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Die letzten Tage von Heinrich Himmler. Neue Dokumente aus dem Archiv des Föderalen Sicherheitsdienstes.

Vorgelegt und eingeleitet von Boris Chavkin und A.M. Kalganov

Vorwort

Historiker, die den Lebensweg Heinrich Himmlers erforschten, bedienten sich bisher hauptsächlich westlicher Archivquellen. Die russischen Quellen über den Reichsführer SS waren, mit Ausnahme der Materialien des Nürnberger Prozesses,[1] Wissenschaftlern bisher unzugänglich.

Hiermit wird ein erster Versuch unternommen, die Basis der Quellen zu Himmler durch Veröffentlichung von Dokumenten aus dem Zentralarchiv des Föderalen Sicherheitsdienstes (im weiteren: ZA FSB) Rußlands zu erweitern.

Materialien, die die sowjetische Gegenaufklärung "SMERÅ " (smert†˜ Å¡pionam, Tod den Spionen) des Volkskommissariats für Verteidigung der UdSSR bei der Fahndung nach Naziverbrechern zusammentrug, sind über die Archivakten verschiedener Bestände des FSB-Zentralarchivs verstreut. Die Sammlung entstand 1945-1946 und war zur Dokumentierung der nationalsozialistischen Verbrechen bestimmt. Die Quellen über Himmler landeten schließlich hauptsächlich in der GUKR, der Hauptverwaltung der Gegenaufklärung "SMERÅ ".

Die Offiziere der sowjetischen Spionageabwehr tauschten Informationen über die deutschen Kriegsverbrecher mit ihren britischen und amerikanischen Kollegen aus: Die nachstehenden veröffentlichten Dokumente sind zum Teil englischer Herkunft.

Wegen der Spezifik der Arbeit der staatlichen Sicherheitsorgane waren die Quellen, die in den Beständen des ZA FSB aufbewahrt wurden, wenig bekannt. Erst Mitte der neunziger Jahre, mit der Aufhebung ihrer Geheimhaltung, begann man mit ihrer wissenschaftlichen Nutzung.[2]

Die hier publizierten Dokumente handeln von Himmlers letzten Lebenstagen, den Umständen, unter denen er am 21. Mai 1945 festgehalten wurde, und von seinem Selbstmord.

Himmler suchte früher als die anderen Naziführer, nach Mitteln und Wegen, um nach Hitler den eigenen politischen Einfluß zu erhalten: Er strebte einen Frieden mit den westlichen Alliierten und die Fortsetzung des Krieges im Osten an. Doch es gelang ihm nicht, seine Manöver geheimzuhalten. In den letzten Tagen des Dritten Reiches erfuhr Hitler von Himmlers Verhandlungen mit dem schwedischen Diplomaten Graf F. Bernadotte, der sich bereit erklärt hatte, beim Abschluß eines Separatfriedens zwischen den westlichen Alliierten und Deutschland zu vermitteln.

Himmlers Versuche, einen Separatfrieden abzuschließen, schlugen fehl, aber er versuchte weiter, einen eigenen Spielraum auszubauen. Anfang 1945 hatte er befohlen, die Massenvernichtung der Juden zum Teil einzustellen und die Juden als Arbeitskräfte einzusetzen. Plötzlich demonstrierte Himmler "Nachsicht" gegenüber den angeblichen "Feinden der arischen Rasse". Er nahm sogar Verhandlungen mit Vertretern einer Reihe von internationalen Organisationen auf, die anboten, mehrere Zehntausende ungarischer Juden freizukaufen.

Am 28. April berichtete die Nachrichtenagentur Reuter über die Verhandlungen, die Himmler hinter Hitlers Rücken führte. In seiner Wut schloß Hitler den Verräter aus der Partei aus und setzte ihn von allen Posten ab. Nach den mißglückten Unterredungen mit Bernadotte und der Weigerung der Alliierten, sich auf Himmlers Kalkül einzulassen, begriff er, daß er nicht in den Bunker zurückkehren konnte. Deshalb begab er sich kurz entschlossen nach Flensburg zu Großadmiral Dönitz.

Aber Dönitz paßte die odiöse Figur Himmlers in der neuen Regierung offensichtlich nicht. Himmlers letzte Hoffnung war dahin. Er legte Zivilkleidung an, band sich ein Auge zu und begab sich auf eine Wanderung quer durch Norddeutschland. So verbrachte Himmler über zwei Wochen. Er hatte falsche Papiere, u.a. den Wehrdienstausweis des von der Gestapo hingerichteten Feldwebels Heinrich Hitzinger,[3] der Himmler ähnlich sah. Begleitet wurde der SS-Chef von seinen Adjutanten Macher und Grothmann. Für den "äußersten Fall" hatte Himmler eine Ampulle mit Zyankali bei sich.

Am Morgen des 21. Mai 1945 versahen eine britische Streife und zwei sowjetische Soldaten - Vasilij Gubarev[4] aus dem Gebiet Rjazan' und Ivan Sidorov[5] aus dem Gebiet Saratov - den Dienst auf einer Straße, die von Meinstadt[6] aus führte. Um 19 Uhr gingen die Engländer Kaffee trinken, während die sowjetischen Soldaten beschlossen, einen weiteren Rundgang zu machen, und dabei drei verdächtige Deutsche festhielten, die sie dann ins Dorf führten und den Engländern übergaben.

Zwei Tage lang wurden die Festgehaltenen von niemandem behelligt. Am 23. Mai schließlich sagte einer der Deutschen, er sei Heinrich Himmler. Himmler bestand darauf, einem Offizier des britischen Sicherheitsdienstes vorgeführt zu werden. Der britische Major, vor dem der Festgenommene dann stand, hatte die sogenannte Suchkarte über Himmler, worin biographische Angaben, besondere Merkmale und selbst die Nummer des Parteibuches und des SS-Mitgliedsausweises standen. Alle Angaben stimmten mit den Aussagen des Gefangenen überein.

Nun bestand kein Zweifel mehr daran, daß es sich hier um Heinrich Himmler handelte. Der ehemalige Reichsführer SS wurde zur Verwaltung der Gegenaufklärung der 2. britischen Armee in Lüneburg zu einem neuen Verhör gefahren. In Lüneburg zerdrückte Himmler bei einer Leibesvisitation in Anwesenheit von Oberst Murphy von der britischen Gegenaufklärung eine Ampulle mit Zyankali zwischen den Zähnen und fiel auf den Boden. Eine halbe Minute später waren seine Augen glasig.

In die nachstehende Dokumentation wurden auch ins Russische übersetzte ausländische Quellen aufgenommen, weil sie in dieser Form als Quellen existieren, mit denen die sowjetischen Sicherheitsorgane arbeiteten.

In Fällen, in denen die in der russischen Übersetzung vorkommenden Ungenauigkeiten das richtige Verstehen erschweren, werden in den Fußnoten Präzisierungen angeführt.

In den russischsprachigen Dokumenten sind die Besonderheiten von Stil und Schreibweise der Originale beibehalten, desgleichen die Form und die Gestaltung der Dokumente: So sind darin z.B. die Familiennamen und einzelne Sätze in Majuskeln geschrieben.

Die zitierten Dokumente sind durchnumeriert:

Die Dokumente 1 und 2 umfassen das deutsche Original eines Schreibens Martin Bormanns und des Chefs des Generalstabs des Oberkommandos des Heeres Hans Krebs[7] an den General der Panzertruppen Walter Wenck[8] vom 29. April 1945 und zwei ihm beigefügte Mitteilungen der Korrespondenzbüros der Presseagentur Reuter in New York und San Francisco.

Das Dokument Nr. 3 ist ein Auszug aus den eigenhändig niedergeschriebenen Aussagen des Chefs von Hitlers Leibwache SS-Gruppenführer Johann Rattenhuber über Himmler, die er am 20. Mai 1945 in Moskau machte. Die von Rattenhuber mit dem Bleistift geschriebene Aussage befindet sich in seinen Untersuchungsakten.

Die Dokumente Nrn. 4 - 12 sind "Unterlagen zur Festnahme Himmlers", die an die Hauptverwaltung Gegenaufklärung "SMERÅ " aus der Verwaltung des Bevollmächtigten des Rates der Volkskommissare der UdSSR für Repatriierung übersandt wurden. Angeführt werden alle Dokumente der "Akte". Englische Originale der Dokumente Nr. 5 und Nr. 9 liegen im Material von "SMERÅ " nicht vor.

Das Dokument Nr. 13 ist ein vom 14. August 1945 datierter Brief des Bevollmächtigten des Rates der Volkskommissare der UdSSR für Repatriierung Generaloberst F.I. Golikov[9] an den Leiter der Hauptverwaltung "SMERÅ ", Generaloberst V.S. Abakumov. Der Brief gehört nicht zu den "Unterlagen zur Festnahme Himmlers". Das Dokument zeigt die Resolution Abakumovs: "Gen. KartaÅ¡ov.[10] Bitte bei mir vorbeikommen. 15/VIII" [1945] und KartaÅ¡ovs Weisung an seinen Mitarbeiter: "An Gen. Jesenin. Unsere Soldaten finden,[11] Erfüllung melden. 31/VIII" [1945]. Nach der Ankunft Sidorovs und Gubarevs in der UdSSR wurden sie wieder zu den Umständen von Himmlers Festnahme vernommen, diesmal in der militärischen

Gegenaufklärung "SMERÅ ". Die Protokolle des Verhörs von Gubarev vom 12. November und des Verhörs von Sidorov vom 15. November 1945 liegen in den Materialien von "SMERÅ " vor. Da diese Aussagen mit denen übereinstimmen, die sie früher den Mitarbeitern des Apparats des Bevollmächtigten des Rates der Volkskommissare der UdSSR für Repatriierung gegenüber gemacht hatten, werden sie in der vorliegenden Publikation nicht angeführt.

