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Nachhaltigkeit.aktuell: Die neuesten Entwicklungen an der KU

20.04.18

Stop Breathing! Atmen kann tödlich sein! Das Hope Theatre Nairobi zu Gast an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt

„What you actually see is – nothing. An empty space. This is how the world will be, when we go on like we go on. An empty space. The only difference between our stage and the world will be: no audience. Maybe some insects, or even some animals. But no humans will watch the empty world. In easy words, over will mean: over.“


Mit diesen Worten eröffnet Bruce vom Hope Theatre Nairobi die Vorstellung am Abend des 18. April 2018 in der Aula der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU). Plötzlich schallte die Stimme von Monica durch den Raum, gefolgt von Susie und Nancy, die sich unter das Publikum gemischt hatten. Justin stellte die provokative Frage, wie viele Personen im Publikum rauchen. Über die geringen Meldungen war er überrascht. Dennoch sagte er, dass in Nairobi fast niemand rauche. Alleine die Abgase der Autos und Fabriken und der ganze Schmutz, die man so über Tag einatme, reichen aus, um „stoned“ zu werden. Der erste Lacher des Abends…obwohl ein ernstes Thema behandelt wurde.

Doch genau das ist der Charme des Hope Theatre Nairobi: ernste Themen mit so viel Humor und gleichzeitig Ernsthaftigkeit, Musik und Tanz dem Publikum näherbringen, dass dieses nicht frustriert, sondern zum Umdenken motiviert wird. Unterstützt und ausgebildet wird die Truppe aus der kenianischen Hauptstadt vom Wiener Stephan Bruckmeier, einem Tausendsassa, wie er im Buche steht. Seine Erfahrungen aus 30 Jahren Arbeit auf, vor und hinter diversen Bühnen sind dem Stück anzumerken. Gekonnt überbrückt er mal alleine, mal mit der Gruppe, die thematischen Übergänge zwischen den einzelnen Szenen, nicht ohne eine gehörige Portion seines „Wiener Schmäh“ an den Tag zu legen.

Das Team Nachhaltigen KU und Fairtrade University, die Weltbrücke Eichstätt, die Fairtrade Stadt Eichstätt und die Katholische Erwachsenenbildung im Landkreis Eichstätt luden das Theater nach Eichstätt ein, da die jungen Künstler in ihrem Stück eine Vielzahl globaler Probleme und Herausforderungen ansprechen… Klimawandel und dessen Folgen, unser Konsumverhalten, Flucht und vor allem auch die Perspektive der Gruppe aus Nairobi auf diese Themen.

Zu Beginn bittet Moffat einige aus dem Publikum als Statisten auf die Bühne. Es folgt ein Tanz um die am Boden liegenden Zuschauer mit Atemmasken. Von der Luftverschmutzung geht es schnell über zum Thema Kohleabbau und den Folgen für die Arbeiter in Kohlebergwerken, wenn diese geschlossen werden. So macht sich Bergmann Stephan, etwas blauäugig, auf den Weg nach Afrika, um dort einen Job zu bekommen. Denn in Kenia, da gibt es den Kohleabbau noch. Doch gibt es dort auch Lebensmittelknappheit und Hunger, da immer wieder der Regen ausbleibt. Mit afrikanischen Trommeln als Begleitung wird nun ein Regentanz aufgeführt.

Die Problematik, die die Fast Fashion Industrie mit sich bringt, wird als Modenschau aufgeführt, bei der Suzie, Monica, Moffat, Justin, Pauline, Bruce, Winnie und Nancy als aufklärende Models über die Beschaffenheit und Herstellung ihrer Kleidung berichten. In der letzten Szene hat die Ökologie ein Rendezvous mit der Ökonomie und ist erschrocken darüber, wie sehr sie sich in den letzten Jahrzehnten auseinandergelebt haben. Zum Ende der Szene hin, tritt die Gesellschaft auf die Bühne, ist zunächst erst schockiert, dass die Ökologie mit der Ökonomie anzubandeln versucht und sie zu vergessen scheint. Doch dem ist nicht so…die Ökologie erklärt, dass sie nur versucht habe, die Ökonomie zurück ins Boot holen – vergebens.
Zum Abschluss des Abends lud Pauline alle auf die Bühne ein, um ihnen afrikanische Tanzmoves beizubringen. Nach anfänglichem Zögern, wollte am Schluss niemand aufhören und so trommelten Bruce, Moffat und Justin einfach noch ein bisschen weiter. Ein rhythmischer Ausklang eines gelungenen Abends, der sich noch in interessanten Gesprächen, auch mit den Künstlerinnen und Künstlern des Hope Theater, im Foyer der Aula fortsetzte.


