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Jüdische Geschichte in Räumen 1500-1820

Bayern in den heutigen Landesgrenzen vereint verschiedene historische Landschaften, die hinsichtlich der jüdischen Geschichte eine unterschiedliche Entwicklung aufweisen. Nach den Vertreibungen aus den Reichsstädten und den größeren Territorien im Spätmittelalter stiegen Franken, Schwaben und die Oberpfalz zu den Zentren des frühneuzeitlichen Landjudentums auf, dagegen konnten sich in Ober- und in Niederbayern keine nennenswerten jüdischen Gemeinden mehr bilden. Diese Verschiebungen basieren auf komplexen demographischen Vorgängen, die im wesentlichen durch die jeweilige Judenpolitik der einzelnen Herrschaftsträger sowie die kaiserlichen Schutzgewährungen gesteuert wurden. Jüdische Siedlungsformen dokumentieren daher stets mehr als nur die Fakten der Bevölkerungsdichte, sie erlauben weiterführende Aussagen zur Judenpolitik der jeweiligen Obrigkeiten. Da diese sehr wechselhaft war, ergibt sich in der Chronologie der Ansiedlung, Vertreibung und Wiederansiedlung vielfach ein chaotisch anmutendes Bild, das allerdings eine durchaus sinnhafte, systematische Ordnung auf der Karte gewinnt.

Das Projekt rekonstruiert diese siedlungsgeschichtlichen Entwicklungen in mehreren Zeitschnitten und auf verschiedenen Quellengrundlagen, die datentechnisch nach den einzelnen Orten erfasst und anschließend kartographisch verzeichnet werden. Den Ausgangspunkt bilden die Fundorte zu den bayerischen Siedlungen in der mittlerweile umfangreichen Literatur zu den einzelnen Judengemeinden, in einem zweiten Schritt wird das Repertorium des Münchner Bestandes der Reichskammergerichtsakten ausgewertet und in einem dritten Arbeitsschritt die Privilegien im Bestand ‚Gratialia’ der Wiener Reichshofratsakten. Diese erlauben vornehmlich einen Einblick in die wechselhafte Siedlungssituation des 16. Jahrhunderts, während die Montgelas Statistiken, die abschließend bearbeitet werden, die Situation zu Anfang des 19. Jahrhunderts dokumentieren. Die Verknüpfung einer ortsgeschichtlichen Datenbank mit einer mehrstufigen Siedlungskarte soll somit als Grundlage und Ausgangspunkt für weitere Forschungen zum frühneuzeitlichen Landjudentum dienen.