Die Dokumente Nr. 14 und Nr. 15 sind Urkunden über die Umstände von Himmlers Tod, die den sowjetischen Gegenaufklärern von ihren britischen Kollegen übergeben wurden. Die Originale beider Dokumente, die in englischer Sprache und maschinegeschrieben sind, weisen einen achteckigen Stempel mit den Worten "Hauptverwaltung Aufklärung. 25. Mai 1945. Stab der 2. Armee" auf.[12]

Das Dokument Nr. 16 ist eine in der TASS-Dokumentation zur Fahndung nach den höchsten Leitern Hitlerdeutschlands erhalten gebliebene Mitteilung über Himmlers Festnahme und Tod.

Der wissenschaftliche Apparat wurde von den Autoren der Einführung zusammengestellt.

 

A.M. Kalganov, wissenschaftlicher Mitarbeiter des ZA FSB Rußlands;

B.L. Chavkin, Kandidat der historischen Wissenschaften, Abteilungsleiter der Zeitschrift Novaja i novejšaja istorija

Nr. 1

 

 Nr. 2

 

 

Den 28.4.1945

San Francisco (Reuter)

Von Paul Scott Rankin, Sonderberichterstatter in San Francisco.

 

Himmler richtete an Großbritannien und die Vereinigten Staaten ein Schreiben, worin es heißt, Hitler liege im Sterben und werde die Erklärung der bedingungslosen Kapitulation höchstens um 48 Stunden überleben.

Das wurde mir heute von offiziellen Teilnehmern der Konferenz in San Francisco mitgeteilt, die bestätigten, daß Himmler um den Friedensschluß gebeten habe, und hinzufügten, dieses Angebot sei über die Kanäle in Stockholm gekommen.

Amtliche Kreise erklärten, Molotov, Stettinius und Eden seien sofort davon in Kenntnis gesetzt worden.

Die Antwort der Alliierten auf Himmlers Angebot wird hier in dem Sinne ausgelegt, daß die Alliierten es in Betracht ziehen würden, falls es sich auch auf Rußland erstrecke, und daß die Rede von der bedingungslosen Kapitulation sei.

Ferner wurde hier erläutert, Himmler meine mit seinen Worten von Hitlers nahem Tod, dieser sei zur Zeit sehr krank, und die Nachricht von der Kapitulation werde für ihn ein dermaßen starker Schock sein, daß sie seinen Tod zur Folge haben werde.

Es ist anzunehmen, daß die Nachricht von Hitlers Tod bei der heutigen moralischen Verfassung in Deutschland zur Massenkapitulation und zur Einstellung der Kampfhandlungen in Europa führen würde.

Hier wird die Mitteilung verbreitet, man habe Himmler eine Frist bis Dienstag gewährt, um sich Großbritannien, den USA und Rußland bedingungslos zu ergeben.

 

New York (Reuter).

NBC-Korrespondent Morgan Beatty erklärte in seiner Rundfunkansprache aus Washington, Großbritannien und die USA hätten Deutschland die Frist bis Dienstag Nacht gegeben, um auf ihre Botschaft zu antworten, der zufolge Deutschlands Angebot der bedingungslosen Kapitulation unter der Bedingung angenommen werden könne, daß er sich auch auf Rußland erstrecke.

 

 

 

Nr. 3

 

 

Aus eigenhändigen Zeugnissen Johann Rattenhubers vom 20. Mai 1945, Moskau

 

Auf Himmler setzte Hitler unbedingtes Vertrauen. Wiederholt äußerte er sich hierüber in diesem Sinne. Ganz besonders fand die Schaffung der Waffen-SS und des SD seine Anerkennung. Fast nie sprach er über die Gestapo. Wohl am meisten von allen Ministern und Mitarbeitern war Himmler Hitlers beständiger Gast, wobei sie stundenlang beisammensaßen. Seinen Reden über deutsches Volkstum und Aussiedlungsfragen hörte er aufmerksam zu und pflichtete ihm stets bei. [...] Von 1940 ab war Himmlers Stabsquartier stets in nächster Nähe des Hauptquartiers. Hierher holte sich Himmler die Offiziere des Hauptquartiers, sowie Offiziere und Soldaten, die hohe Kriegsauszeichnungen erhalten hatten, zu sich zu Gast. Nach Aufstellung der Volksgrenadierdivisionen, die Himmler zugeteilt wurden, und seiner Ernennung zum Befehlshaber des Ersatzheeres war er fast täglich bei Hitler. Dies [dauerte] bis zum Februar - März 1944. Infolge des Mißerfolges der Gruppe Steiner[13] in Pommern, des Mißerfolges der Armee Dietrich[14] in Österreich trat ein großer Riß in den Beziehungen zwischen Hitler und Himmler ein. Die Divisionen dieser Armee mußten ihre Ärmelbänder ("Adolf Hitler", "Hitlerjugend"[15] usw.) ablegen.

Himmler mußte diesen Befehl persönlich überbringen. Die zum Schutz von Berlin befohlene SS-Gruppe Steiner traf nicht an. Himmler erschien ab Mitte April überhaupt nicht mehr bei Hitler. Das letzte, was wir von ihm hörten, war das Friedensangebot an England und Amerika mit Deutschland, was Hitler zutiefst getroffen  [hat].

In der Bevölkerung war Himmler nicht beliebt, sondern gefürchtet. Die Gestapo und Konzentrationslager, für die Himmler verantwortlich war, erregten allgemeine Furcht. Himmler wußte dies und machte sich keine Gedanken darüber. Der Führer sprach ihn mehrmals darauf an, doch Himmler antwortete immer wieder, daß dies nach dem Krieg besser würde. Die Parteiführer hatten berechtigte Angst vor ihm. Er kannte ihr Leben und ihre Taten, so daß sie in der ständigen Sorge lebten, er würde dem Führer hierüber Meldung machen. Tatsächlich trat [auch] im Laufe der Zeit eine Entfremdung Himmler - Bormann ein.

Für Kriegshinterbliebene jedoch hatte er stets eine offene Hand und gab strengste Anweisungen [...] Dies wurde auch bei der Wehrmacht bekannt, so daß sich die Fälle häuften, [...] wo Hinterbliebene des Heeres sich an Himmler um Hilfe wandten. Wie weit er diesen Bitten entsprach, entzieht sich meiner Kenntnis.

In seiner Lebenshaltung war er einfach und bescheiden. Ein Feind jeglichen Alkoholgenusses ging er gegen SS-Führer, die sich betranken, mit schärfsten Strafen vor.

Seine Familie (Frau und 1 Tochter) lebten in [Gmünd] am Tegernsee, wo er eine Villa besaß.

Nr. 4

 

 

An den Bevollmächtigten des Rates der Volkskommissare der UdSSR

für Angelegenheiten der Repatriierung,

GENERALOBERST Gen. GOLIKOV

vom Leiter der Sammelstelle Nr. 619 Seedorf

Major Godlevskij. 4.6.45

Nr. 1

Lager Seedorf

MELDUNG

 

Um 19.30 Uhr des 21. Mai 1945 hielt eine bewaffnete Streife, bestehend aus zwei Soldaten und einem Sergeanten der britischen Armee und zwei Rotarmisten, den früheren Kriegsgefangenen Gen. GUBAREV, Vasilij Il'ji?, und Gen. SIDOROV, Ivan Egorovi?,

im Flecken Meinstedt[16] drei Deutsche fest, einer der Festgehaltenen erwies sich später als Chef der deutschen Gestapo und Chef der SS-Truppen Deutschlands. Die Festnahme fand unter folgenden Umständen statt:

Die Sicherungsstreife, Gen. GUBAREV und Gen. SIDOROV, patrouillierten auf der Straße (während die Engländer im Haus Kaffee tranken), in dieser Zeit traten drei Deutsche aus dem Wald und kamen näher. Gen. GUBAREV rief sie an, sie blieben nicht stehen, Gen. Gubarev gab einen Warnschuß aus dem Gewehr ab und brachte sie zum Stehen. Die Festgehaltenen wurden dem englischen Sergeanten übergeben, der sie mit einem ihm zur Verfügung stehenden Wagen in die Kommandantur brachte.

Nach Klärung der Angelegenheit stellte das englische Kommando fest, daß einer der Festgehaltenen HIMMLER war und die beiden anderen seine Bewachung.

Die Gen. GUBAREV und SIDOROV haben sich wiederholt durch hohe Wachsamkeit und Diszipliniertheit ausgezeichnet, wovon eine Meldung des Kompanieführers der Kommandantur zeugt.

Ich erlaube mir, den Antrag zu stellen, daß Gen. GUBAREV, Vasilij Il'ji?, und Gen. SIDOROV, Ivan Egorovi?, für hohe Wachsamkeit und ihre Handlungsweise bei der Festnahme HIMMLERS ZU EINER STAATLICHEN AUSZEICHNUNG DER SOWJETREGIERUNG VORGESCHLAGEN WERDEN.

Beigefügt sind: 1. Auskunftsdokument der britischen Führungsstelle.

2. Meldung des Kompanieführers der Kommandantur Oberleutnant Å EV?ENKO über die Festnahme HIMMLERS.

3. Kopie eines Befehls des Leiters der Sammelstelle.

4. Bericht des Zugführers der Kommandanturkompanie Leutnant ILJUÅ KIN über die Festnahme von zwei SS-Soldaten.

LEITER DER SAMMELSTELLE DER BÜRGER der UdSSR Nr. 619

MAJOR GODLEVSKIJ.

 

 

 

Nr. 5

 

 

Übersetzung aus dem Englischen.

HIMMLERS GEFANGENNAHME

 

Am Montag, dem 21. Mai 1945 hielten Korporal MORRIS vom 73. Sturmregiment, seine Wachstreife aus drei Engländern und zwei russischen Soldaten um 19.45 Uhr verdächtige Personen (zwecks Prüfung) im Dorf Meinstedt, 5 km nordöstlich von Seven,[17] fest.

Sie riefen eine Gruppe von drei in Zivil gekleideten Personen an; da die Papiere der letzteren nicht in Ordnung waren, wurden sie verhaftet und ins Wachgebäude des Lagers Sidorf[18] gebracht.

