Sie befinden sich hier: KU.de  Forschung

03.12.18

Menschen im automatisierten Straßenverkehr: Bedarf und Akzeptanz neuer Mobilität

Die gesellschaftliche Akzeptanz von automatisierten Fahrzeugen ist einer der zentralen Aspekte des Forschungsprojekts „SAVe - Funktions- und Verkehrssicherheit im Automatisierten und Vernetzen Fahren“, an dem der Lehrstuhl für Dienstleistungsmanagement (Prof. Dr. Jens Hogreve) und der Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie (Prof. Dr. Marco Steinhauser) der KU derzeit beteiligt sind. Zu den weiteren Projektpartnern von SAVe gehört neben verschiedenen Ingenieurdienstleistern auch die Stadt Ingolstadt; die Leitung des Gesamtprojektes obliegt der AUDI AG. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur fördert das Konsortium über zwei Jahre mit rund vier Millionen Euro, davon knapp 310.000 Euro für das Teilprojekt „Gesellschaftliche Aspekte“, an dem neben der KU auch die Technische Hochschule Ingolstadt beteiligt ist.


Colourbox.de

Bei einem ersten Treffen in Kooperation mit dem Bürgerhaus Ingolstadt wurden speziell mit Seniorinnen und Senioren Fragen des automatisier-ten Fahrens thematisiert. Im Makerspace des Digitalen Gründerzentrums Ingolstadt demonstrierte ihnen dabei Audi-Doktorand Christoph Stadler mit einer Simulation das Verhalten autonomer Fahrzeuge. (Foto: Merkl/Bürgerhaus Ingolstadt)

Anhand digitalisierter Streckenabschnitte aus dem Ingolstädter Stadtgebiet wollen die technischen Partner von SAVe das vielschichtige urbane Umfeld abbilden, um im virtuellen Modell automatisierte Fahrfunktionen erproben und weiterentwickeln zu können. Darin einfließen werden auch die Ansprüche von potenziellen Nutzern sowie die Perspektiven anderer Verkehrsteilnehmer, die etwa als Fußgänger automatisiert fahrenden Fahrzeugen im Straßenverkehr begegnen: „Beispielsweise braucht es durch den Wegfall des Sichtkontakts zu einem Fahrer andere Konzepte für die Kommunikation zwischen den Verkehrsteilnehmern, die Sicherheit geben, dass man die Straße unbeschadet überqueren kann“, erläutert Psychologie-Professor Marco Steinhauser. Im Lauf des Projektes sollen Bürgerinnen und Bürger daher mit Hilfe von Virtual Reality Anwendungen selbst die Möglichkeit erhalten, sich auch aus Perspektive eines Fußgängers im virtuellen Straßenbild Ingolstadts zu bewegen.

Die Projektmitglieder der KU wollen darüber hinaus auch die Akzeptanz bei Nutzern automatisierter Fahrzeuge im Simulator untersuchen: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen dabei erfahren können, wie es sich anfühlt, wenn das Auto eigenständig bremst und beschleunigt, die Spur wechselt oder im dichten Stadtverkehr von allein sein Ziel sucht. „Es gilt, den Nutzern ein Wissen über die Systeme zu vermitteln, damit sie deren Verhalten nachvollziehen und Vertrauen darin gewinnen können – als Grundlage für die Akzeptanz automatisierten Fahrens“, ergänzt Prof. Dr. Steinhauser. Dabei geht es nicht nur um das subjektive Komfortempfinden, sondern etwa auch um die Frage, wie sehr sich die Passagiere während der Fahrt anderen Aktivitäten widmen können und wie man zum Beispiel die hierbei auftretende Bewegungsübelkeit verringern kann.

In solche Simulationen einfließen werden auch laufend die Erkenntnisse aus Interviews und moderierten Gruppendiskussionen, die sich auf die Analyse des Mobilitätsbedarfs und die generelle Haltung von Bürgerinnen und Bürgern konzentrieren: „Automatisiertes Fahren soll kein Selbstzweck sein, sondern einen zusätzlichen Nutzen für die Menschen bieten. Deshalb ist es wichtig, die Zivilgesellschaft an Entscheidungen und Prozessen in der Gestaltung innovativer Mobilitätsdienstleistungen einzubeziehen“, betont Prof. Dr. Jens Hogreve. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Lehrstuhls für Dienstleistungsmanagement haben in Kooperation mit dem Ingolstädter Bürgerhaus im November bereits erste Diskussionsrunden im Rahmen des Projekts veranstaltet: Mit Seniorinnen und Senioren wurde thematisiert, welchen Beitrag automatisiertes Fahren für den Alltag leisten könnte. Auch Bedenken und Vorbehalte aus dem Teilnehmerkreis wurden diskutiert. Als großer Vorteil wurde unter anderem genannt, dass mit automatisierten Fahrzeugen auch ältere Menschen länger mobil bleiben können. Was das Vertrauen in die Technik betrifft, waren sich die Teilnehmer uneinig: während manche sich blind auf ein automatisiertes Fahrzeug verlassen würden, würden sich andere trotz vollautomatisierter Fahrfunktionen jederzeit eine Möglichkeit zum Eingreifen bzw. zum eigenhändigen Steuern wünschen. Die Teilnehmer hatten im Rahmen der Termine auch die Gelegenheit, automatisierte Fahrfunktionen im Simulator zu erleben. Das Feedback zu den beiden Veranstaltungen war durchweg positiv – einige Teilnehmer ließen sich bereits für die nächste Studie vormerken.

Weitere Informationen zum Projekt unter www.save-in.de