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Nachhaltigkeitspreis


Preisträgerinnen 2015: Verena Brückl und Anna Decker

Verena Brückl

Die durch Beweidung mit Schafen entstandenen Wacholderheiden im Altmühltal zählen zu den am besten erhaltenen Trockenlebensräumen in Deutschland. Das dort herrschende trockene und warme Klima sowie der nährstoffarme Boden schaffen zahlreiche, einzigartige Lebensräume für viele seltene Tier- und Pflanzenarten, die sich an diese extremen Lebensbedingungen angepasst haben. Bei der Erhaltung der Wacholderheiden spielt die Wanderschäferei eine wichtige Rolle: Mittels Schafbeweidung wird effektiv und auf eine natürliche Weise dem Verlust der wertvollen Lebensräume entgegengewirkt. Deshalb setzt sich das Naturschutzgroßprojekt Altmühlleiten für eine ökonomisch tragfähige Schäferei im Projektgebiet ein. Um bereits bei Kindern ein Bewusstsein für die hohe Bedeutung der Schäferei in Bezug auf die Wacholderheiden zu schaffen, entstand die Idee, im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des Naturschutzgroßprojekts ein Lernspielheft für die dritte und vierte Klasse zu entwickeln. Durch das von Verena Brückl im Rahmen ihrer Bachelorarbeit konzipierte Lernspielheft wird den Kindern die Möglichkeit gegeben, sich eigenständig mit einem für die Region sehr bedeutenden Thema auseinanderzusetzen. Die Erstellung der Bachelorarbeit wurde von Prof. Dr. Ingrid Hemmer betreut.

Die theoretische Grundlage bei der Erstellung des Lernspielheftes bildet das Modell der Didaktischen Rekonstruktion. Dadurch wird gewährleistet, dass im Lernspielheft nicht nur fachliches Wissen angemessen berücksichtigt wird. Eine zusätzliche Erhebung der Schülervorstellungen macht Lernhindernisse sichtbar und es kann an das bisherige Wissen der Kinder angeknüpft werden. Da bereits in der Grundschule der Grundstein gelegt werden soll, dass Kinder nachhaltige Entwicklungen als solche erkennen und aktiv mitgestalten können, orientiert sich das Lernspielheft zudem am Konzept der Gestaltungskompetenz nach Gerhard de Haan und Michael Plesse (2008). Der Erstellung des Lernspielheftes wurde folgende Forschungsfrage vorangestellt: Welche Vorstellungen besitzen Grundschulkinder im Projektgebiet zur Schäferei und zu den Wacholderheiden? Die in ausgewählten Grundschulklassen durchgeführte Schülerbefragung mittels Fragebogen zeigte unter anderem, dass der Wohnort das Wissen entscheidend beeinflusst. Außerdem ist der Mehrheit der Kinder nicht bekannt, warum der Erhalt der Wacholderheiden wichtig ist.

Im Lernspielheft wurden bei der inhaltlichen Aufbereitung neben der Fachperspektive die Schülervorstellungen mit berücksichtigt. Ein zentrales Kriterium bei der Text- und Aufgabenstellung stellte zudem die Förderung bzw. der Erwerb der Gestaltungskompetenz dar. Durch das Lernspielheft sollen neben dem Aufbau von disziplinärem Wissen vor allem die Teilkompetenzen „Vorausschauend denken“, „Weltoffen wahrnehmen“, „Gerecht und solidarisch sein“ sowie „Motiviert sein und motivieren können“ nach de Haan und Plesse (2008) gefördert werden. Da es sich bei der Wanderschäferei im Altmühltal um ein greifbares und anschauliches Thema für Grundschulkinder handelt, werden diese optimal dabei unterstützt, ihr Handeln an den Grundsätzen einer nachhaltigen Entwicklung auszurichten.

Verena Brückl wurde 1989 in Schrobenhausen geboren. Sie besuchte die Maria-Ward- Realschule in Schrobenhausen. Anschließend absolvierte sie eine Ausbildung zur Bankkauffrau in der Stadtsparkasse Schrobenhausen und erwarb die Hochschulreife an der Berufsoberschule in Scheyern.