Nach einem Verhör und der in den Zellen des Wachgebäudes in Sidorf verbrachten Nacht vom 21. zum 22. Mai wurde die Gruppe unter Bewachung nach Bremerwurd[19] gebracht.

Anhand der nachfolgenden Untersuchungen wurde zweifelsfrei festgestellt, daß einer von ihnen Himmler war.

Familiennamen der beiden russischen Wachen: GUBAREV und SIDOROV.

Oberstleutnant SIDORF,[20] Lager der ehemaligen Kriegsgefangenen.

Nr. 6

 

 

An den Leiter der Sammelstelle

der Bürger der Sowjetunion

Major Gen. GODLEVSKIJ

vom Kompanieführer der Kommandantur

Oberleutnant Å EV?ENKO

25.5.45.

 

Hiermit erlaube ich mir zu melden, daß um 9.30 Uhr des 21.5.45 eine Streife im Bestand von zwei Soldaten der Wachkompanie im Flecken Meinstedt[21] drei Deutsche bemerkte, die AUS DEM WALD TRATEN UND TROTZ EINER WARNUNG DER STREIFE DURCH ANRUF AUF DER STRAßE WEITERGINGEN UND ERST NACH EINEM SCHUß STEHEN BLIEBEN, den der Wachsoldat Gen. GUBAREV abgab.

Die Festgehaltenen wurden den englischen Soldaten übergeben, die gemeinsam mit unserer Streife die Festgehaltenen in den englischen Stab brachten.

Heute, am 25.5.45, teilte der englische Dolmetscher mit, daß sich unter den festgehaltenen Deutschen HIMMLER befindet.

Ich ersuche, nach Möglichkeit die Streifen für ihre Wachsamkeit auszuzeichnen: den Gen. GUBAREV, Vasilij Il'ji?, geb. 1916, aus dem Gebiet Rjazan', Rayon Sapožkovskij, Kolchossowjet Fabri?nyj, und den Gen. SIDOROV, Ivan Egorovi?, geb. 1920, aus dem Gebiet Saratov, Rayon Å iroko-KoromyÅ¡evskij, Dorf Klju?i.

Kompanieführer der Kommandantur

Oberleutnant Å EV?ENKO.

RESOLUTION: AN DEN STABSCHEF: Befehl. Für hohe Wachsamkeit den Dank aussprechen. Ich belohne sie mit je einem Paket des Roten Kreuzes.

Meldung auf dem Dienstwege in die Militärmission

an Generalmajor DRAGUN abschicken.

Major GODLEVSKIJ

26.5.45.

 

 

 

Nr. 7

 

 

An den Kompanieführer der Kommandantur

Oberleutnant Å EV?ENKO

vom Zugführer des 1. Zugs

Leutnant I. ILJUÅ KIN

MELDUNG

 

Hiermit erlaube ich mir zu melden, daß die Soldaten der 3. Abteilung des Zuges unter meinem Kommando Gen. SIDOROV und Gen. GUBAREV, die von mir am 27. Mai 1945 mit Ausgangskarten ohne Waffen beurlaubt wurden, im Raum des Dorfes Meinstadt[22] zwei SS-Deutsche festhielten und in die englische Kommandantur brachten.

Ersuche, die Lagerführung auf die Belobigung der Genossen SIDOROV und GUBAREV anzusprechen, weil das ihre zweite Heldentat ist, die erste war, als sie HIMMLER festhielten.

Zugführer des 1. Zuges

der Kommandanturkompanie Leutnant                                 ILJUÅ KIN

27.5.45.

 

An den Leiter der Sammelstelle Nr. 619

Major Gen. GODLEVSKIJ.

Vom Kompanieführer der Kommandanturkompanie

Oberleutnant Å EV?ENKO

28.5.45

 

Stelle den Antrag, die Soldaten Gen. SIDOROV und Gen. GUBAREV für die von ihnen gezeigte Wachsamkeit und ihren Diensteifer zu belohnen.

Kompanieführer der Kommandanturkompanie

Oberleutnant                              Å EV?ENKO

 

28.5.45

RESOLUTION des Stabschefs. Einen Befehl für beide erteilen.

GODLEVSKIJ.

Nr. 8

 

 

Befehl Nr. 19

für die Sammelstelle der Bürger der UdSSR Nr. 619

 

Zeven, den 28. Mai 1945

 

§1.

Die Bürger der UdSSR Gen. GUBAREV, Vasilij, und Gen. SIDOROV,  Ivan, frühere Kriegsgefangene, zur Zeit in der Sammelstelle Nr. 619, verrichteten zu zweit den Streifendienst im Raum des Fleckens Meinstedt,[23] von der Wachkompanie der Sammelstelle entsandt.

Um 9.30 Uhr des 21. Mai bemerkten die Genossen GUBAREV und SIDOROV beim Abgehen ihres Abschnitts drei Bürger, die aus dem Wald traten und sich zur Straße begaben. Ihr Verhalten und ihr Aussehen schienen unserer Streife verdächtig zu sein. Den Anruf der Streife und den Befehl haltzumachen beachteten sie nicht und setzten ihre Bewegung fort. Die Streife gab einige Warnschüsse ab, erst danach blieben sie stehen, wurden festgehalten und den englischen Behörden im Lager Nr. 619 übergeben.

Anhand von Dokumenten wurde festgestellt, daß sich unter den Festgehaltenen der Henker Europas und des deutschen Volkes, der Chef der SS und der Gestapo HIMMLER, befand.

Am 27. Mai hielten diese Genossen bei einem Spaziergang zwei SS-Leute fest und übergaben sie den englischen Behörden.

Für die gezeigte Wachsamkeit und Findigkeit bei der Erfüllung der Dienstpflichten spreche ich dem Gen. GUBAREV, Vasilij Il'ji?, geb. 1916, Gebiet Rjazan', Rayon Sapožkovskij, Kolchossowjet Fabri?nyj, und dem Gen. SIDOROV, Ivan Egorovi?, geb. 1920, Gebiet Saratov, Rayon Å iroko-KoromyÅ¡evskij, Dorf Klju?i, DEN DANK aus UND PRÄMIIERE SIE MIT JE EINEM PAKET DES ROTEN KREUZES.

 

§2.

Der Stabschef der Sammelstelle hat der Militärmission der UdSSR über das oben Dargelegte eine Meldung mit dem Antrag über eine Regierungsauszeichnung zu erstatten.

Leiter der Sammelstelle Nr. 619

Major GODLEVSKIJ,

Stabschef der Sammelstelle Nr. 619

Major Mursjakaev.

 

Nr. 9

 

 

Übersetzung aus dem Englischen.

Zivilinternierung - Westertimke.

Verhaftmeldung

Familienname: HITZINGER, Vorname: Heinrich.

Nationalität: Deutscher.

Letzter Wohnort: Flensburg.

Funktion: Feldwebel, Sz kp z6V,[24] abkommandiert zu GFS (5d).[25]

Ausweise: Entlassungsschein vom 3.5.45.

Einzelheiten der Verhaftung: (a) Ort: Bremervoerde, Kontrollpunkt der Brücke (9344);

(b) Datum: 22.5.45;

(c) Zeit: 17.00 Uhr.

 

Einheit, die die Verhaftung vornahm: 1003 FSRD.[26]

Verhaftungsgrund: siehe den beigefügten Bericht sowie die oben genannte Funktion.

Zeugen: Familien und Adressen -

Sergeant Britton 45 PSS.[27]

Erklärung nach der Verhaftung (wenn notwendig, bitte auf einem Extrablatt beifügen).

Persönliche Sachen: (Die beim Verhafteten konfiszierten Sachen sind auf der Rückseite zusammen mit der Beschreibung und dem Ort der anderen zum Fall gehörigen Sachen aufzuzählen).

Zivil- oder Militärbehörde, die den Verhafteten in Gewahrsam genommen hat: das Gefängnis in Westertimke.

UNTERSCHRIFT DES ZUR VERHAFTUNG BEVOLLMÄCHTIGTEN:

SHAFE.

Datum: 22.5.45.

 

 

Nr. 10

 

 

An den Leiter der Abteilung Politaufklärung

der Verwaltung des Bevollmächtigten

des Rates der Volkskommissare der UdSSR für Repatriierung

Oberst Gen. LOGUNOV

MELDUNG

Betr.: Festnahme HIMMLERS.

Im Ergebnis der Untersuchung der Frage nach der Festnahme des Chefs der deutschen Gestapo HIMMLER wurde folgendes festgestellt:

Die früheren kriegsgefangenen Soldaten I.E. SIDOROV und V.I. GUBAREV verrichteten als Streifen der Sammel- und Etappenstelle Nr. 619 den Streifendienst im Flecken Lückenstadt gemeinsam mit sechs englischen Soldaten. Gegen 18 Uhr des 21. Mai 1945 verließen alle sechs englischen Soldaten den Posten und gingen ins Haus unter dem Vorwand, Kaffee trinken zu wollen.

Um 19.30 Uhr des 21.5. bemerkte GUBAREV drei Deutsche, die in Richtung auf die Straße gingen, gemeinsam mit SIDOROV hielt GUBAREV die Deutschen fest. Zwei der Festgehaltenen hatten die Mannschaftsuniform deutschen Musters an, der Dritte trug einen Offiziersmantel, eine Zivilhose und einen Hut. Er hatte keinen Schnurrbart, das linke Auge war zugebunden. Die Festgehaltenen hatten Papiere, die sie als Kranke auswiesen, die aus einem Lazarett entlassen worden waren.

GUBAREV und SIDOROV riefen die englischen Soldaten heraus. Nach einer Vorbefragung wollte die englische Streife die Festgehaltenen gehenlassen, aber SIDOROV und GUBAREV bestanden darauf, die Festgehaltenen zur Sammel- und Etappenstelle Nr. 619 zu bringen, was auch geschah. Die Festgehaltenen wurden in die Arrestanstalt überführt und am 22. Mai den englischen Behörden übergeben.

