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Projekt „Normen und Sanktionen“ (Forschungspraktikum)

Projektleitung: Prof. Dr. Stefanie Eifler, Dr. Knut Petzold

Das alltägliche Zusammenleben in modernen, diversifizierten Gesellschaften wird zu einem nicht unerheblichen Teil durch informelle soziale Normen geregelt. Beispielsweise helfen Normen wie das Rechtsfahrgebot, Koordinationsprobleme im Straßenverkehr zu lösen und Normen der Fairness regeln kooperatives Verhalten im Alltag. Da die Einhaltung einer sozialen Norm jedoch mit Kosten verbunden ist, muss die Norm bei fehlender intrinsischer Motivation über Sanktionen durchgesetzt werden, die ebenfalls mit Kosten verbunden sind. Damit ergibt sich die Frage, welche Bedingungen die Durchsetzung sozialer Normen fördern.

Die Durchsetzung sozialer Normen wird häufig mithilfe von Labor- und Feldexperimenten untersucht, in denen reales Verhalten als Reaktion auf begangene Normbrüche beobachtet wird. Für viele soziologische Fragestellungen sind solche Designs jedoch aus ethischen oder forschungspraktischen Gründen nicht umsetzbar. Daher werden auch Befragungsdaten aus groß angelegten Erhebungen und surveyexperimentelle Forschungsdesigns eingesetzt. Ein zentraler Nachteil in der Untersuchung der Geltung und Durchsetzung sozialer Normen mittels Befragungen liegt jedoch in dem Umstand, dass nur selbstberichtete Verhaltensabsichten gemessen werden können. Bisherige Validierungsstudien, in denen mittels Vignetten gemessene Verhaltensabsichten mit unaufdringlich beobachtetem realem Verhalten verglichen wurden, haben allerdings nur die Einhaltung sozialer Normen untersucht und liefern darüber hinaus uneindeutige Befunde.

Die vorliegende Studie soll zu dieser Forschungslücke beitragen, indem die Bedingungen der Durchsetzung informeller Norm sowohl in Feld- und Vignettenexperimenten untersucht und die Ergebnisse anschließend miteinander verglichen werden. Es wird auf Szenarien zurückgegriffen, mit denen speziell Statuseffekte bei der Normdurchsetzung im Alltag erfasst werden können. Dabei handelt es sich um Varianten des bekannten Hup-Experiments, in dem die Bedingungen der Durchsetzung formeller und informeller Normen im Straßenverkehr und in der U-Bahn variiert werden. Handelt es sich bei den Feld- und Vignettenexperimenten um echte Experimente, in denen aufgrund der Manipulation und der Randomisierung keine Verzerrungen durch unbeobachtete Heterogenität zu erwarten sind, muss ihre Vergleichbarkeit auf der übergeordneten Ebene in der statistischen Analyse erst hergestellt werden. Erste Analysen lassen sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten in den erzielten Ergebnissen erkennen.