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19.06.19

Geographen untersuchen Wechselspiel von Gletscherschmelze und Sedimenttransport

Der massive Rückzug von Gletschern im alpinen Raum als Folge des Klimawandels hat einen Nebeneffekt: Mit dem Gletscherschwund und zunehmender Steinschlagaktivität sammeln sich vermehrt Schutt und Geröllablagerungen an den Gletscherzungen. Diese Sedimente gelangen über Gletscherbäche in tiefere Lagen, wo sie Murabgänge oder das Verlanden von Stauseen verursachen können. Der Lehrstuhl für Physische Geographie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) untersucht im Rahmen des deutsch-österreichischen Projekts „Hidden Ice“ in den kommenden drei Jahren das Wechselspiel von Gletscherschmelze und Sedimenttransport.


Luftbild der schuttbedeckten Gletscherzunge des Jamtalferners im Silvretta (Foto: Andrea Fischer, IGF/ÖAW)

Das Verbundprojekt ist Teil des Forschungsprogramms „Earth System Sciences“ der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Es wird mit einer halben Million Euro gefördert, wobei rund 100.000 Euro auf die KU entfallen. Unter Leitung des Institutes für Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sind an dem Projekt neben der KU Forscher der Universität für Bodenkultur in Wien, der Universität Innsbruck und der Environmental Earth Observation IT GmbH aus Innsbruck beteiligt.

Klimabeobachtungen der vergangenen Jahrzehnte zeigen weltweit einen starken Temperaturanstieg. Im alpinen Raum ist dieser Anstieg annähernd doppelt so hoch als im globalen Mittel, was sich unter anderem in starken Veränderungen an den Gletschern und im Permafrost bemerkbar macht. „Im Allgemeinen sind Gebiete im Übergang von glazialen zu nicht-glazialen Bedingungen sehr instabil und anfällig für Erosion und stellen damit ausgehend von der Gletscherschmelze auch große Mengen an Sedimenten für den Transport in hochalpinen Bächen und Flüssen zur Verfügung“, erklärt Privatdozent Dr. Florian Haas, der das Eichstätter Teilprojekt gemeinsam mit Prof. Dr. Michael Becht und Privatdozent Dr. Tobias Heckmann leitet.

Der Projekttitel „Hidden.Ice“ verweist auf die Besonderheiten von Gletschern, deren Zungen schuttbedeckt sind und deshalb beispielsweise nicht so schnell abschmelzen wie Eismassen, auf denen kein Geröll liegt. Neben einer österreichweiten Kartierung von Gletschern, die aktuell oder in der Vergangenheit durch ein überproportional hohes Sedimentaufkommen gekennzeichnet waren, soll auch eine detaillierte zeitlich und räumlich hoch aufgelöste Studie zur Ablagerung und Remobilisierung von Sedimenten durch Transport in Gebirgsbächen am Jamtalferner/Silvretta Rückschlüsse darauf geben, was mit den Sedimenten geschieht.

<p">Dazu werden die Forscher unter anderem untersuchen, wieviel Geröll und Schutt potentiell über Gletscherflüsse weitertransportiert werden könnte. Außerdem analysieren sie die Korngröße der Sedimente auf der Gletscheroberfläche und im Randbereich der Gletscher. Über Drohnen und mittels Laserscanning aus dem Hubschrauber wird während der dreijährigen Projektzeit dokumentiert, wie sich das Volumen des Sediments entwickelt. Über die Rekonstruktion der Entwicklung des Gletscherbaches des Jamtalferners aus historischen Karten, Schriften und Bildern sollen diese aktuellen Daten zusätzlich abgesichert werden. Schwerpunkt der Arbeiten an der KU werden die Drohnenaufnahmen und die 3D-Laserscanning-Aufnahmen mit dem Helikopter sowie deren Auswertung und Analyse sein.

Foto: Das Forscherteam der KU mit PD Dr. Florian Haas, Prof. Dr. Michael Becht und PD Dr. Tobias Heckmann (v.l.)