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Nachhaltigkeit.aktuell: Die neuesten Entwicklungen an der KU

31.07.17

Sheabutter-Creme, solidarisches Wirtschaften und ein nachhaltiges Ferienprogramm

Auf der Nachhaltigkeits-Projektmesse präsentierten Studierende der KU Eichstätt viele außergewöhnliche Ideen


Wie viel Liter Wasser werden bei der Herstellung eines T-Shirts benötigt?

Wie kann man eine nachhaltige Bodylotion selbst produzieren?

Und wie funktioniert eigentlich solidarische Landwirtschaft genau?

 


Spannende Antworten auf diese Fragen und vor allem viele interessante Anregungen und Beispiele für ein nachhaltigeres Leben gab es auf der Projektmesse der Studierenden zum „Tag der Nachhaltigkeit“ am 26.7.2017 im International House am Eichstätter Marktplatz. Über 20 engagierte Studierende des Masters „Geographie: Bildung für nachhaltige Entwicklung“, des Bachelor Geographie und des AK Kapuzinergarten Eden präsentierten dort der Öffentlichkeit ihre Projekte, die sie im ausgehenden Sommersemester mit kirchlichen, schulischen und außerschulischen Kooperationspartner durchgeführt haben.


 

Zur morgendlichen Einkaufszeit die Eichstätter Marktbesucher am Ende des Semesters auf ihre vielfältigen Nachhaltigkeitsideen aufmerksam machen – das war die Grundidee der Studierenden gewesen, als sie ihre Projektmesse planten. Der erbarmungslose Dauerregen machte ihnen zwar einen Strich durch die Rechnung, doch das tat der Sache keinen Abbruch: Immer wieder strömten am Mittwochvormittag interessierte Besucher ins Foyer des International House, um sich von den Nachhaltigkeitsspezialisten der KU Eichstätt über plastikfreies Leben und Müllvermeidung, Wasserverbrauch und solidarische Landwirtschaft, Foodsharing und andere nachhaltige Projekte in Eichstätt aufklären zu lassen. Das Staunen war bei vielen Besuchern bei manch einer Information groß: Zur Produktion von einem Kilo Kaffee werden nicht weniger als 20.000 Liter Wasser, von einem Kilo Kakao 10.000 Liter benötigt. Diesen „Spitzenreitern“ im Wasserverbrauch folgen das T-Shirt mit 4.100 Litern, das Kilo Bananen mit 1.000 Litern und Orangen mit 500 Litern, erläuterte Lisa Söder eindrücklich. Auf einem Vater-Kind-Zeltlager in Titting hatte sie sich als eigenes Semesterprojekt im Rahmen ihres BNE-Studiums dem Thema „Wasser“ gewidmet und Väter wie Kinder mit Informationen und Spielen zu unserem Anteil des weltweiten Wasserverbrauch ins Staunen versetzt: „Es war eine große Herausforderung, mit den beiden Zielgruppen unterschiedlichen Alters zu arbeiten“, berichtete Söder. Spannend wurde das Zeltlager durch Söders eingestreute Workshops aber allemal.

 


Viel Praxiserfahrung haben auch Lisa Artmaier und Katharina Rieder in ihrem Semesterprojekt gewonnen. In einer heilpädagogischen Tagesstätte boten sie in den Faschingsferien ein „nachhaltiges Ferienprogramm“ an, das gespickt mit guten Nachhaltigkeitsideen war. Von Workshops über das Thema „Wasser“ und „Kinderrechte“ über Waldspaziergänge mit erlebnispädagogischen Spielen und dem Bau eines Insektenhotels bis hin zu Abfallrecycling-Bastelaktionen aus Kaffeekapseln und dem Erstellen eines kleinen Reflektionsheftchens boten die beiden Studierenden ihren Zöglingen eine Woche lang ein spannendes und ausgefeiltes Programm. „Es war schon brutal viel Arbeit“, erinnerte sich Artmaier angesichts der pädagogischen Herausforderungen, die in der heilpädagogischen Tagesstätte ebenfalls zu bewältigen waren. Dies hielt Lisa Artmaier jedoch nicht davon ab, zusammen mit ihren Kommilitoninnen Anna Meißner und Sina Mixdorf ein weiteres Projekt durchzuführen: einen Projekttag zum Thema „Plastik frei!“ in den 7. Klassen der Maria-Ward-Realschule. Ihr Ziel: die jungen Schülerinnen, die sich zunehmend vor allem für Kosmetikprodukte interessieren, nicht nur über den Problemmüll Plastik und dessen Umweltauswirkungen zu informieren, sondern zusammen mit ihnen eine wunderbar duftende nachhaltige Bodylotion herzustellen – im Glasgefäß, versteht sich: „Die Schülerinnen war begeistert dabei!“, resümierte Artmaier und zeigte die Körpercreme, eine selbstgemachte Seife und eine selbstbedruckte Stofftasche mit dem Aufdruck „Nein danke, ich brauche keine Plastiktüte!“


Mit großem Engagement haben auch Hannah Lachmann mit Kommilitonen in einem Projekt gearbeitet, das nun zum Semesterende einen großen Erfolg feiern kann: Ab Oktober wird ihre Herzensangelegenheit - das Projekt „Solidarische Landwirtschaft“ – vorerst im Rahmen einer zweimonatigen Probezeit in Thalmässing Realität. Nach der Begründung des Arbeitskreises „Solidarische Landwirtschaft“ und der Formierung einer Kerngruppe interessierter Teilnehmenden kann beim Thalmässinger Biolandhof Dollinger nun mit 15 Ernteanteilen gestartet werden – im Idealfall eine „win-win“-Situation für beide Partner. Denn, wie Lachmann erläuterte, biete die kleinbäuerliche, solidarische Landwirtschaft für die Verbraucher die Chance, regionales, saisonales und ökologisch produziertes Obst und Gemüse zu erhalten. Der Betrieb indes werde in der solidarischen Landwirtschaft durch die gemeinschaftliche finanzielle Verantwortung der Verbraucher gesichert, die gegen einen monatlichen Betrag im Gegenzug Anteile der erzielten Ernte des Hofes erhalten“, erklärte Lachmann begeistert. Im Thalmässinger Bioland-Hof Dollinger habe man zur Freude aller Interessierten einen Betrieb gefunden, der bereits seit 2014 das Konzept der solidarischen Landwirtschaft umsetze. Wer Interesse an dem Projekt habe, könne sich unter solawi-eichstaett@posteo.de melden.

 


Viele weitere spannende Umwelt- und Nachhaltigkeitsprojekte und –ideen waren auf der Projektmesse der Studierenden zu bestaunen: Ob Biobaumwoll-Brotbeutel, mit dem man zukünftig den enormen Papier- und Plastikmüll beim Brot- und Semmelkauf einsparen kann, oder eine nachhaltige Stadtführung, ob Foodsharing oder „Cook and Talk“ – die Studierenden bewiesen Phantasie, Engagement und die Fähigkeit, ihre Standbesucher in kürzester Zeit für ihre Idee zu begeistern: „Es ist uns vor allem wichtig, dass wir mit unseren Anregungen und Projekten in die Eichstätter Öffentlichkeit gehen und damit aus der Universität in die Stadt kommen“, so brachte es Lisa Söder auf den Punkt. Dieser Schritt ist mit den Nachhaltigkeits-Projekten der Studierenden auf jeden Fall gelungen.

Gekürzte Version des Artikels von Dagmar Kusche für den Eichstätter Kurier