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Nachhaltigkeit.Theorie: Die Grundlagen für eine nachhaltige Universität

Einführung

Die von der World Commission on Environment and Development im Jahr 1987 herausgegebene Studie "Our Common Future" stellt erstmals grundlegende Ansätze eines neuen, "zukunftsfähigen" Entwicklungsparadigmas vor. Seit den 1990er Jahren haben die Begriffe "Nachhaltigkeit" und "Nachhaltige Entwicklung" einen bemerkenswerten Eingang in Politik und Gesellschaft gefunden. Mit der Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro (UNCED, 1992) verständigte sich die Weltgemeinschaft auf dieses neue Entwicklungsleitbild und handelte auf internationaler Ebene wichtige Vorstellungen zu dessen Umsetzung aus. Diese wurden in der "Agenda 21" festgehalten.

Dieses umfassende Entwicklungsleitbild hat in den beiden zurückliegenden Dekaden weltweit erheblich an Bedeutung gewonnen. Heutzutage sind Nachhaltigkeitsaspekte fester Bestandteil in den meisten Entwicklungsvorhaben. Gesellschaftliche, ökologische und wirtschaftliche Faktoren bilden dabei die drei zentralen Säulen für eine möglichst ausbalancierte Entwicklung. Dabei gilt es, die unterschiedlichen Auswirkungen und Vernetzungen von lokal bis global zu bedenken. Gegenwärtige Nachhaltigkeitsvorgaben fordern eine gerechte Verteilung von Ressourcen, Wohlstand und Lebensqualität, damit eine Region nicht auf Kosten anderer Weltregionen lebt ("globale Gerechtigkeit"). Das Nachhaltigkeitskonzept versteht sich als langfristig ausgewogene Strategie, die auf dem Grundsatz beruht, dass heutige Gesellschaften nicht auf Kosten zukünftiger Generationen leben können ("Generationengerechtigkeit").

Entscheidend für zukünftige Generationen und damit für die Stärkung und den Ausbau bisheriger Vorstellungen von Nachhaltigkeit ist eine erhöhte gesellschaftliche Akzeptanz zukunftsfähiger Entwicklungsparadigmen. Damit einher geht u. a. die Verbesserung des Wissens über Nachhaltigkeit, was die Bedeutung der Bildung unterstreicht, die global dafür sorgen , dass das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung stärker bewusst und damit auch umgesetzt wird.

Die Agenda 21 stellt in Kapitel 36 die erste offizielle Verknüpfung von nachhaltiger Entwicklung und Bildung dar. Der Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung hat 2002 in Johannesburg nach einer Bilanzierung nationaler Aktivitäten in der Fortschreibung des Aktionsprogramms den Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und Bildung hervorgehoben und den Zeitraum zwischen 2005-2014 als Weltdekade für Education for Sustainable Development (ESD) hervorgehoben. Ziel der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), so lautet die deutsche Übersetzung, gemäß des Programms Transfair 21 der Bund-Länder-Kommission "Gestaltungskompetenz". Sie umfasst die Fähigkeit, sich persönlich und in Kooperation mit anderen für nachhaltige Entwicklungsprozesse reflektiert engagieren und nicht nachhaltige Entwicklungsprozesse systematisch analysieren und beurteilen.BNE bezieht sich dabei auf alle Ebenen und Phasen des lebenslangen Lernens.

Auch in die globale Wissenschaftslandschaft hat die Nachhaltigkeitsthematik bereits früh Eingang gefunden. 1993 rief die Europäische Rektorenkonferenz die Hochschulen auf, sich am Leitbild der nachhaltigen Entwicklung zu orientieren und verabschiedete die sogenannte Copernicus-Charta, die damals auch von der KU unterzeichnet wurde. 1995 folgte eine Aufforderung der europäischen Bildungsminister, das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung bei der Schaffung des Europäischen Hochschulraumes zu berücksichtigen. Die Umsetzung ließ jedoch bisher, insbesondere in Deutschland, zu wünschen übrig.

Glossar

Nachhaltige Entwicklung
bedeutet eine ökologisch, ökonomisch und sozial ausgewogene Entwicklung, die globale Gerechtigkeit und intergenerationelle Gerechtigkeit berücksichtigt.
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
vermittelt nachhaltiges Denken und Handeln. Sie versetzt Menschen unterschiedlicher Altersgruppen in die Lage, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen und dabei abzuschätzen, wie sich das eigene Handeln auf künftige Generationen oder das Leben in anderen Weltregionen auswirkt. Ziel der BNE ist Gestaltungskompetenz, die Fähigkeit, Wissen über nachhaltige Entwicklung anwenden und Probleme nicht nachhaltiger Entwicklung erkennen können, zu fördern.