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20.01.20

Archäologen der KU forschen in Jordanien

Neue Erkenntnisse zur Herstellungstechnik von Bronzestatuen verspricht ein Grabungsprojekt von Archäologen der KU in der antiken Metropole Gerasa (Jordanien), das die Deutsche For­schungs­gemein­schaft (DFG) mit rund 300.000 Euro fördert. Untersucht werden soll eine römerzeitliche Werkstatt. Die Grabung ist an der Professur für Klassische Archäologie der KU (Jun.-Prof. Dr. Nadin Burkhardt) angesiedelt und steht unter der Leitung ihres Vorgängers Prof. em. Dr. Gerhard Zimmer in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Thomas Weber (Deutsch-Jordanische-Universität, Amman) sowie Prof. em. Dr. Jacques Seigne, dem langjährigen Leiter der Mission archéologique francaise de Proche Orient als Berater. Voruntersuchungen haben mit Unterstützung Gerda-Henkel-Stiftung bereits 2017 und 2018 stattgefunden, die Arbeiten sind für 2020 bis 2022 geplant.


Bei einem früheren Projekt der Professur für Archäologie mit der RWTH Aachen entstand ein experimenteller Nachguss des Motivs „Betender Knabe“, für das zuvor eine Form aus Ton angefertigt wurde. (Foto: Zimmer/Laurentius).

Bei einem früheren Projekt der Professur für Archäologie mit der RWTH Aachen entstand ein experimenteller Nachguss des Motivs „Betender Knabe“, für das zuvor eine Form aus Ton angefertigt wurde. (Foto: Zimmer/Laurentius).

Prof. Dr. Gerhard Zimmer (links) und Prof. Dr. Thomas Weber gemeinsam mit einer französischen Kollegin bei Voruntersuchungen im jordanischen Gerasa. (Foto: Zimmer)

Prof. Dr. Gerhard Zimmer (links) und Prof. Dr. Thomas Weber gemeinsam mit einer französischen Kollegin bei Voruntersuchungen im jordanischen Gerasa. (Foto: Zimmer)

Die Erforschung griechischer Bronzegusstechnik ist seit Jahren ein Schwerpunkt der Professur für Klassische Archäologie an der KU. Im Mittelpunkt standen und stehen dabei die Überreste von Werkstätten, in denen Statuen aus Bronze gegossen wurden, wie z.B. die berühmten Krieger von Riace.

„Die Statuen wurden in einem komplizierten Verfahren hergestellt: Sie wurden ganz oder in Teilen aus Wachs geformt, mit Ton ummantelt und in einer Grube ausgebrannt. Danach wurde die Form mit flüssigem Metall gefüllt und nach dem Erkalten der Formmantel zerschlagen, um den Rohguss zu gewinnen“, erklärt Professor Zimmer. Aus den Arbeitsabfällen lasse sich erkennen, wie von homerischer Zeit bis zu Alexander dem Großen das Verfahren immer weiterentwickelt und den Künstlern damit neue Möglichkeiten der Gestaltung eröffnet worden seien. Details der Technologie wurden bei einem früheren Projekt von Professor Zimmer mit dem Gießerei-Institut der RWTH Aachen beim experimentellen Nachguss des sogenannten Betenden Knaben erforscht.

„Obwohl wir auch aus römischer Zeit viele Bronzebildwerke kennen, ist es bisher nicht gelungen, eine Werkstatt dieses hochspezialisierten Handwerks zu finden. Nun haben die französischen Grabungen unter Jacques Seigne im jordanischen Gerasa auf einer Terrasse unterhalb des Jupitertempels eine riesige Werkstatt angegraben“, erläutert der Archäologe. Gruben mit Brandspuren und Bruchstücken von großen Formen sowie Fragmente von Schmelzöfen und Blasebalgdüsen stammen vom Guss einer monumentalen Götterstatue, die für den im zweiten Jahrhundert n.Chr. neu gebauten Tempel gedacht war. Nach Fundlage der Installationen war die Werkstatt in einer großen Halle untergebracht, die bei einem Erdbeben in früharabischer Zeit eingestürzt ist. Ziel der Grabung ist deshalb, die Halle freizulegen, anhand von Arbeitszeugnissen die Werkstattabläufe und die Technologie dieses wichtigen Handwerks römischer Zeit wiederzugewinnen und im Unterschied zu der früheren Technik in Griechenland zu bewerten.