Seit 2011 studiert sie Grundschullehramt mit Hauptfach Geographie sowie den Didaktikfächern Deutsch, Mathematik, Musik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Dabei setzte sich Verena Brückl im Kurs „Grundlagen der Bildung für nachhaltige Entwicklung – Schulische BNE“ intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander

Anna Decker

Seit Jahrzehnten diskutierten Wissenschaftler, ob Firmen eine gleiche oder höhere ökonomische Leistung erreichen können, während sie soziale und ökologische Ziele adressieren. Rezensionen aus der wachsenden empirischen Literatur zu diesem Thema bestätigten einen positiven, bisher noch schwachen Zusammenhang zwischen diesen Dimensionen. In den vergangenen fünf Jahren hat die Thematik durch die stärkere Bedeutung eines neuen Investmentansatzes, dem sogenannten Impact Investing, neue Zugkraft gewonnen. Nach dem World Economic Forum (2013) ist „Impact Investing ein Investmentansatz, der absichtlich anstrebt, finanziellen Gewinn und positive soziale oder ökologische Wirkung zu kreieren, die aktiv gemessen wird“.

Die Masterarbeit Impact Investing – Nachhaltige Zukunftsanlage oder Modeerscheinung? von Anne Decker (Betreuer: Prof. Dr. André Habisch) tellt auf Basis der Visionen des Impact Investing deshalb die Frage, warum viele Impact Investoren, auch wenn sie die Relevanz einer Änderung ihrer Investmentbewertung erkennen, die Wirkungsorientierung nur limitiert in ihre Ansätze integrieren. Mit einer speziellen Methode zur Wirkungsbewertung könnte langfristig nicht nur die angestrebte Rendite, sondern auch der soziale/ökologische Wirkungsgrad zwischen verschiedenen Investments verglichen werden. Die Arbeit untersucht vor diesem Hintergrund und anknüpfend an den aktuellen Forschungsstand, Möglichkeiten und Dimensionen der Wirkungsmessung und -bewertung im Impact Investing. Sowohl aus theoretischer als auch praktischer Perspektive wird evaluiert, welche Grundvoraussetzungen die Wirkungsmessung innerhalb der Investmentbewertung erfüllen muss und welche Bewertungsparameter herangezogen werden sollten.

Durch den qualitativen Forschungsansatz, die Sekundärliteratur und die Experteninterviews wird deutlich, dass die Aufstellung einer Wirkungsmessung in Abhängigkeit von der Höhe des Investments und den damit verbundenen Kapazitätsmöglichkeiten steht. Aktuell sind die Form und das Ausmaß der Integration der Wirkungskomponente in die Investmentbewertung deutscher Investoren noch sehr zögerlich. Um die genauen Stellhebel eines geeigneten Bewertungssystems ableiten zu können, setzt sich der Hauptteil der Arbeit mit verschiedenen Marktansätzen auseinander. Dabei erlaubt die interdisziplinäre Natur der Wirkungsmessung die Freiheit, verschiedene methodische Ansätze zur Bewertung heranzuziehen. Die Untersuchungen zeigen, dass Investoren in Deutschland vor allem logische Modelle sowie vereinfachte deskriptive und nur teilweise quantitative Datentechniken nutzen. Es werden Herausforderungen in der Unterschiedlichkeit der Branche, der Komplexität der Messung sowie der Vergleichbarkeit gesehen, die nicht rein durch Standardisierungen aufgehoben werden können.

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Impact Investing Markt hat, wie auch der junge literarische Diskurs zeigt, in den letzten fünf Jahren erst aktiv an Bedeutung gewonnen. Insbesondere der steigende Fokus auf das Sozialunternehmertum hat in Deutschland dazu beigetragen, dass diese neue Anlagemöglichkeit stärker in den Investmentfokus getreten ist. Aufgrund der noch jungen Forschungshistorie existiert jedoch ein großer Bedarf einer tiefer gehenden wissenschaftlichen Auseinandersetzung, nicht nur in Deutschland.

Anne Decker wurde 1989 in Attendorn geboren. Nach dem Abitur am St. Ursula Gymnasium in Attendorn studierte sie von 2008 bis 2012 BWL an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt mit einem Auslandssemester an der Stockholm School of Economics in Riga. Anschließend absolvierte sie den Masterstudiengang MARKT an der KU. Berufserfahrung sammelte sie bei der Coffee Circle/Circle Products GmbH. Ab 2016 wird sie als Investmentberaterin bei der elea Foundation for Ethics in Globalization in Zürich tätig sein.