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Preise

Seit 1992 vergibt die Maximilian-Bickhoff-Universitätsstiftung am jährlichen Dies Academicus der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt Preise für hervorragende Studienabschlüsse, um besonderen Leistungen im Studium sichtbare Anerkennung zu gewähren und zu weiteren Anstrengungen in Wissenschaft und Beruf zu ermutigen.


In diesem Jahr ging der Preis an

     Frau Maria Selmaier, Romanistik

 

In ihrer Masterarbeit „entre deux – Zwischen Erzählern, Geschlechtern und Kulturen. Tahar Ben Jellouns Romane L’enfant de sable und La nuit sacrée“ behandelt Maria Selmaier zwei im späten 20. Jahrhundert erschienene Werke des 1944 in Fes (Marokko) geborenen und seit 1971 in Paris lebenden Autors Tahar Ben Jelloun. Er gilt als bedeutendster Vertreter der französischsprachigen Literatur aus dem Maghreb.

Tahar Ben Jellouns allein schon in seiner Biographie manifest werdende Zwischenstellung zwischen zwei Kulturkreisen lässt ihn, wie so viele maghrebinische Autoren französischer Sprache, durch sein Schreiben in der Sprache des ehemaligen Kolonisators zu einem Grenzgänger zwischen den Kulturen werden, was ihn förmlich zwingt, sich mit den Problemen und Konflikten des Kontakts der Kulturen auseinanderzusetzen. Dies äußert sich in den beiden für diese Arbeit ausgewählten Werken durch eine Vielzahl von identitären, kulturellen, gesellschaftlichen, literarischen und ästhetischen Fragestellungen und Problematisierungen.

Auch wenn L’enfant de sable (1985, deutsch: Sohn ihres Vaters) und La nuit sacrée (1987, deutsch: Die Nacht der Unschuld) als voneinander unabhängige Romane erschienen sind, können sie wegen ihrer zahlreichen inhaltlichen, bildlichen und motivischen Verbindungen als semantische Einheit gelesen werden. Wie bei einem Diptychon, einem zweigeteilten Gemälde, das durch Scharniere verbunden ist, können beide Teile zwar isoliert voneinander betrachtet werden, gewinnen jedoch durch die Einbeziehung des jeweils anderen zusätzliche Facetten hinzu.

Leitendes Konzept der Untersuchung der beiden Romane durch Maria Selmaier ist, wie der Titel ihrer Masterarbeit bereits ankündigt, das entre-deux, die Zwischenposition, welche die Texte selbst in vielerlei Hinsicht einnehmen. So befassen sich beide Texte mit der Frage von Oralität und Literalität, den Modalisierungen des Erzählens und des Erzählten, den komplexen Problemen der Geschlechtlichkeit im doppelten Wortsinn sowie der Funktion der Intertextualität. Alle vier Ansatzpunkte zeugen zugleich von einem umfassenden Dialog der Kulturen, der nicht nur die Biographie des im französischen Exil lebenden Autors prägt, sondern, wie der abschließende Teil der Arbeit zeigt, die Literatur selbst zu einem Zwischen-Raum und einem „dritten Ort“ werden lässt.

Betreut wurde Selmaiers Masterarbeit von Prof. Dr. Barbara Kuhn am Lehrstuhl für Romanische Literaturwissenschaft I.

Maria Selmaier wurde 1991 in Landshut geboren. Nach ihrem Abitur am Karl-Ritter-von Frisch Gymnasium in Moosburg begann sie 2010 ihr Lehramtsstudium für Gymnasium mit den Fächern Französisch und Spanisch an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Das hier angebotene Studienmodell Lehramtplus ermöglichte es Maria Selmaier, neben dem Staatsexamen auch einen Bachelor- und einen Masterabschluss zu erwerben. Während des Bachelorstudiums verbrachte sie ein Auslandssemester in Südfrankreich am Institut Catholique de Toulouse.

Neben ihrem Studium engagierte sie sich im Besuchsdienst des Eichstätter Krankenhauses und in der Flüchtlingshilfe des Malteser Hilfsdienstes. In der Bigband der Universität spielte sie Saxophon.

Erste Erfahrungen in der Lehrtätigkeit sammelte Maria Selmaier als Tutorin an den Lehrstühlen für Romanistische Literatur- und Sprachwissenschaft der Katholischen Universität. Im Frühjahr dieses Jahres begann sie ihr Referendariat am Emil-von-Behring Gymnasium in Spardorf. Aktuell ist die Preisträgerin als Referendarin am Clavius-Gymnasium in Bamberg tätig.