Am 25. Mai stellten die Engländer fest, daß einer der Festgehaltenen der Gestapochef HIMMLER ist. HIMMLER gestand das ein, worauf er eine Giftampulle, die er im Munde hatte, zerdrückte. 15 Minuten später starb HIMMLER.

Nach der Autopsie wurde HIMMLERS Leiche in der Stadt Lüneburg vergraben. Die genaue Grabstätte konnte nicht festgestellt werden.

SCHLUßFOLGERUNG:

HIMMLER wurde nicht von den Engländern gefangen, wie das die englische Presse meldete, sondern von den früheren kriegsgefangenen Rotarmisten GUBAREV und SIDOROV.

Stellvertreter für Politaufklärung

des Leiters der Abteilung Repatriierung, 2. Stoßarmee,

Major MUCHALEV

8. Juni 1945                                                    Stadt STETTIN.

Nr. 11

 

 

7. Mai [richtig Juni - Anm. d. Red.] 1945

Stadt Stettin

Aussage

des durch die Alliierten-Truppen befreiten

ehemaligen kriegsgefangenen Rotarmisten

SIDOROV, Ivan Egorovi?,

als Teilnehmer der Verhaftung Heinrich Himmlers

 

Ich, SIDOROV, Ivan Egorovi?, Russe, parteilos, wurde im Mai 1920 im Gebiet Saratov, Rayon Å iroko-KaramyÅ¡enskij, Dorf Klju?i, geboren. Bildung: 2 Klassen. In der Roten Armee ab 7. Juni 1941, diente in einem Schützenregiment, in der Granatwerferbatterie für 120-mm-Granatwerfer. Wurde vom Rayon-Kriegskommissariat Inza des Gebiets KujbyÅ¡ev einberufen, diente in den Lagern im Raum der Station Inza. An die Nummer des Regiments erinnere ich mich nicht. An den Kämpfen nahm ich bei der Stadt Žlobin (Belorussische SSR) teil. Zwischen Žlobin und Gomel', auf der Station Chal'?, geriet ich am 17. August 1941 in Gefangenschaft. In der Gefangenschaft war ich in den Lagern der Städte Bobrujsk, Baranovi?i, Ostrov, Thorn, Malenburg und Elbing. Wurde am 29. April 1945 im Lager "Sappost" durch die Alliierten-Ttruppen befreit, nach der Befreiung befand ich mich in der Sammelstelle 619. Meldete mich freiwillig zur Kommandanturkompanie des russischen Lagers. Wir bewachten das Lager und fuhren jeden zweiten Tag zusammen mit englischen Soldaten zum Streifegehen auf den Straßen und in den umliegenden Dörfern hinaus.

Am 21. Mai 1945 trafen wir im Bestand einer englischen und russischen Streife um 9 Uhr morgens im Dorf Meinstadt ein. Die Streife zählte 6 englische Soldaten unter einem Korporal, an seinen Familiennamen erinnere ich mich nicht, von der russischen Kompanie waren ich und Gubarev dabei. Mit Genehmigung des Korporals begaben wir uns - ich und Gubarev - zu zweit auf den Rundgang. Um 10 Uhr morgens kamen wir zum Kaffee, um 13 Uhr aßen wir zu Mittag und begaben uns zu zweit - ich und Gubarev - wieder auf den Rundgang. Am Abend, um 19 Uhr, kamen wir wieder ins Haus, wo sich die englischen Soldaten aufhielten, rauchten, sich unterhielten und Kaffee tranken. Zu uns sagten sie: "Es ist noch zu früh, wir fahren um 19.30 Uhr los. Wenn ihr wollt, ruht euch aus oder macht noch einen Rundgang." Wir, ich und Gubarev, beschlossen, noch einmal zum Dorfrand zu gehen. Wir gingen am Dorfrand dahin. Bald sah ich, daß aus dem Gebüsch drei Deutsche hervortraten. Sie gingen, durch das Gebüsch gedeckt, in der Absicht, die Straße zu überqueren und wieder im Wald unterzutauchen. Wir riefen sie an, aber die Unbekannten gingen weiter. Darauf liefen wir ihnen nach. Gubarev schoß in die Luft. Ein Deutscher blieb stehen, aber die beiden anderen gingen weiter auf den Wald zu. Gubarev rief sie wieder gebieterisch an und machte das Zeichen: "Halt! Alles herkommen!" Wir beide nahmen die Deutschen aufs Korn. Darauf blieben sie stehen. Wir gingen auf sie zu. Einer der Festgehaltenen, der sich später als Himmler entpuppte, trug einen grauen Mantel von Offiziersschnitt, eine Zivilhose, Soldatenstiefel, einen schwarzen Hut, auf dem linken Auge hatte er eine schwarze Binde. In den Händen hielt er einen Stock, der ihm als Krücke diente. Der Mantel war bis oben zugeknöpft. Am Arm hatte er eine Uhr mit einem Kompaß.

Die beiden anderen trugen ebensolche Mäntel und Stiefel, hatten keine Kopfbedeckung, ihre deutschen Feldmützen hatten sie in der Manteltasche stecken.

Durch Zeichen fragten wir sie nach englischen Papieren. Alle drei sprachen nicht russisch. Ich kenne ein paar deutsche Wörter und verstand, daß sie antworteten, sie hätten keine Papiere.

Wir brachten alle drei ins Dorf, zu dem Haus, in dem sich die englischen Soldaten aufhielten. Das war ungefähr um 19.30 Uhr. Die englischen Soldaten liefen heraus und fragten die Festgehaltenen nach ihren Papieren. Einer von Himmlers Begleitern gab irgendein Papier her, dann gab auch Himmler ein ähnliches Papier her. Die Dokumente hatten ein Foto darauf und waren in deutscher Sprache abgefaßt. Der Korporal konnte das Dokument nicht lesen, und so beriet man darüber, wie zu verfahren war.

Die Festgehaltenen versuchten mit Gesten und einzelnen Wörtern zu erklären, daß sie von einem Lazarett kamen. Himmler zeigte auf sein zugebundenes Auge und auf das linke Bein, auf die Krücke und versuchte die Soldaten davon zu überzeugen, daß er krank sei.

Die englischen Soldaten meinten zu uns: "Man sollte sie gehenlassen, sie sind krank." Aber wir, ich und Gubarev, gaben durch Zeichen zu verstehen: "Nein. Man muß sie ins Lager befördern."

Im Lager übergaben wir die Festgehaltenen einem englischen Offizier und dem Dolmetscher. Bis zum Lager hatten ich, Gubarev und zwei englische Soldaten sie im Wagen begleitet. Als wir sie ins Lager brachten, wurden alle drei Festgehaltenen auf Verfügung des englischen Offiziers in die Arrestanstalt überführt. Zuvor stellte der Dolmetscher ihnen einige Fragen, sah ihre Papiere durch und übersetzte sie für den englischen Offizier. Wir verstanden die Übersetzung nicht, weil wir nicht Englisch können.

Der Dolmetscher befragte uns ausführlich darüber, unter welchen Umständen wir sie gefangen hatten.

Etwa drei Tage später wurden wir wieder zum Streifendienst eingesetzt. Auf dem Platz versammelten sich 16 Russen, man wartete auf ein Kfz. Derselbe englische Offizier kam ebenfalls, auch der Dolmetscher. Der Dolmetscher fragte: "Wer hat am 21. Mai die drei Deutschen hergebracht?" Ich antwortete: "Ich." Auch Gubarev antwortete: "Ich." Er notierte sich unsere Familien-, Vor- und Vatersnamen, auch die Geburtsstadt von uns beiden. Darauf fragte er: "Wißt ihr, wen ihr da festgehalten habt?" Wir antworteten: "Nein." Darauf erläuterte uns der Dolmetscher: "Der mit der Augenbinde ist Himmler, der Gestapochef. Man hat ihn in eine andere Stadt gebracht, dort hat er während des Verhörs Gift genommen und ist gestorben."

Danach war im Lager unter den Russen und den Engländern viel davon die Rede, wer Himmler gefangen hatte.

Wir wurden darüber von Oberleutnant Å ev?enko, Oberleutnant einer Kompanie (den Familiennamen kenne ich nicht) und vom Abteilungsführer Titarenko befragt. Als neue Gruppen von englischen Soldaten eintrafen, zeigten sie ein Foto Himmlers aus einer englischen Zeitung (gedruckt war ein Foto von ihm in Uniform), das anläßlich seiner Verhaftung gebracht worden war. Unsere Burschen zeigten als Antwort darauf auf mich und sagten: "Der und kein anderer hat Himmler gefangen."

Das ist alles, was ich zu dieser Frage aussagen kann.

Die Richtigkeit der Aussage bestätige ich. Gezeichnet: Sidorov.

Aufzeichnung der Aussagen von

Major Golovanov.

7.6.45                                                 Stettin.

Nr. 12

 

 

6. Juni 1945.

Aussage

des durch die Alliierten-Truppen befreiten

ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen

GUBAREV, Vasilij Il'ji?,

als Teilnehmer der Verhaftung Heinrich Himmlers

am 21. Mai 1945 beim Dorf Mainstadt

 

Ich, GUBAREV, Vasilij Il'ji?, geb. 1916, Russe, parteilos, des Lesens und Schreibens unkundig, stamme aus dem Gebiet Rjazan', Rayon Sapožkovskij, Dorfsowjet Fabri?nyj, Sloboda Žaržavinskaja. Über mich kann ich folgendes aussagen:

Ich war seit 1933 in einer Kollektivwirtschaft. 1939 wurde ich vom Kriegskommissariat des Rayons Sapožkovskij in die Rote Armee einberufen. Diente im Artillerieregiment 363 in der Stadt Tul'?in (Gebiet Winnica), seit 1940 auf der Station Vopnjarka. Als der Vaterländische Krieg begann, war ich Fahrer im Artillerieregiment. Ich nahm an den Kämpfen im Gebiet Saporož'e teil und wurde daselbst am 8. September 1941 gefangengenommen. Während der Gefangenschaft war ich in den Lagern von: Dnepropetrovsk, Drogoby?, Osnabrück. Am 4. Mai 1945 wurde ich in einem Kriegsgefangenenlager hinter Sampostyl(?) durch die Alliierten-Truppen befreit. In der Gefangenschaft in der Stadt Osnabrück war ich in einem Arbeitskommando für die Bunkerabfertigung eingesetzt. Meine Erkennungsmarke als Kriegsgefangener war 128-699, Lager Nr. 333 in der Stadt Osnabrück.