Vielen Dank Hope Theatre Nairobi!
(Ann-Kathrin Bremer)

 


 Hope Theatre 

„STOP BREATHING! IT CAN DAMAGE YOUR HEALTH.

Eine politische Revue zum Klimawandel“

 

„Atme ein, atme aus, atme ein, atme aus, atme frische Luft … 

Aber was wenn die Luft gar nicht frisch ist, wenn sie krank macht? Was machen wir, wenn uns Verkehr, Abgase, Kraftwerke und Fabriken die Luft zum Atmen nehmen? Nicht viel – zumindest solange es einfacher ist, sich den Untergang der Welt vorzustellen, als eine Welt ohne Wachstum.

Aber: Ab wann zählt eigentlich der Mensch? Wenn genügend krank sind? Wenn Millionen an Burnout leiden? Wenn wir im Winter in den Alpen nicht mehr Ski fahren können? Oder wenn Millionen Klimaflüchtlinge an Europas Pforten klopfen?

Die Welt dreht sich aber auch immer schneller – alles scheint kompliziert heute. Jetzt hat das Steak auf dem Teller schon mehr mit den Regenwäldern der Erde zu tun, als mit dem Metzger um die Ecke. Wie bewerten wir die Perspektivlosigkeit ostdeutscher Kohlekumpel ohne Job im Gegensatz zu Afrikanern ohne Zukunft? Wie reagiert eine Autonation darauf, dass ihre Melkkuh und ihr Stolz ein großer Teil des Problems ist?  
Die Zerstörung der Umwelt spiegelt die Bedingungen einer polarisierten Globalisierung wieder. Wer profitiert eigentlich von Ressourcenausbeutung? Wer leidet darunter?  Was hat jeder einzelne damit zu tun und wer kann sich an Veränderungen der Umwelt gut anpassen?   

Wachstum und Konsum sind große Verführer. Aber dieser aufregende Flirt holt uns allmählich mit aller Härte ein. Das bevorstehende Rendezvous mit unserem Lebensstil wird weniger erfreulich sein. Unser Gegenüber wird uns unseren Egoismus, unsere Überheblichkeit, unsere Doppelmoral und unsere Bequemlichkeit aufzeigen. Denn es stimmt nicht, dass wir nicht wissen was wir tun. Wir wissen Bescheid und wir wissen, dass wir uns ändern müssten. Jeder Einzelne und alle zusammen. 

So schlecht ist die Luft dann aber vielleicht doch noch nicht…. Zumindest nicht auf meinem Balkon, in meiner Straße, in meiner Stadt …

 

Noch kann man was tun. Aber was genau?“

 

Das Hope Theatre Nairobi ist eine sozial-politische Theatergruppe aus Nairobi, Kenia, die 2009 vom deutsch-österreichischen Regisseur Stephan Bruckmeier mit jungen Erwachsenen aus den großen Armenvierteln der Metropole mit dem Ziel gegründet wurde, armen und chancenlosen Jugendlichen eine Zukunftsperspektive zu geben. Die Gruppe ist in den letzten Jahren bereits an vielen Fairtrade-Schools aufgetreten.

Datum: Mittwoch, 18.04.18 Uhrzeit: 18:30 - 21:00 Uhr
Ort: Aula der Universität, Kollegiengebäude, Bau D, Ostenstraße 28, Eichstätt

8 € Eintritt, 5 € Studierende
Kartenvorverkauf ab 3. April in der Weltbrücke Eichstätt
sowie am 10.4.–12.4., am 17.4. und 18.4. von 11–13 Uhr vor der Mensa der KU

Abendkasse ab 18 Uhr


Den Flyer zur Veranstaltung können Sie hier herunterladen.

Veranstalter:
Nachhaltigkeitsteam der KU, Fairtrade Universität, Fairtrade Stadt Eichstätt, Weltbrücke Eichstätt, KEB Kath. Erwachsenenbildung