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Internat. Forschungskolloquium: "Cicero ethicus - De finibus bonorum et malorum und die Tusculanae disputationes im Vergleich"

Programm

 

Cicero ethicus

De finibus bonorum et malorum und die Tusculanae disputationes im Vergleich

Internationales Forschungskolloquium

27.–28. Januar 2017

Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

 

Veranstaltet von

Fosca Mariani Zini (Lille)

Gernot Michael Müller (Eichstätt)

Jörn Müller (Würzburg)

 

 

Abstract

 

Ethische Fragestellungen nehmen im philosophischen Œuvre Ciceros einen zentralen Platz ein. Entgegen diesem Befund konzentriert sich die Cicero-Forschung in der Regel auf die isolierte Analyse einzelner Werke. Werkübergreifende Zugänge zum ethischen Denken des römischen Staatsmannes und Philosophen stellen demgegenüber weiterhin die Ausnahme dar.

 

Hier setzt das internationale Forschungskolloquium an. Anhand eines Vergleichs der in unmittelbarer zeitlicher Folge im Jahr 44 v. Chr. entstandenen ethischen Schriften De finibus bonorum et malorum und Tusculanae disputationes möchte es in neun aufeinander abgestimmten Vorträgen exemplarisch ausloten, welcher Gewinn aus einem solchen komparatistischen Ansatz für das Verständnis der Einzelwerke, aber auch der ciceronianischen Ethik insgesamt gezogen werden kann. Die beiden genannten Werke erweisen sich hierfür auch deshalb als besonders geeignet, weil sie sich jenseits ihrer gemeinsamen ethischen Ausrichtung in Form, Inhalt und Absicht durchaus signifikant voneinander unterscheiden. So inszeniert De finibus in fünf Büchern drei Gespräche zwischen Cicero und verschiedenen philosophisch interessierten Vertretern der römischen Oberschicht, in denen jener die Überzeugungskraft der wichtigsten hellenistischen Philosophenschulen hinsichtlich der Lehre vom höchsten Gut auslotet. In den Tusculanae disputationes präsentiert sich Cicero sodann als praktizierender Philosoph, der in einer seiner Meinung nach an die Gesprächskunst des Sokrates anschließenden Diskussion mit einem anonymen Dialogpartner danach fragt, inwieweit die Philosophie in der Lage ist, den Menschen vor existentiellen Ängsten bis hin zur Furcht vor dem Tod zu befreien. Zwar spielt auch hier die Exegese der einschlägigen Positionen der griechischen Philosophie eine bedeutende Rolle, diese ist aber gänzlich auf das therapeutische und damit letztlich praktische Ziel der Schrift ausgerichtet.

 

Neben der Organisatorin und den beiden Organisatoren wird das Kolloquium mit Clara Auvray Assayas (Rouen), Christopher Gill (Exeter), George Karamanolis (Wien), Sabine Luciani (Aix-en-Provence), François Prost (Paris IV La Sorbonne) und Jula Wildberger (The American University of Paris) von international ausgewiesenen Fachleuten für Ciceros philosophische Schriften wie für die Geschichte der Philosophie in Rom insgesamt getragen. Seinem Forschungscharakter entsprechend wird nach jedem Vortrag ausgiebig Zeit zur Diskussion der dargelegten Thesen vorhanden sein. Interessierte können als Hörerinnen und Hörer ohne vorherige Anmeldung an der Veranstaltung teilnehmen.

 

Das Forschungskolloquium steht im Zusammenhang mit der Vorbereitung einer kooperativen Neukommentierung der Tusculanae disputationes durch die Organisatorin und die beiden Organisatoren, welche mit dem bislang noch nie wissenschaftlich kommentierten fünften Buch beginnen soll. Im Rahmen der von PROFOR der KU Eichstätt-Ingolstadt und dem Bayerisch-Französischen Hochschulzentrum/Centre de Coopération Universitaire Franco-Bavarois geförderten Vorarbeiten haben bislang zwei Workshops mit unterschiedlicher personeller Besetzung stattgefunden, einer von 3.–5. Dezember 2015 in Eichstätt und ein weiterer von 3.–5. März 2016 an der American Univerity of Paris. Der Unterschied zu jenen beiden Veranstaltungen besteht darin, dass diese der Ausarbeitung des geplanten Kommentardesigns gedient haben, während das Forschungskolloquium, mit dem die Vorbereitungsphase des Projekts abgeschlossen werden soll, nun eine inhaltliche Fragestellung verfolgen wird. Es fasst die vergangenen Arbeitstreffen aber insofern zusammen, als es auf Fragen aufbaut, die sich aus den in jenen geführten Diskussionen ergeben haben; daneben wird die erneute Thematisierung der Tusculanae disputationes Gelegenheit geben, den Blick für die zu kommentierenden Aspekte abschließend nochmals zu schärfen. Die Ergebnisse des Forschungskolloquiums sollen im Anschluss an dieses in einer Publikation der wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Gernot Michael Müller

 

 

Datum: Freitag, 27.01.17  - Samstag, 28.01.17
Uhrzeit: 09:00 -  13:00
Veranstalter: Université Charles de Gaulle Lille III, Julius-Maximilians-Universität Würzburg und KU 
Ort: Raum UA 141, Gebäude Universitätsbibliothek, Universitätsallee 1, Eichstätt