Meine Familienangehörigen - Vater und Mutter, Frau und Tochter GUBAREV - lebten im Dorfsowjet Fabri?nyj, ihren jetzigen Aufenthaltsort kenne ich nicht.

Die Umstände des Falls.

Zum Wesen der Sache, zur Verhaftung des Chefs der Deutschen Gestapo HIMMLER, kann ich folgendes aussagen:

Nach der Befreiung durch die Alliierten-Truppen befand ich mich in der Sammelstelle Nr. 614 beim Flecken Meinstedt.[28] Ich meldete mich freiwillig als Rotarmist zur Kommandanturkompanie des Lagers der russischen Kriegsgefangenen. An den Namen des Lagers erinnere ich mich nicht. Der Kompanieführer war der ehemalige Kriegsgefangene Oberleutnant Å EV?ENKO. Am 21. Mai 1945 wurde ich zusammen mit dem Rotarmisten derselben Kompanie Ivan SIDOROV im Bestand einer gemischten Streife eingesetzt. Zusammen mit englischen Soldaten, die von einem Korporal geführt wurden (seinen Namen kenne ich nicht), fuhren wir mit einem Wagen Streife auf den Straßen und in den Dörfern im Raum des Fleckens Meinstadt. In diesen Flecken kamen wir um 9 Uhr früh des 21. Mai 1945 an. Wir zwei, SIDOROV und ich, stiegen aus dem Wagen und fragten den englischen Korporal als Streifenführer: "Wie soll das Streifegehen aussehen?" Er antwortete: "Wenn ihr wollt, macht die Rundgänge zu zweit, aber um 13.00 Uhr kommt essen, und um 20 Uhr fahren wir ins Lager zurück."

Bis 13 Uhr gingen ich und SIDOROV, mit Gewehren bewaffnet und mit den Armbinden der Streife, die Straßen ab, waren im Wald und im Dorf. Um 13.00 Uhr aßen wir zusammen mit den Engländern und gingen wieder auf Streife. Am Abend, gegen 19 Uhr, kamen wir wieder mit den englischen Soldaten unserer Streife zusammen. Wir fragten, wann wir ins Lager fahren sollten. Sie antworteten: "Um 20 Uhr. Wenn ihr wollt, ruht euch aus." Darauf gingen die Engländer ins Haus, um Kaffee zu trinken, aber wir, ich und Sidorov, begaben uns wieder zum Dorfrand. Gegen 20 Uhr schlichen sich 500 Meter vom Dorf entfernt drei Deutsche aus dem Gebüsch und begaben sich zur Landstraße. Wir bemerkten sie und folgten ihnen. Die Deutschen bemerkten uns zuerst nicht, wir liefen ihnen nach und riefen sie in einer Entfernung von rund 200 Meter an, sie sollten haltmachen. Aber die Unbekannten blieben nicht stehen. Darauf gab ich einen Warnschuß ab. Einer blieb stehen, die beiden anderen gingen weiter. Dann zwangen wir alle drei mit dem lauten Ruf "Halt!" und mit schußbereiten Gewehren zum Stehenbleiben und gingen zur Straße und auf sie zu. Wir fragten: "Soldaten?", einer antwortete: "Ja." Auf die Frage, ob es Papiere gebe, antwortete einer der Festgehaltenen: "Ja." Sie zeigten die Papiere vor. Das Dokument hatte weder Stempel noch Siegel. Die Festgehaltenen hatten Offiziersmäntel, darunter die Uniform an, trugen Stiefel, der Mann, der sich später als Himmler entpuppte, trug eine Zivilhose und einen Hut. Sein linkes Auge war mit einer schwarzen Binde zugebunden. Einen Schnurrbart hatte er nicht, in den Händen hielt er einen Stock. Wir brachten die Festgehaltenen ins Dorf und übergaben sie den englischen Soldaten. Die Festgehaltenen suchten den englischen Soldaten einzureden, daß sie aus einem Lazarett kamen und daß einer von ihnen ein verwundetes Bein und ein zweiter ein krankes Auge hatte. Die englische Streife wollte die Festgehaltenen als Kranke gehenlassen, aber wir bestanden darauf, sie nicht gehenzulassen, sondern ins Lager zu bringen. Ich und Sidorov fuhren mit zwei englischen Soldaten als Begleitung der Festgehaltenen hin, vier andere von der Streife blieben im Dorf zurück.

Im Lager empfingen uns ein englischer Offizier und ein Dolmetscher. Er übernahm die Verhafteten von uns und ließ sie in die Arrestanstalt überführen. Etwa drei Tage lang wurden wir nicht als Streife eingesetzt. Als wir zum Streifendienst eingesetzt wurden und auf dem Platz zum Besteigen des Wagens antraten, erfuhren wir, daß der englische Offizier und der Dolmetscher nach uns suchten und fragten: "Wo sind die Russen, die die drei Deutschen am 21.05 festhielten?" Als der Offizier uns traf, fragte er über den Dolmetscher: "Habt ihr am 21.05 drei Deutsche festgehalten? Welche Merkmale haben die?"

Wir erzählten, darauf erklärte uns der Dolmetscher: "Wißt ihr, wen ihr da festgehalten habt?" Wir antworteten: "Nein." Der Dolmetscher erläuterte uns: "Ihr habt den Chef der deutschen Gestapo und ersten Gehilfen Hitlers, Himmler, festgenommen."

Außerdem teilte der Dolmetscher mit, daß Himmler sich vergiftet hatte.

Das ist alles, was ich zu diesem Fall aussagen kann.

Ehemaliger Kriegsgefangener

Rotarmist                     GUBAREV

Aufzeichnung der Aussagen von

Major GOLOVANOV

Stettin

7.6.45.

 

 

 

Nr. 13

 

 

Verwaltung des Bevollmächtigten des Rates der Volkskommissare

der Union der SSR für Angelegenheiten der Repatriierung

 

Nr. 004801                                                               Den 14. August 1945

 

An [...]

Generaloberst V.S. Abakumov

 

Am 25. Mai 1945 brachten Zeitungen eine Mitteilung der Agentur Reuter darüber, daß "Himmler von den Einheiten der 2. britischen Armee verhaftet und den Sicherheitsorganen der Front zur Verfügung gestellt wurde". Am 4. Juni d.J. meldete der Leiter der Sammelstelle in der Stadt Seedorf, ehemaliger Kriegsgefangener Major Godlevskij, daß der Chef der deutschen Gestapo Himmler von den sowjetischen Repatrianten Gubarev und Sidorov festgehalten worden war. Im Ergebnis einer Untersuchung, die mein Vertreter Major Gur'ev im Juli 1945 durchführte, wurde festgestellt:

1. Himmler wurde zusammen mit zwei ihn begleitenden Deutschen um 19 Uhr des 21. Mai 1945 beim Flecken Moinstadt von den ehemaligen Kriegsgefangenen V.I. Gubarev und I.E. Sidorov, die zu einer englischen Streife gehörten, festgehalten.

2. Die Umstände der Verhaftung: Die englische Streife machte eine Rast im Flecken Moinstadt, Gubarev und Sidorov aber gingen am Rand dieses Fleckens Streife. Um 19 Uhr bemerkten sie drei Deutsche, die versuchten, heimlich aus einem Wald in einen anderen überzugehen. Gubarev und Sidorov hielten sie fest und brachten sie zum englischen Korporal Morris, der die Festgehaltenen gehenlassen wollte. Gubarev und Sidorov protestierten dagegen und brachten die Deutschen selbst zur Arrestanstalt in der Stadt Seedorf und übergaben sie den Engländern, ohne zu wissen, daß sie Himmler festgehalten hatten.

3. Am 24. Mai 1945 teilte der englische Dolmetscher Kova?evi? Gubarev, Sidorov und allen Sowjetbürgern, die sich in der Sammelstelle Seedorf befanden, in Anwesenheit eines englischen Offiziers mit, daß einer der drei Deutschen, die Gubarev und Sidorov am 21. Mai festgehalten hatten, wie sich herausstellte, Heinrich Himmler war und daß er in der Nacht vom 23. zum 24. Mai Gift genommen hatte.

4. Die Umstände von Himmlers Tod werden von englischen Offizieren unterschiedlich beschrieben. Sein Begräbnisort ist niemandem bekannt.

Bevollmächtigter des Rates der Volkskommissare der UdSSR

für Angelegenheiten der Repatriierung

Generaloberst GOLIKOV.

 

 

 

Nr. 14

 

 

Übersetzung aus dem Englischen

Bericht über die Umstände im Zusammenhang mit dem Tod Heinrich Himmlers

1. Gegen 17.50 Uhr des 23. Mai 45 teilte mir Major RENDELL[29] mit, im Stab 031[30] befinde sich ein Festgehaltener, der sich Heinrich HIMMLER nenne. Um 20.15 Uhr fuhren ich und RENDELL mit einem Wagen in den Stab 031, wo wir um 20.50 eintrafen. Uns empfing der Hauptuntersuchungsführer der Militäraufklärung Hauptmann S.A. SMIT,[31] er führte uns in ein Zimmer, in dem sich drei Deutsche befanden, und teilte uns mit, das seien Heinrich HIMMLER und seine beiden Adjutanten. Der Stabskommandant erklärte, sie seien ausgezogen und einer Leibesvisitation unterzogen worden.

