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Leitbild

Die KU ist exzellent in der Lehre, forschungsstark und unterscheidbar und ein Ort des guten Lernens, Lehrens und Lebens. Sie ist eine vom katholischen Geist getragene akademische Gemeinschaft. Eine Katholische Universität ist „eine Stätte, wo universales Wissen gelehrt werden soll.“[1] Charakteristisch für Universitäten in diesem Sinn ist die Komplementarität von Merkmalen in drei Bereichen:

  • Die Universität steht sowohl für Qualität in Lehre und Forschung in einzelnen Disziplinen als auch für die Qualität der Zusammenschau von Disziplinen durch den interdisziplinären Diskurs.
  • Die Universität zielt sowohl auf Wissen um seiner selbst willen als auch auf den praxisnahen Dienst an Kirche und Welt.
  • Die Universität lebt sowohl von der Kompetenz eigengesetzlicher Wissenschaften als auch von deren Dialog mit den Anliegen des christlichen Glaubens.

Die Idee einer Katholischen Universität wird dort verwirklicht, wo die Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden im Diskurs miteinander und mit Kollegen weltweit diese Teilziele erreicht.[2] Die überschaubare Größe der KU befähigt sie, diese Idee durch hervorragende Lehr- und Betreuungsbedingungen mit Leben zu füllen. Die KU ist ein Ort, wo begabte Menschen gut und gerne lernen und lehren, wo sie in Freiheit und mit heiterem Ernst sich in Fragen hineindenken und dabei neue Fragen entdecken. Es ist eine der zentralen Aufgaben der KU, ihren Studierenden beste Studienbedingungen zu bieten und dabei auch Raum der Begegnung und des Miteinanders zu sein. Die Rechtfertigung der Existenz einer katholischen Universität besteht nicht zuletzt darin, dass sie durch ihre Qualität und ihr kritisches Denken hochqualifizierte, denkscharfe und dadurch erfrischend unbequeme Gesprächspartner hervorbringt. Es muss an einer Universität um mehr gehen als um berufliche Qualifikation.

Qualitätsvolle, eigenverantwortliche Forschung und fachinterner wie fachübergreifender Diskurs bereits in der Lehre sind die vorrangigen wissenschaftlichen Ziele der KU. Diese Ziele sind eingebettet in den universalen Charakter der Katholischen Kirche mit ihren Bildungstraditionen und ihren Bildungseinrichtungen weltweit, mit denen die KU in Verbindung und im Austausch steht. Die Internationalisierung, zu der sich die KU verpflichtet hat, schließt das vertiefte Angebot fremdsprachiger Angebote ein, ohne dadurch den Sinn des Deutschen als Kultur- und Wissenschaftssprache zu mindern.

Freiheit in Forschung und Lehre und der katholische Charakter der Universität fördern, ergänzen und erhellen sich wechselseitig. Die sozialpolitischen, ökonomischen, ökologischen und geistigen Herausforderungen der heutigen Welt werden thematisiert und wissenschaftlich analysiert. Die KU sieht sich dabei im Dienst an einer nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft und leistet einen Beitrag zur Wahrnehmung und Überwindung der globalen Probleme und Krisen unseres Zeitalters in Zusammenarbeit und im Wettbewerb mit den staatlichen Universitäten. Das Bemühen um die Bewahrung der Lebensgrundlagen ist die Konsequenz aus einer Kultur der Anerkennung der Schöpfung.

Die KU setzt sich dafür ein, dass allen ihren Mitgliedern ein Gleichgewicht zwischen universitären und familiären Verpflichtungen gelingt, und sie engagiert sich für Chancengerechtigkeit in allen Qualifikationsstufen. Dies betrifft nicht nur die Gleichstellung von Frauen und Männern, sondern auch das Bemühen, ethnische, kulturelle und soziale Benachteiligungen zu überwinden sowie benachteiligte Personengruppen und Menschen mit Behinderungen in allen Bereichen zu unterstützen.

