Grundschule, Mittelschule, Realschule, Gymnasium - im Fach Katholische Religionslehre mit unterschiedlichen Akzenten bedeutsam.

Religionspädagogik

Eine erste Begriffsbestimmung:
Religionspädagogik ist eine wissenschaftliche Theorie der Praxis religiösen Lehrens und Lernens.

Eine erweiterte Definition:
Präziser auf den Begriff gebracht versteht sich Religionspädagogik heute als eine auf Religion und Religionen bezogene wissenschaftliche Theorie von Erziehung und Bildung, Sozialisation, Lehren und Lernen sowie von Entwicklung entlang der Biographie in Schule, Kirche und Gesellschaft (vgl. F. Schweitzer). Sie bezieht sich auf zahlreiche Lernorte: Familie, Kindergarten, Schule, kirchliche Jugendarbeit, Gemeinde, kirchliche Erwachsenenbildung, Öffentlichkeit usw.

Religionspädagogik: eine theologische und eine pädagogische Wissenschaft:
Ihrem Wesen nach ist die Religionspädagogik eine Interaktions- bzw. eine Verbundwissenschaft, die theologische, religions-, erziehungs- und humanwissenschaftliche Erkenntnisse für religiöse Lehr- und Lernprozesse auswertet und fruchtbar macht. Die überwiegende Mehrheit der Fachwissenschaftlerinnen und Fachwissenschaftler betrachtet sie als eine Disziplin, die zugleich theologische Wissenschaft und Erziehungswissenschaft (sowie in Teilaspekten Sozialwissenschaft) ist.

Religionspädagogik: keine Anwendungswissenschaft, sondern Wahrnehmungs- und Handlungswissenschaft:
In der Vergangenheit wurde die Religionspädagogik meist als Anwendungswissenschaft begriffen. Ihr war die Aufgabe zugedacht, die von anderen theologischen Fächern gewonnenen Erkenntnisse adressatengerecht aufzubereiten und zu vermitteln. Diese Vorstellung widerspricht jedoch ihrem Selbstverständnis. Heutige Religionspädagogik versteht sich zum einen als eine Wahrnehmungswissenschaft, d. h., sie versucht Spuren gelebter Alltagsreligiosität und gelebten Glaubens von Menschen zu entdecken und zu entziffern. Sie diskutiert, wie diese Spuren für religiöse Lernprozesse bedeutsam werden. Zum anderen tritt die Religionspädagogik als Handlungswissenschaft auf. Dies bedeutet, dass christlich-religiöse Erziehung und Bildung als eine kommunikative Praxis im Dienst der Subjektwerdung entfaltet wird, wobei sie sich grundlegend am Handeln Jesu Christi und an seinem Geist orientiert. Handlungswissenschaftliche Ausrichtung der Religionspädagogik meint aber auch, dass die religiöse Praxis heutiger Menschen als "eigen-sinniger" Handlungszusammenhang gewürdigt wird. Als solcher ist er nicht einfach "Anwendungsfall" vorgegebenen theologischen Wissens, sondern immer auch ein spezifischer Ort, an dem religiöse Fragen neu gestellt sowie theologische Erkenntnisse und Glaubenseinsichten gewonnen werden können.

Methoden der Religionspädagogik:
Das Methodenspektrum dieser Wissenschaft ist vielfältig. Es lässt sich in vier Gruppen gliedern:

- hermeneutische,
- empirisch-analytische und
- ideologiekritische Methoden
- sowie - in jüngster Zeit - Verfahren einer handlungsorientierten Unterrichtsforschung

Katechetik

Eine erste Begriffsbestimmung:
Die Katechetik ist ein Teilgebiet der Religionspädagogik. Ihr zugeordnet ist in einem weiten Sinn der Lernort Kirche. Demnach ist Katechetik die wissenschaftliche Theorie intentionalen christlich-religiösen Lehrens und Lernens.

Historische Notizen:
Die Katechetik entstand rund ein Jahrhundert vor der Religionspädagogik. Sie ist also die ältere Wissenschaft. Ihre Blütezeit erlebte sie im 19. Jahrhundert. Sie verstand sich als eine Teildisziplin der Praktischen Theologie, die sich mit der kirchenamtlich verantworteten Glaubensunterweisung in Schule und Gemeinde befasst. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Religionspädagogik als eine eigene theologische Disziplin. Sie begriff sich als Theorie religiöser Entwicklung, Erziehung und Bildung, die - wie die Katechetik - ihren Ort in der Praktischen Theologie hat. Im Laufe der Zeit setzte sich der Begriff "Religionspädagogik" im deutschsprachigen Raum als Fachbezeichnung durch. Der Begriff "Katechetik" trat zurück, wurde allerdings auf katholischer Seite nie ganz aufgegeben. Im nichtdeutschen Sprachraum ist "Katechetik" nach wie vor die geläufige Bezeichnung und fungiert dort als Terminus technicus für kirchlich verantwortete Prozesse religiöser Erziehung und Bildung.

Religionspädagogik und Katechetik: Modelle einer Verhältnisbestimmung:
In der Vergangenheit wurden unterschiedliche Modelle eines Zueinanders der beiden Größen verwirklicht. Nach U. Hemel lassen sich vier Typen unterscheiden:

- Eine Disziplin schließt die andere ein: entweder die Religionspädagogik
  die Katechetik oder die Katechetik die Religionspädagogik
  ("Inklusionsmodell");
- die Begriffe "Religionspädagogik" und "Katechetik" sind nur
  unterschiedliche Bezeichnungen für ein und dieselbe Sache
  ("Identifikationsmodell");
- beide Disziplinen sind voneinander unabhängig
  ("Unabhängigkeitsmodell")
- zwischen Religionspädagogik und Katechetik bestehen fließende
  Grenzen ("Offenheitsmodell").

Heute besteht ein weitgehender Konsens darüber, dass die Katechetik ein Teilgebiet der Religionspädagogik darstellt.

Religionspädagogik und Katechetik: Unterscheidungen
Schematisch lassen sich Religionspädagogik und Katechetik folgendermaßen charakterisieren: Die Katechetik ist auf den Raum der Kirche bzw. auf die Gemeinde bezogen. Ihre Adressaten sind Menschen, bei denen zumindest ein anfänglicher Glaube vorhanden ist. Sie zielt auf eine Erschließung der Dimension des Glaubens. Dieser soll vor allem in seiner systematischen Gestalt vermittelt werden. Die Religionspädagogik umfasst ganz verschiedene Lernorte: Familie, Kindergarten, Schule, kirchliche Jugendarbeit, Gemeinde, kirchliche Erwachsenenbildung, Öffentlichkeit usw. Ihr Ziel ist es, die religiöse Dimension von Wirklichkeit in Bildungsprozessen zu erschließen. Sie richtet sich an Menschen, die die Bereitschaft mitbringen, sich auf religiöses Sprechen und Denken sowie auf religiös motiviertes Handeln und religiöse Vollzüge wenigstens probeweise einzulassen.

Didaktik der (kath.) Religionslehre

Die Didaktik der (kath.) Religionslehre bzw. die Religionsdidaktik ordnet sich der Religionspädagogik als Teilgebiet unter. Ihr Fokus ist der Religionsunterricht. Sie kann kurz und knapp als wissenschaftliche Reflexion organisierter Lehr- und Lernprozesse am Lernort Schule be­zeichnet werden.