2. Alle drei wurden in mein Arbeitszimmer geführt. Außer den Deutschen und mir befanden sich dort Major RENDELL, Hauptmann SMIT, Hauptmann SELVESTER[32] und Leutnant FINDLEY.[33]

3. Ich hatte ein Foto HIMMLERS und eine Karte mit seinen Merkmalen und Ermittlungsangaben mit. In erster Linie prüfte ich genauestens seine Ohrenform, sie entsprach dem Foto voll und ganz. Darauf wurde HIMMLER nach seiner Parteinummer gefragt. Er antwortete, die Nummer gehöre der Serie 14000 an (laut Kartei 14303), seine SS-Nummer sei 169 oder etwas in dieser Art (laut Kartei 168), er wurde am 7. Oktober 1900 in München geboren (laut Kartei am 7. November 1900).

Aufgrund all dieser Angaben, seines Äußeren und einer Unterschriftenprobe, die er auf mein Ersuchen hin auf einem Stück Papier machte, überzeugte ich mich, daß das tatsächlich Heinrich HIMMLER war.

Himmler bat um die Erlaubnis, das Foto zu sehen, und sagte, es stamme aus der Vorkriegszeit, weil er nach Kriegsbeginn die schwarze Uniform nicht getragen habe.

4. Ich glaubte nicht, daß sein Verhör zu meinen Dienstobliegenheiten gehöre. Mein einziges Ziel war die genaue Identifizierung der Person, und deshalb bemühte ich mich darum, unserem Gespräch streng offiziellen Charakter zu verleihen.

5. Es war nicht nötig, HIMMLER zum Sprechen zu zwingen. Während die Vorbereitungen zu seiner Abfahrt getroffen wurden, erklärte er mir, er habe sich freiwillig dem Stabskommandanten ergeben.[34]

Auf die Frage nach den Einzelheiten antwortete er folgendes:

6. "Am 21. Mai nahm uns eine englische Streife bei Bremenverde[35] fest. Wir verbrachten die Nacht unter Bewachung in einem Haus in der Nähe und wurden dann in den Stab gebracht (offenbar in Westertimke - Stab des 30. Korps).[36]

Hier (im Stab 031) kamen wir am 23. Mai nachmittags an. Hier beschloß ich zu erklären, wer ich bin, und bat um ein Gespräch mit dem Stabskommandanten."

7. Auf die Frage, ob er im Moment der Festnahme Uniform oder Zivil getragen habe, antwortete er, er habe Zivilkleidung angehabt.

8. Er wies besonders darauf hin, daß er vor seinem "Verschwinden" alle Widerstandskräfte, darunter auch den WEHRWOLF, aufgelöst und überhaupt noch früher auf einem Friedensschluß mit den westlichen Alliierten bestanden habe.[37]

Auf die Frage, ob er bei HITLER im Moment von dessen Tod gewesen sei, antwortete er, zu dieser Zeit habe er sich außerhalb Berlins befunden, aber wenn er dort gewesen wäre, wäre er zweifellos neben seinem Führer gestorben.

9. Seinen Worten zufolge habe man in Deutschland eine Reihe von Veränderungen durchführen müssen. Um die Geburtenziffern zu erhöhen, habe HIMMLER als Polizeichef ein Maximum zur Abschaffung der Prostitution getan, das Vornehmen von Abtreibungen und die Homosexualität mit strengen Strafen belegt.

Er habe persönlich viele Häuser für Mütter mit unehelichen Kindern eingerichtet. Es sei notwendig gewesen, Repressalienformen einzuführen. Eine davon seien Konzentrationslager gewesen.

10. Man solle, erklärte HIMMLER, verschiedene Fakten im Zusammenhang mit den Konzentrationslagern und der Propaganda nicht mit gleichem Maß messen. Möglicherweise habe es in einzelnen Fällen verbrecherische Handlungen einiger irregeleiteter Personen gegeben, doch sei all das weder "eingeplant" gewesen noch anbefohlen worden. In den Lagern habe es   überhaupt nur sehr wenig Frauen gegeben. Um die Russen und Polen stehe es in Wirklichkeit ganz anders.[38] Die Engländer könnten sich nicht vorstellen, was das für Menschen seien. Es sei außerordentlich schwer gewesen, sie zu lenken, und Konzentrationslager seien vielleicht die einzig mögliche Methode gewesen.

11. Die Alliierten seien in einem schweren Irrtum befangen, wenn sie glaubten, daß er, HIMMLER, blutrünstig und in Deutschland unpopulär gewesen sei.[39] Im Gegenteil, man habe ihn auf seinen "jüngsten Wanderungen" wiederholt erkannt, aber nicht verraten.[40] Die Bauern seien voll und ganz für das Regime. Sonst hätte die Partei nicht die Macht behaupten können, als sie den Krieg habe allein fortführen müssen.

12. In diesem Augenblick (ungefähr um 21.45) kamen Oberst MURPHY, Oberstleutnant OSBORN und Oberst STARLETON hinzu und übernahmen die weitere Leitung.[41]

13. Oberst MURPHY befahl beiden Begleitern von HIMMLER - MAGER[42] und GERTMAN[43] -, in ein anderes Zimmer zu gehen und die Kleidung zu holen, die für HIMMLER gebracht worden war. Darauf befahl er HIMMLER, sich auszuziehen sowie ihm die anderen Kleidungsstücke zu bringen. Der letztere weigerte sich, das zu tun, weil er eben erst die Kleidung abgelegt habe, die durchsucht worden sei. Er protestierte auch gegen eine britische Uniform - die einzige Art Kleidung, die es gab - und sagte, er werde eine fremde Uniform nicht anlegen.

14. Während der Diskussion, die 10 Minuten dauerte, erklärte HIMMLER, er sei Soldat und unterliege einer solchen Behandlung nicht.

Oberst MURPHY schlug HIMMLER eine Alternative vor: entweder die Kleidung sofort zu wechseln oder aber einer gewaltsamen Entkleidung unterzogen zu werden. Er könne entweder die volle Uniform oder einen Teil davon anlegen und sich in eine Decke hüllen.

HIMMLER fragte den Obersten, warum jener darauf bestehe, daß er seine Kleidung abgebe.

Oberst MURPHY antwortete, Admiral FRIEDENBURG[44] habe am Tag der Verhaftung von DENIZ[45], JODL und 5000 anderen Deutschen den Selbstmord begangen, und er habe nicht die Absicht, [das Risiko einzugehen].

Man gab HIMMLER zwei Minuten, um den Befehl auszuführen.

HIMMLER, der merklich niedergeschlagen war, erklärte, falls man ihn zur Ausführung solcher Verfügungen zwinge, werde er kein Wort davon sagen, was er zuerst habe berichten wollen.

15. Als er sich schließlich davon überzeugt hatte, daß wir ihn nicht zu Propagandazwecken in britischer Uniform fotografieren wollten (was er befürchtete), und nachdem ihm Oberst MURPHY zugesichert hatte, morgen werde er eine neue Zivilkleidung bekommen, legte er seine Kleidungsstücke ab, zog sich die Unterhose, die Khakiuniform, die Socken und die Schuhe an und hüllte sich dann in eine Decke.

16. MURPHY brachte ihn zum Wagen und ließ ihn einen Platz im Fond neben Oberstleutnant STAPLETON nehmen.

Oberst MURPHY fuhr den Wagen. Ich und Oberstleutnant OSBORN saßen neben ihm.

17. Unterwegs fragte HIMMLER mehrmals nach den Umständen des Selbstmordes von Admiral FRIEDEBURG und staunte darüber, daß dieser ihn begangen hatte.

18. Nach der Ankunft bei der Gegenaufklärung des Stabs[46] wurde  HIMMLER hineingeführt und von Hauptmann WELLS[47] einer ärztlichen Untersuchung unterzogen.

Der Bericht von WELLS über die Untersuchung wird beigefügt.

Ich blickte zufällig auf meine Uhr, als HIMMLERS Tod eintrat.[48] Die Uhr zeigte 23.00.[49]

Den 24. Mai 1945.                                                                (D.S. Ris).[50]

 

 

 

Nr. 15

 

 

Übersetzung aus dem Englischen.

Erklärung von Hauptmann WELLS.

 

Gegen 23.00 Uhr des 23. Mai 1945 untersuchte ich im Stab der Gegenaufklärung der 2. Armee in LÜNEBURG auf Befehl von Oberst MURPHY einen Mann, der, wie mich Oberst MURPHY informierte, HEINRICH HIMMLER war.

Der Weisung von Oberst MURPHY gemäß mußte diese Untersuchung stattfinden, damit wir uns überzeugen konnten, daß an HIMMLERS Körper nichts versteckt war.

Nach einer genauen Besichtigung des Leibes und der Gliedmaßen begann ich mit der Untersuchung des Mundes und der Zähne. Als ich eine Wange zur Seite zog, bemerkte ich sofort einen kleinen Gegenstand mit einem blauen Kopf, der zwischen seiner Wange und dem Unterkiefer lag. Ich versuchte auf der Stelle, diesen Gegenstand mit den Fingern aus seinem Mund zu entfernen, konnte ihn jedoch nicht daran hindern, ihn zwischen die Zähne zu nehmen und zu zerdrücken.

Ein starker Geruch von Zyankali verbreitete sich. Himmler wurde mit dem Gesicht nach unten auf den Boden gelegt, man drückte seine Kiefer auseinander und spülte ihm den Mund mit Wasser. Aber weder das noch künstliche Atmung hatte eine Wirkung.

S.I. WELLS, Hauptmann des med. Dienstes

Leiter des Sanitätsdienstes

der 2. Armee.

 

 

 

Nr. 16

 

 

Geheim.

25/V-45

Nachrichtenblatt der auswärtigen Dienstinformation von TASS

Blatt 1 - 0

Weitere Einzelheiten zu Himmlers Selbstmord

KC 102230. A 477. E 475. LONDON, den 24. Mai. Der Korrespondent der Reuter-Agentur Martin, der sich beim Stab der 2. britischen Armee aufhält, teilt mit, daß die britischen Militärärzte 15 Minuten lang versuchten, HIMMLER das Leben zu retten.