Der besondere Geist der KU zeigt sich im fördernden und wertschätzenden Umgang von Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitern. Sie bilden eine tragende Gemeinschaft – mit unterschiedlichen Interessen und Talenten, mit verschiedenen Ideen und Methoden. Das Verbindende wird sichtbar im intensiven Gespräch der Disziplinen, in der vielfältigen Vernetzung und der verlässlichen Partnerschaft von Wissenschaft und Verwaltung.

Im gelebten Miteinander sowie im wissenschaftlichen Diskurs und im vorwiegend humanistischen Studium (im Sinne eines umfassenden Humanum) orientiert sich die KU am christlichen Menschenbild mit seinen Grundsätzen der Personalität und Verantwortung, Subsidiarität, Solidarität und Nachhaltigkeit. Der so beschriebene christliche Humanismus, der für Forschung und Lehre an der KU leitend ist, drückt sich auch in den folgenden Motiven und Perspektiven aus.

Motive und Perspektiven in Lehre und Forschung

Das Humanum der christlich-humanistisch ausgerichteten Katholischen Universität wird insbesondere in vier grundlegenden Themenfeldern ersichtlich. In diesen Bereichen, die das Herzstück der Universität ausmachen, baut die KU auf beachtlichen Stärken auf und entwickelt sie weiter.

1. Der Mensch in den Zeugnissen seiner Geschichte
Der Mensch ist ein geschichtliches Wesen. Da die KU vor allem auf die Humanwissenschaften fokussiert ist, weiß sie, wie wichtig es ist, den Menschen nicht nur im Heutigen zu sehen, sondern ihn auch in seinem Werden und seiner Geschichte wahrzunehmen. Die Geschichtswissenschaft spielt hier eine paradigmatische Rolle, die Philosophie bietet einen methodologischen, die Kulturwissenschaften einen inhaltlichen Schwerpunkt.

Die Literaturwissenschaft an der KU lebt gerade in diesem geschichtlichen Zusammenhang auch vom Austausch mit Texttheorien und mit der Zeitgeschichte. Die Kulturwissenschaften bilden die entscheidende und in beiden Richtungen Impulse gebende Schnittstelle zwischen Geschichte und Philosophie.

2. Der Mensch in der Schöpfung und im Geflecht von Gesellschaft, Staat und Natur
Der Mensch ist ein gesellschaftliches und gestaltendes Wesen. Die KU verbindet den Sinn für die Autonomie der Wissenschaften mit der Mitverantwortung für die heutige Welt (für Kirche, Umwelt und Gesellschaft). In der Wirtschaftswissenschaft, der sozialen Arbeit, der religiösen Bildungsarbeit, in sozialwissenschaftlichen, geographischen und psychologischen Disziplinen vermittelt die KU ihren Absolventen die Fähigkeit, sich der Realität von heute zu stellen, besonnen und verantwortungsvoll zu handeln und auch auf der Grundlage der Katholischen Soziallehre an der Lösung ihrer Probleme kompetent mitzuwirken. Der Mensch als Teil der Schöpfung ist nicht nur in den theologischen Disziplinen Ausgangspunkt für die Frage nach dem angemessenen Umgang mit der Natur und der Umwelt.

Das Zentralinstitut für Ehe und Familie in der Gesellschaft dient der Verbindung zwischen der Forschung und den Aufgaben der Universität für Kirche und Gesellschaft. Das von der UNESCO ausgezeichnete Nachhaltigkeitskonzept ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die KU ihrer Verantwortung der Natur und der Umwelt gegenüber gerecht wird. 

