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Preis der Sparkasse Eichstätt


Preisträgerin 2014

Luisa Rauenbusch

Um einander zu achten, muss man sich erst kennenlernen – diese Maxime formulierte einst Pierre de Coubertin, der Gründer der modernen Olympischen Spiele. Doch so wichtig dem Franzosen völkerverbindende Werte waren, die Gleichberechtigung der Geschlechter war ihm ein Dorn im Auge. Er wollte Frauen grundsätzlich von Olympischen Spielen ausschließen. Coubertins Hoffnung hat sich am Ende nicht erfüllt – glücklicherweise. Doch auch wenn heute im Hinblick auf die sportliche Teilnahme von einer Gleichberechtigung der Geschlechter gesprochen werden kann, so greift die Sportberichterstattung oftmals auf stereotype Muster zurück. Wie und in welchem Umfang sie das tut, damit hat sich Luisa Rauenbusch in ihrer Bachelorarbeit beschäftigt.

Luisa Rauenbusch wurde 1993 in Hersbruck geboren. Schon während ihrer Schulzeit am dortigen Paul-Pfinzing Gymnasium sammelte sie erste journalistische Erfahrungen und wirkte unter anderem in einer Jugendsendung des Bayerischen Rundfunks mit. Nach dem Abitur hospitierte sie acht Wochen bei der „Pegnitz-Zeitung“ in Lauf. Von 2011 bis 2014 hat sie Journalistik an der KU studiert und das Studium mit dem Bachelor abgeschlossen.

Während ihres Journalistik-Studiums in Eichstätt leitete sie zeitweise die Redaktion des Studentenradios „Pegasus“. Im Sommersemester 2013 nahm sie gemeinsam mit Kommilitonen am Austauschradio-Projekt von BR-Klassik teil und produzierte in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk zwei Sendungen. Weitere Erfahrungen sammelte sie während eines Praktikums beim ZDF in der Redaktion Wissen sowie im Programm Bayern2- Radio. Vom Bayerischen Rundfunk ging es im Oktober 2014 schließlich zu einem Praktikum bei Antenne Bayern.

Das fünfte Semester verbrachte Luisa Rauenbusch im schweizerischen Fribourg. Dort entstand die erste Idee zu ihrer Bachelorarbeit. Sie belegte unter anderem zwei Kurse, die sich mit „Stereotypen in den Massenmedien“ und mit „Sport und Medien“ beschäftigten. In ihrer Bachelorarbeit wollte Luisa Rauenbusch diese beiden Felder kombinieren.

Die Bachelorarbeit über „Rodel- Rakete“ und „Ski-Königin“ beschäftigt sich mit der Darstellung von Sportlerinnen und Sportlern in der Printberichterstattung zu den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi. Im Mittelpunkt stand die Frage, inwieweit Merkmals- und Eigenschaftszuschreibungen mit stereotypen Vorstellungen der Geschlechter übereinstimmen. Mit Hilfe einer quantitativen Inhaltsanalyse von 150 Artikeln wurden die beiden überregionalen Tageszeitungen „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) und „Bild“ untersucht und verglichen.

Folgende zentrale Erkenntnisse können aus der Studie gewonnen werden: Frauen sind in der Sportberichterstattung nicht gravierend unterrepräsentiert. Rund 41 Prozent der 659 untersuchten Athleten sind weiblich. Was private Hintergründe der Akteure angeht, stützt die Boulevardzeitung Geschlechterstereotype eher als die SZ. Anders bei der sportlichen Leistung: Hier bricht die „Bild“ mit geschlechtstypischen Rollenbildern und bringt Erfolge eher in Zusammenhang mit Sportlerinnen. Sie bilden das „starke Geschlecht“. Das Aussehen hingegen thematisiert „Bild“ bei 77,8 Prozent der Sportlerinnen, aber nur bei der Hälfte aller Sportler.

Hinsichtlich der geschlechterstereotypen Eigenschaften der Hauptakteure widerlegt „Bild“ eher Klischees als die SZ. Betrachtet man jedoch die gesamten Artikel und nicht nur die Hauptakteure, wird deutlich, dass „Bild“ insgesamt und insbesondere bei Sportlerinnen häufiger Geschlechterstereotype aufgreift und diese seltener hinterfragt als die SZ. Frauen werden außerdem vor allem in der „Bild“ persönlicher und häufiger mit Vornamen angesprochen.

Diese differenzierten Ergebnisse machen am Ende auch eines deutlich: Gerechtigkeit ist kein Wert, der pauschal untersucht bzw. beantwortet werden kann. Insgesamt bleibt die Geschlechterforschung im Sportbereich nach wie vor ein spannendes Forschungsfeld. Sport bietet vielfältige Möglichkeiten bestehende Stereotype zu entkräften, wozu auch die Massenmedien aktiv beitragen können.