 

Der ehemalige Gestapochef befand sich zwei Tage lang in den Händen der Engländer, dennoch hatte er es fertiggebracht, bis zur ärztlichen Untersuchung in seinem Mund eine 1 Zoll lange Ampulle mit Zyankali zu behalten. Der Arzt forderte ihn auf, den Mund aufzumachen, blickte hinein und schien mit den Ergebnissen der Besichtigung befriedigt zu sein. Auf alle Fälle führte er HIMMLER näher ans Fenster, und als er ihm einen Finger in den Mund steckte, um dessen Zustand zu prüfen, sah er, wie HIMMLER den Kopf schnell zurückbeugte und auf einen schwarzen Flecken biß, der, wie sich herausstellte, eine von ihm hinter den Zähnen versteckte Ampulle darstellte. HIMMLER sank auf den Boden und starb eine Viertelstunde später (um 23.04 Uhr).

Am Abend des 24. Mai veröffentlichte der Stab der 2. britischen Armee folgende Erklärung im Zusammenhang mit HIMMLERS Tod: "Der Reichsführer SS, Chef der deutschen Polizei und Reichsinnenminister Heinrich HIMMLER wurde am 21. Mai von den Truppen der britischen 2. Armee in Bremervoerde verhaftet und am 22. Mai der Feldaufklärung übergeben."

HIMMLER reiste unter dem Namen Hitzinger.

Er trug keine Uniform und hatte ein schwarzes Klebepflaster auf dem rechten Auge. Sein Schnurrbart war abrasiert. Bei ihm befanden sich seine zwei Adjutanten, einer von ihnen war ein hochgewachsener, beleibter SS-Mann. HIMMLER und seine Begleiter kamen unter Bewachung, ohne erkannt worden zu sein, in ein Lager in der Nähe des Stabs der 2. britischen Armee, wo HIMMLER über seine Adjutanten um die Erlaubnis bat, sich mit dem Lagerkommandanten zu treffen. Als die Erlaubnis gegeben wurde, heißt es in der amtlichen Erklärung, nannte HIMMLER sich, und seine   Identität wurde von einem hohen Offizier des Lagers bestätigt, und im weiteren wurde sie von einem Offizier der Gegenaufklärung des Stabs der 2. britischen Armee zweifelsfrei festgestellt. HIMMLER wurde sofort unter bewaffnete Bewachung gestellt, man hieß ihn sich ausziehen und unterzog ihn einer ärztlichen Untersuchung, um bei ihm eventuell ein verstecktes Gift zu entdecken. Im letzten Moment der Untersuchung, als der Arzt versuchte, den Mund des Gefangenen zu besichtigen, machte jener eine rasche Bewegung mit dem Kopf und zerbiß eine kleine Glasampulle mit Zyankali, die er im Munde versteckt hatte. HIMMLER starb 15 Minuten danach, um 23.04 Uhr des 23.Mai. Die Glasampulle hatte HIMMLER mehrere Stunden lang im Munde versteckt gehalten.

"Die Kommissare von Marschall Žukov für Fragen der Kontrolle über die Erfüllung der Bedingungen der deutschen Kapitulation Oberst GorbuÅ¡in, Oberstleutnant Ievlev und Hauptmann Ku?in sahen die Leiche um 18.15 Uhr heute, am 24. Mai 1945, und ihnen wurden die entsprechenden Fotos und Berichte übergeben", heißt es am Schluß der offiziellen Erklärung.

Der Oberoffizier der Aufklärung beim Stab von General Dempsey (?), der die Korrespondenten während der Besichtigung von HIMMLERS Leiche begleitete, teilte ihnen mit, daß die Offiziere aus einem in der Nähe gelegenen Lager ihn kurz vor 21 Uhr des 23. Mai angerufen hatten, um ihm zu melden, sie hätten HIMMLER verhaftet. Der Aufklärungsoffizier fuhr mit dem Wagen sofort in dieses 8 Meilen davon entfernte Lager und sah HIMMLER, der am Tisch saß. Er wurde von britischen Offizieren verhört. Neben ihm saßen seine zwei Adjutanten, der eine von ihnen ein typischer SS-Schläger.

Die Vertreter der britischen Militärpolizei, die sie festgehalten hatten, als sie die Brücke in Bremervoerde passierten, hatten keine Ahnung davon gehabt, daß sie den meistgesuchten Mann Europas festgenommen hatten.

HIMMLERS Maskerade erweckte keinerlei Verdacht, da er aber verdächtig wirkende Papiere vorzeigte, beschloß die britische Polizei, ihn einem weiteren Verhör zu unterwerfen, und übergab ihn noch am selben Abend einer Abteilung der Feldaufklärung. Immer noch unerkannt, wurde er weiter verhört.

Am Abend des 23. Mai trafen alle drei im Lager ein, das in der Nähe des Stabs von General Apsy (?) liegt. Gerade nach der Ankunft dort äußerte HIMMLER den Wunsch, mit dem Lagerkommandanten zu sprechen. Er entfernte das schwarze Klebepflaster von seinem Auge, ohne jedoch die Brille abzunehmen, und erklärte: "Ich bin Heinrich HIMMLER."

Als der Oberoffizier der Aufklärung in den Raum kam, in dem sich die Verhafteten befanden, war HIMMLER voll entkleidet, obwohl er dagegen protestiert hatte. Man forderte ihn auf, eine englische Felddienstuniform oder eine Hose, eine Jacke und ein Hemd anzuziehen und sich dann in eine Decke zu hüllen. Nach einigem Schwanken entschloß sich HIMMLER für die Hose und die Decke, dann wurde er für eine Zeitlang von seinen beiden Adjutanten getrennt. Danach ließ man ihn in den Wagen des Aufklä-rungsoffiziers einsteigen, um ihn in den Stab der 2. Armee zu bringen.

In dieser ganzen Zeit nahm er nichts in den Mund, obwohl der neben ihm im Fond sitzende Oberst bemerkte, daß er an den Nägeln kaute und sich ab und zu eine Wange rieb.

Nachdem der Wagen ein paar Meilen gefahren war, verpaßte der Oberoffizier der Aufklärung die richtige Biegung, er wandte sich zu dem hinten sitzenden Obersten, um zu fragen, wo sie sich befanden. HIMMLER schien völlig ruhig. Er sagte: "Sie befinden sich auf der Straße nach Lüneburg."

HIMMLER wurde in eine Villa gebracht, die die Aufklärungsoffiziere für ihn vorbereitet hatten. Man ließ ihn wieder (zum viertenmal) alle Kleidungsstücke ausziehen, diesmal um sich endgültig davon zu überzeugen, daß er kein Gift bei sich hatte. Ein Militärarzt besichtigte seine Finger und Zehen, seine Haare, Ohren, Achselhöhlen und alle Körperteile, an denen man hätte Gift verstecken können; dann bat er HIMMLER, den Mund aufzumachen. Alles schien normal zu verlaufen, aber um völlig sicherzugehen, führte der Arzt ihn zum Fenster und forderte ihn auf, den Mund wieder aufzumachen. Gerade in dem Augenblick, da der Arzt seinen Finger HIMMLER in den Mund einführte, sah er, daß HIMMLER den Kopf einer Ampulle abbiß. In derselben Minute verlor der ehemalige Gestapochef das Bewußtsein und fiel wie eine gefühllose Masse auf den Boden. Unverzüglich ging man an die Magenspülung; HIMMLER wurde mit dem Gesicht nach unten über einen Eimer gehalten. Doch war alles vergebens. Das Gift lähmte augenblicklich alle Nervenzentren, und eine Viertelstunde später war HIMMLER tot.

Der Aufklärungsoffizier erklärte, er sei absolut sicher, daß HIMMLER sich die Ampulle nicht während eines der Verhöre oder auf der Fahrt zum Stab der 2. Armee in den Mund gesteckt hatte. Bei der späteren Untersuchung von HIMMLERS Kleidung wurde eine ebensolche Ampulle entdeckt.

Bevor HIMMLER den Selbstmord beging, hatte er erklärt, im Moment wünsche er nicht mit den Offizieren, die ihn verhörten, zu sprechen, doch sei er bereit, mit, wie er sich ausdrückte, höhergestellten Personen zu sprechen.

HIMMLERS Leiche wurde dort liegengelassen, wo er gestorben war, bis ihn die Offiziere der Roten Armee sahen und bis ihn Militärkorrespondenten fotografierten und sahen.

 

 
 

(Übersetzung: Nina Letneva)

 
 

Der Raum, in dem sich der letzte Akt von HIMMLERS Lebensdrama abspielte, liegt im Erdgeschoß der Villa. Wahrscheinlich diente er als Anrichtezimmer für eine wohlhabende deutsche Familie, die dieses Haus am Rande der Lüneburger Heide bewohnt hatte.       



[1] Njurnbergskij process. Sbornik materialov [Nürnberger Prozeß. Sammelband von Materialien], Bde. 1-8, Moskau 1987-1999.

 

[2] Aufgrund der in den letzten Jahren geöffneten Geheimmaterialien des ZA FSB und des Staatlichen Archivs der RF (im weiteren: GA RF) schrieb L.A. Besymenski eine Monographie (Besymenski, L.: Operacija "Mif", ili skolko raz choronili Gitlera [Operation "Mythos", oder: Wie oft wurde Hitler begraben?]. Moskau 1995). Zudem wurde eine Ausstellung "Agonie des Dritten Reiches. Die Vergeltung" durchgeführt, die im April - Juni 2000 stattfand. - Siehe: Matveev, O.K.: Agonija "tret'ego rejcha". Vystavka archivnych materialov [Agonie des Dritten Reiches. Ausstellung von Archivmaterialien]. - Novaja i novejÅ¡aja istorija, Heft 5/2000.

 

[3] In sowjetischen Dokumenten wird dieser Name auf englische Weise als "Chizinger" transliteriert.

 

[4] Der Rotarmist Vasilij Il'ji? Gubarev, geb. 1916 im Gebiet Rjazan', ehemaliger Kriegsgefangener, wurde 1945 in die UdSSR zurückgebracht, wo er die staatliche Überprüfung erfolgreich absolvierte. Nachrichten über sein weiteres Verbleiben gibt es weder im Archiv der FSB-Verwaltung für das Gebiet Rjazan' noch im staatlichen Archiv des Gebiets.

 

[5] Der Rotarmist Ivan Egorovi? Sidorov, geb. 1920 im Gebiet Saratov, ehemaliger Kriegsgefangener, kehrte 1945 nach der staatlichen Überprüfung in die Heimat zurück. 1979 gestorben.

 

[6] In mehreren russischen Dokumenten wird dieser Ort in Norddeutschland, der zwischen Lüneburg und Bremen liegt, Mejstedt, Majnstedt oder Moinstadt genannt.

 

[7] Krebs, Hans, geb. am 4. März 1898, war Teilnehmer des Ersten Weltkrieges und blieb nach dessen Beendigung bei der Reichswehr. 1932-1934 war er Gehilfe des Militärattachés der deutschen Botschaft in Moskau, 1939 beteiligte er sich an der Arbeit einer sowjetisch-deutschen Grenzkommission. Er lernte Russisch und unterhielt rege Kontakte mit hohen sowjetischen Militärs. Offizieren in Deutschland gegenüber äußerte er sich positiv über die russische militärische Schule und das Ausbildungsniveau in der Roten Armee. Im März - Juni 1941 war Krebs in Moskau stellvertretender Militärattaché der deutschen Botschaft. Am Anfang des "Ostfeldzugs" der Wehrmacht war er Stabschef der 9. Armee, seit 1943 Stabschef der Heeresgruppe Mitte. Nach der Verhaftung der Teilnehmer der Verschwörung gegen Hitler übernahm er im September 1944 den Posten des Stabschefs der Heeresgruppe B im Westen. Am 29. März 1945 wurde er zum Generalstabschef des Heeres ernannt. Nach Hitlers Selbstmord kommandierte Goebbels ihn als Parlamentär zum sowjetischen Militärkommando. Die Leiche von General Krebs, der sich nach dem Ultimatum des sowjetischen Oberkommandos über die bedingungslose Kapitulation das Leben nahm, wurde am 2. Mai 1945 von sowjetischen Gegenaufklärern im Hof der Reichskanzlei gefunden.

 

[8] Wenck, Walter, geb. am 18. 1900. Seit 1911 Kadettenschule in Naumburg, seit 1918 Militärschule in Groß-Lichterfelde, seit 1920 bei der Reichswehr. Am 1. Mai 1939 im Range eines Majors in die 1. Panzerdivision in Weimar aufgenommen, in deren Bestand er an den Kampfhandlungen in Polen und an der Westfront und seit dem 22. Juni 1941 an der Ostfront teilnahm. Im Dezember 1941 geriet seine Division bei Moskau in einen Kessel, aus dem sie jedoch ausbrechen konnte. Während der Stalingrader Schlacht war Wenck Stabschef der 3. rumänischen Armee. 1943 wurde er zum Generalmajor befördert und zum Stabschef der 1. Panzerarmee, dann zum Stabschef der Heeresgruppe Südukraine ernannt sowie zum Generalleutnant befördert. Bald darauf war er Leiter der Operativen Verwaltung und stellvertretender Stabschef des Heeres. Seit dem 1. April 1945 General der Panzertruppen, dann Befehlshaber der 12. Armee, die in den Raum Berlin mit dem Befehl verlegt wurde, die Offensive der Roten Armee zum Stehen zu bringen. Bis zum 1. Mai hielt die Armee Wenck der Offensive der sowjetischen Truppen stand, am 7. Mai 1945 ergab sie sich den Amerikanern. Nach dem Krieg war Wenck bei diversen Firmen tätig. Ende der sechziger Jahre pensioniert.

 

[9] Golikov, F.I. (1900-1980), Marschall der Sowjetunion (1961). Befehligte während des deutsch-sowjetischen Krieges mehrere Armeen, die Truppen der Brjansker und der Voronežer Front, 1943-1950 Chef der Hauptverwaltung Kader, 1958-1962 Chef der Politischen Hauptverwaltung der Sowjetarmee und der Kriegsmarine. 1961-1966 Mitglied des ZK der KPdSU.

 

[10] KartaÅ¡ov, S.N., war Abteilungsleiter in der Hauptverwaltung der Gegenaufklärung "SMERÅ ".

 

[11] Gemeint sind I.Je. Sidorov und V.I. Gubarev.

 

[12] "GENERAL STAFF INTELLIGENCE 25 MAY 1945 H.Q. SECOND ARMY". Erst vor kurzem sind zwei Aktenmappen zu Heinrich Himmler und Ernst Kaltenbrunner im Public Record Office freigegeben worden. Vgl. Breitman, Richard: Staatsgeheimnisse. Die Verbrechen der Nazis - von den Alliierten toleriert. München 1999, S. 336. Der Ordner über Kaltenbrunner enthält im wesentlichen Zeitungsausschnitte, der Ordner über Himmler u.a. die Verhaftungsmeldungen. Vermutlich hängt die jahrelange Geheimhaltung mit der Tatsache zusammen, daß im ersten Bericht bereits der Fund einer Zyankalikapsel gemeldet wird, die Kapsel im Mund zu diesem Zeitpunkt aber übersehen wurde (Anm. d. Hrsg.).

 

[13] Steiner, Felix Martin, geb. am 23. Mai 1896, Mitglied der NSDAP seit 1933, Mitbegründer der Waffen-SS. Seit dem 1. Dezember 1940 leitete er die Aufstellung der motorisierten SS-Freiwilligendivision "Wikinger" (später 5. motorisierte SS-Division). Seit Juni 1941 an der Ostfront. Seit dem 30. März 1943 Befehlshaber des 3. SS-Panzerkorps. 1945 befehligte er die 11. Armee im Bestand der Heeresgruppe Weichsel. Am 22. April 1945 befahl Hitler ihm, den sowjetischen Truppen am Südrand von Berlin einen Schlag zu versetzen. Steiner setzte sich über den Befehl hinweg, führte seine Truppenteile westwärts und ergab sich am 3. Mai 1945 den Engländern. Befand sich in einem Kriegsgefangenenlager, am 27. April 1948 entlassen.

 

[14] Dietrich, Josef (Sepp), geb. am 28. Mai 1892. Berufsmäßiger Fleischer. Diente seit 1911 in der kaiserlichen Armee. Einer der ersten NSDAP-Mitglieder, wurde er 1928 zum Chef von Hitlers Leibwache. 1931 zum SS-Gruppenführer befördert. Seit 1933 befehligte er die Leibstandarte SS Adolf Hitler (Regiment von Hitlers Leibwache). Teilnehmer der "Nacht der langen Messer" 1934. Während des Zweiten Weltkrieges befehligte er ein Panzerkorps, das gegen Paris vorstieß, dann eine SS-Armee an der Ostfront. Im Dezember 1944 ernannte Hitler ihn zum Befehlshaber der 6. Panzerarmee und vertraute ihm somit seine letzten Reserven in den Ardennen an. Die Armee Dietrich blieb stecken, die letzte Hitlersche Offensive schlug fehl. Anfang 1946 wurde Dietrich vom amerikanischen Militärtribunal angeklagt, in Belgien 71 amerikanische Kriegsgefangene ermordet zu haben. Er wurde zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt, saß 10 Jahre ab, wurde vorfristig entlassen und begab sich nach München, wo er sich vor einem deutschen Gericht verantworten mußte, das ihn wegen Teilnahme an der "blutigen Säuberung" von 1934 zu 19 Monaten Freiheitsentzug verurteilte. Starb am 21. April 1966 in Ludwigsburg.

 

[15] Bezeichnungen der SS-Panzerdivisionen.

 

[16] In lateinischen Buchstaben geschrieben.

 

[17] Zeven. Nach den entstellten Ortsnamen zu urteilen, wußte der Übersetzer nicht, wie die entsprechenden deutschen Wörter ausgesprochen werden.

 

[18] Seedorf.

 

[19] Bremervoerde.

 

[20] So im Dokument.

 

[21] In lateinischen Buchstaben geschrieben.

 

[22] In lateinischen Buchstaben geschrieben.

 

[23] Meinstadt.

 

[24] Nummer der Einheit.

 

[25] Nummer der Einheit.

 

[26] Nummer der Einheit.

 

[27] Nummer der Einheit.

 

[28] So im Dokument.

 

[29] Randell.

 

[30] Im englischen Text: "at Camp 031".

 

[31] C.A. Smith.

 

[32] Selvester (Sylvester, Silvester?).

 

[33] Findlay (-ley?).

 

[34] Im englischen Text: "to the Camp Commandant".

 

[35] Bremervoerde.

 

[36] Im englischen Text: "this must have been WESTERTIMKE Internment Camp of 30 Corps".

 

[37] Im englischen Text: "he had been urging the conclusion of peace".

 

[38] Im englischen Text: "As for Russians and Poles, that was another matter altogether".

 

[39] Im englischen Text: "The Allies were totally mistaken if they thought that he, HIMMLER, was unpopular in Germany, or a mad bloodhound, which was not the case."

 

[40] Im englischen Text: "During his wanderings in recent weeks he had often been recognized but never denounced."

 

[41] Im englischen Text: "At this point (approximately 2145 hours) Col MURFHI (-Y?) GS I, arrived with Lt-Col OSBORNE G (Ops) and Lt-Col STAPLETON G (Plans), and took charge of proceeding."

 

[42] Macher.

 

[43] So in der russischen Fassung des Dokuments; im englischen Text: "GROTHMANN".

 

[44] Im Text: "FRIEDENBURG" - offenbar Großadmiral Friedeburg.

 

[45] Dönitz.

 

[46] Im englischen Text: "On arrival at Defence Company HQ".

 

[47] Wells.

 

[48] Im englischen Text: "I happened to look at my watch when HIMMLER collapsed."

 

[49] So in der russischen Fassung des Dokuments; im englischen Text: "It was then 2304 hrs."

 

[50] D.S. RISE.