3. Der Mensch – Mittelpunkt der Bildung
Der Mensch ist ein lernendes Wesen. Die Vorgeschichte der KU mit den theologisch-philosophischen und pädagogischen Hochschulen wirkt bis heute nach, auf dieser Tradition aufbauend fördert und erforscht sie besonders die Ausbildung fachlich exzellenter, kritischer und begeisterungsfähiger Lehrer. Die Gründung eines Lehrerbildungszentrums hat die Vertiefung eines ganzheitlichen Rahmenkonzeptes der Lehrerbildung zum Ziel. Die Absolventen sollen mit mehr und breiteren Kompetenzen ausgestattet werden als sie im engeren Sinn für die Arbeit in Schulen benötigen. Zudem gibt ihnen die KU eine reflektierte, anspruchsvolle und klare Werteorientierung mit auf den Weg. Die Ausbildung von Lehrern für katholische Schulen ist ein wichtiges Anliegen, ebenso die Qualifikation für die Arbeit in der Weiterbildung.

Die an der Person orientierte Grundhaltung wirkt nicht nur gestaltend in der Lehrerbildung, sondern ist als pädagogisches Prinzip in der ganzen KU wirksam, um die Eigenständigkeit jedes Einzelnen in seiner Verantwortung für sich selbst und für andere zu fördern. Auf dem Boden eines katholischen Humanismus lädt die KU ein, einem indifferenten Relativismus zu begegnen, indem sie ihre Studierenden dazu ermuntert und befähigt, Positionen und Strukturen danach zu bewerten, ob sie dem Menschen als Person gerecht werden.

4. Der Mensch als Subjekt von Glaube und Wissen
Der Mensch, sofern er denkt und lehrt und forscht, befindet sich an der Schnittstelle von Glaube und Wissenschaft. Glaube verlangt nach Wissen in verantworteter Wissenschaft, wie auch umgekehrt keine Wissenschaft voraussetzungslos und ausschließlich in sich selbst begründet ist. In Glaube und Wissenschaft ist der Mensch ein Fragender in einem elementaren Sinn. Die Diskussion des Humanums in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften setzt das lebendige und kritische Gespräch zwischen Glauben und Wissen voraus.

Die Philosophie war von jeher ein Medium der Zuordnung der Wissenschaften zueinander. Philosophie und Theologie werden an der KU als eigenständige wissenschaftliche Disziplinen angeboten, aber auch als Medien des Dialogs über die Grenzen der Disziplinen hinaus. Diese Interdisziplinarität trägt zum universalen Charakter des Lernens bei und ist ein Signum der KU. Die Philosophie thematisiert und problematisiert Grundbegriffe und Grundsätze, die in fast allen Disziplinen zentral sind. Das daraus sich entwickelnde Gespräch gibt den Studierenden die Chance, ihr Fach in ein größeres Ganzes einzuordnen. Diese Zielsetzung erfordert eine besondere Verantwortung für das Studium Generale und interdisziplinäre Tagungen. Die Theologie bringt sich in den universitätsweiten Diskurs ein. Sie stellt sich einerseits den Forschungsergebnissen, Fragen und Einwänden anderer Wissenschaften und bietet ihnen andererseits „eine Perspektive und eine Orientierung“ an, „die in deren eigenen Methoden nicht enthalten sind“[3]. Der Theologie kommt bei der „Suche nach einer Synthese des Wissens wie auch im Dialog zwischen Glaube und Vernunft“[4] eine besondere Bedeutung zu.

 

 


[1] John Henry Newman: Die Idee der Universität, ins Deutsche übersetzt von Edith Stein, in: Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz (Hrsg.): ESGA 21. Freiburg 2004. Vgl. auch Alasdair MacIntyre: God, Philosophy, Universities. London 2009.

[2] Die Verfasser dieses Textes halten die Gleichbehandlung von Frauen und Männern für selbstverständlich. Auf Doppelbezeichnungen wird deshalb – und aus Gründen der besseren Lesbarkeit – verzichtet.

[3] Ex corde ecclesiae (ECE). Apostolische Konstitution über die Katholischen Universitäten vom 15. August 1990, Nr. 19.

[4] Ebd.