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Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Manfred Clauss

Professor für Alte Geschichte an der KU Eichstätt-Ingolstadt von 1984 bis 1987:

 

"Meine Erfahrungen an und mit der Universität Eichstätt begannen im Frühjahr 1984 mit meinem Vorstellungsvortrag um 8.30 Uhr (!) im Krankenhaus – wenn ich mich recht erinnere, in der Leichenhalle. Das ehemalige Krankenhaus wurde dann auch der Ort unserer ersten Wirkungsstätte, die neben besagter Leichenhalle noch die Gynäkologie und das Chefarztzimmer für die Mitarbeiter Pedro Barceló (heute Professor für Alte Geschichte an der Universität Potsdam) und Andreas Gutsfeld (heute Professor für Alte Geschichte an der Universität Lothringen/Nancy) und unsere Sekretärin, Frau Brigitte Doneck, umfaßte. Es war für alle Beteiligten ein großer Gewinn, als wir 1986 in das neu erbaute Bibliothekszentrum umzogen, wo die Diensträume in unmittelbarer Nähe zur Bibliothek lagen.                                             

Daß zu meinem Vorstellungsvortrag außer etwas unausgeschlafenen Kollegen kein Student anwesend war, rechnete ich zunächst der frühen Zeit an. Doch nach meiner Ernennung zum Ordinarius – wie es damals hieß – zum 15. November 1984 sollte sich herausstellen, daß es generell wenig Studenten gab, von denen fast alle im Laufe der Zeit als studentische Hilfskräfte in der Alten Geschichte tätig waren. Dies lenkt den Blick auf die Mittel, die in Eichstätt seinerzeit vorhanden waren, was ich sowohl hinsichtlich der Bibliotheksmittel, wie derjenigen für studentische Hilfskräfte sowie generell der „Büromittel“ später niemals mehr antreffen sollte. So war es uns möglich, aus den Büromitteln eine umfangreiche Münzsammlung für Lehrzwecke zusammenzustellen.

Damals konnte man in Eichstätt Geschichte ‚vertieft’ und ‚nicht vertieft’ studieren. Das ‚nicht vertiefte’ Studium betraf die Abschlüsse für Grundschule, Hauptschule und Realschule; etwa zwei Drittel studierten auf diese hin. Das ‚vertiefte’ Studium führte zum Examen für Gymnasiallehrer. Dies hatte zur Folge, daß in der Lehre Vorlesungen, Proseminare und Übungen gefragt waren; für Hauptseminare gab es dagegen keinen Bedarf. Immerhin war es uns möglich, zwei Exkursionen durchzuführen: vom 9.–21. Oktober 1985 in die Provence und vom 9.–17. Oktober 1986 nach Rom und Umgebung. Ein weiterer Höhepunkt studentischer Aktivitäten war die ‚Römer-Rallye’, die im Sommer-Semester 1986 stattfand. „40 Studenten 150 Kilometer quer durchs Altmühltal“ titelte der Eichstätter-Kurier über den althistorischen Beitrag zum „Tag der Altertumswissenschaften“.

Die ‚Größe’ der Universität Eichstätt hatte einen Vorteil, den man nicht hoch genug einschätzen kann: der Zusammenhalt nahezu des gesamten Lehrkörpers. Dies zeigte sich zunächst bei meiner Antrittsvorlesung, die ich am 21. Januar 1985 hielt, aber auch bei anderen Anlässen. Für die Alte Geschichte war die Habilitation von Pedro Barceló im Jahre 1986 ein großes Ereignis.

Zum Schluß sei mir noch eine persönliche Bemerkung gestattet. In Eichstätt begann neben vielen anderen auch die Freundschaft mit dem damaligen und heutigen Leiter des Hochschulrechenzentrums, Herrn Dr. Wolfgang A. Slaby. Die Frucht dieser Freundschaft ist  die „Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby“ (EDCS), die heute, nach fast dreißigjähriger gemeinsamer Arbeit, alle lateinischen Inschriften erfaßt.

Zum 23. Oktober 1987 wechselte ich an die Freie Universität Berlin."

 

Zeitungsausschnitte aus dem Eichstätter Kurier: