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Preis der Eichstätter Universitätsgesellschaft e.V.
für herausragende wissenschaftliche Abschlussarbeiten

Die Eichstätter Universitätsgesellschaft e.V. fördert insbesondere wissenschaftliche Vorhaben in Forschung und Lehre,
kulturelle Veranstaltungen und die Bildungsziele der Universität.

  • Preisträger 2016

    Dr. Sami Alhasanat, Geographie

    Die Dissertation mit dem Titel „Tourism, Politics and Social Change in Petra Region, Jordan. A Community in Crisis, 1994 – 2014“ von Sami Alhasanat aus Wadi Musa/Jordanien stellt in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes dar. In der Arbeit wird wie in einem Brennglas der Aufstieg der Ruinen- und Nabatäer-Stadt Petra zur wichtigsten touristischen Attraktion Jordaniens nachgezeichnet.

  • Frühere Preisträger

Des Weiteren verfolgt der Verfasser am Beispiel der Region Wadi Musa, auf deren Territorium Petra liegt, das Ziel, der Entwicklung einer Community nachzuspüren, die sich in einer Zeit entscheidender sozio-kultureller, politischer und ökonomischer Umbrüche befindet. Von Interesse ist dabei, dass der Autor aufs Engste mit der Untersuchungsregion verwoben ist. Die vorliegende Arbeit trägt daher in einigen Teilen auto-ethnographischen Charakter.

Petra gilt als eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten im Nahen Osten. Die Erschließung für den Tourismus begann in den 1930er Jahren. Ein wichtiger Entwicklungsschub erfolgte 1968 bis 1985: Um Petra touristisch besser nutzen zu können, wurden die ansässigen Beduinen, die Petras Monumentalbauten und Höhlen als Wohnungen genutzt hatten, zum Teil zwangsweise umgesiedelt. Zwei weitere Meilensteine trugen entscheidend zum weiteren Aufstieg von Petra bei: die Aufnahme in die Liste der UNESCO Welterbestätten 1985 sowie die Ernennung zu einem der „New Seven Wonders of the World“ (N7W) 2007.

Petras zunehmende Bedeutung als internationale Tourismusdestination führte innerhalb der Community zu enormen Spannungen. Durch das rapide Wachstum des Tourismus, das mit dem sogenannten Arabischen Frühling dramatisch eingebrochen ist, stand Wadi Musa unter hohem sozio-
kulturellen, politischen und ökonomischen Druck, der von der lokalen Bevölkerung als Kontrollverlust empfunden wird und sich im Gefühl einer tiefen Krise widerspiegelt.
In Form einer „dichten Beschreibung“ und auf Basis eines methodologischen Konzepts, das sich an Victor Turners „Social Drama“ anlehnt, nähert sich der Autor dieser Krise, beschreibt ihre Symptome und Wirkungen und versucht eine profunde Analyse ihrer Ursachen und Hintergründe.

Dem Verfasser ist es auf diese Weise gelungen, ein Zeitdokument zu schaffen, das über den wissenschaftlichen Erkenntniswert ausgreifend in die Geschichte von Petra eingehen dürfte.

Wie bereits erwähnt ist die Dissertation auch insofern etwas Besonderes, als Sami Alhasanat in Wadi Musa – noch bevor die intensive touristische Erschließung der jüngsten Zeit erfolgte – geboren wurde. Als kleiner Junge konnte er als illegaler Steineverkäufer wie viele andere Kinder aus Wadi Musa den Aufstieg von Petra hautnah miterleben. Er erkannte jedoch, dass diese Tätigkeit ihn in eine Sackgasse führen würde. Trotz zahlreicher Schwierigkeiten schaffte er es, sich auf einen Lebensweg (siehe dazu den Abschnitt „auto-ethnographical prologue“ in der Dissertation) zu begeben, der ihn zum Inhaber eines touristischen Unternehmens in seinem Heimatort werden ließ, aber in ihm auch den dringenden Wunsch hat wachsen lassen, sich wissenschaftlich mit Petra zu beschäftigen.

Dieser Teil des Weges führte Sami Alhasanat im Anschluss an sein Bachelor-Studium „International Relations“ in Jordanien zu einem Master-Studium „International Tourism Management“ an die Coventry University nach England und danach an die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt zu einer externen Promotion am Lehrstuhl für Kulturgeographie bei Prof. Dr. Hans Hopfinger.

Während der Promotionszeit wurde der Verfasser von den in Petra/Wadi Musa ansässigen Stämmen auserkoren, ins Rennen um einen der Sitze im jordanischen Parlament geschickt zu werden. Alhasanats Kandidatur war erfolgreich: 2010 bis 2012 vertrat er seine Heimatregion im Parlament.