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Konflikt und Memoria

Lateinamerika bietet seit der Unterwerfung indigener Völker und der Implementierung von Zwangsarbeit durch spanische und portugiesische Kolonialherren reiches Anschauungsmaterial für die Erforschung der Dynamiken von gewaltsamen Konflikten und Postkonflikten sowie Prozessen des Friedens und der Versöhnung.  Im 19. Jahrhundert begleiteten Bürgerkriege und Grenzkonflikte, ebenso wie die Aushandlung von friedensbildenden Maßnahmen die Herausbildung von politischen Nationen. Im 20. Jahrhundert wurde der Teilkontinent durch Revolutionen, Guerrillakämpfe, Drogenkriege und vor allem durch zahlreiche Militärdiktaturen erschüttert, deren Aufarbeitung erst in den letzten Jahren begonnen hat. Im Gegensatz zu hegemonialen Gedächtnisdiskursen strebt das Konzept der memoria eine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und deren Bedeutung für die Gegenwart an. Dabei geht es zum einen darum, traumatische Erfahrungen aufzuarbeiten, wie es etwa in den offiziellen und nicht-gerichtlichen Wahrheitskommissionen geschieht, die Details, Ursachen und Folgen der gewaltsamen Verletzung von Menschenrechten aufbereiten oder in literarischen  Zeugenberichten (testimonios), die in Lateinamerika das gesamte Medienspektrum durchdringen. Über die Auseinandersetzung mit einer konfliktgeladenen Vergangenheit hinaus umfasst memoria im Sinne eines kulturellen Gedächtnisses symbolische Ordnungen, Institutionen und Praktiken, in denen soziale Gruppen sich auf eine gemeinsame Vergangenheit einschließlich ein geteiltes kulturelles Erbe beziehen. Dass sich diese geteilte Vergangenheit aufgrund der historischen, ethnischen und kulturellen Vielfalt der lateinamerikanischen Gesellschaften nicht auf einen gemeinsamen Ursprung zurückführen lässt, sorgt für beständige Neuaushandlungen des kulturellen und historischen Gedächtnisses, die in Auseinandersetzungen zwischen Regierungen, indigenen Bevölkerungsgruppen und sozialen Bewegungen immer wieder eine Rolle spielen. 

Beteiligte Disziplinen

Ge­schich­te:

Thomas Fischer, Johanna Umbach

Literatur-, Film- und Kulturwissenschaften:

Miriam Lay Brander, Roswitha Kramer, Sergej Gordon

Humangeographie:

Gerhard Rainer