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11.10.19

400 Jahre Descartes in Deutschland: Deutsch-französische Tagung in Neuburg

Im November dieses Jahres jährt sich zum 400. Mal der Aufenthalt von René Descartes im „Herzogtum Neuburg“. Dort ereignete sich eine bedeutsame Wende im Leben des Philosophen. Unter dem Titel „Mirabilis scientiae fundamenta – Descartes en Allemagne“ veranstalten Prof. Dr. Walter Schweidler (Lehrstuhl für Philosophie an der KU), Prof. Dr. Vincent Carraud (Lehrstuhl für moderne Philosophie, Universität Paris IV-Sorbonne) und Privatdozent Dr. Markus Rothhaar (Fernuniversität in Hagen) vom 9. bis 12. November eine deutsch-französische Tagung. Veranstaltungsort ist der „Grüne Saal“ des Neuburger Schlosses. Das Programm der Tagung, die Forscher aus Frankreich, Deutschland, Italien, der Schweiz sowie auch China versammelt, umfasst auch einen kulturellen Teil: Der Schriftsteller Durs Grünbein, der die Ereignisse im Leben Descartes‘ literarisch aufgegriffen hat, wird aus seinen Werken lesen. Umrahmt wird diese Lesung von Musikwerken aus der Zeit Descartes‘, aufgeführt von Ensemble Musica aliter. Der Eröffnungsvortrag wird von Prof. Dr. Jean-Luc Marion (Mitglied der Académie française, Universität Paris-Sorbonne; University of Chicago) in deutscher Sprache gehalten. Zur Begrüßung sprechen Pierre Lanapats (Generalkonsul von Frankreich in München), Dr. Reinhard Brandl (MdB) und der Neuburger Oberbürgermeister Dr. Bernhard Gmehling.


René Descartes (1596-1650) Jan-Baptist Weenix—1643, Centraal Museum, Utrecht, NL.

Der Biograph von Descartes, Adrien Baillet, berichtet in seinem Werk über ein denkwürdiges Ereignis, das dem 23-jährigen Descartes 1619 widerfahren ist. Auf der Rückreise von der Kaiserkrönung in Frankfurt hielt Descartes sich im Herzogtum Pfalz-Neuburg im Winterquartier auf. Dort erkannte er am 11. November 1619 die Fundamente einer neuen „wunderbaren Wissenschaft“. In derselben Nacht wurde er laut Baillet von drei Träumen heimgesucht, die ihn in seinem Weg bestätigten. Die Ereignisse jener Tage und Nächte im Herzogtum Pfalz-Neuburg können insofern mit einem gewissen Recht als der Durchbruch des neuzeitlichen Denkens beschrieben werden. Der Philosoph entwickelte eine Haltung, die zunächst von einem völligen Zweifel an der Wahrheit ausgeht, die Tatsache des Zweifelns aber wiederum als Beweis für die Existenz des Individuums betrachtet: „Cogito, ergo sum“ („Ich denke, also bin ich“).

Die Neuburger Ereignisse bleiben dennoch für die Nachwelt ein Rätsel: Auch vier Jahrhunderte später sind in philosophiehistorischer wie systematischer Sicht viele Fragen offen. Das runde Jubiläum von 400 Jahren ist der Anlass, jene historischen Ereignisse wieder lebendig werden zu lassen. Die Neuburg Tagung wird sich vor ihrem Hintergrund mit jenem doppelten Grundlegungsereignis rund um die Entdeckung der Fundamente „einer“ oder „der“ neuen Wissenschaft befassen. Dabei geht es einmal darum, zu klären, von welcher Wissenschaft bei den mirabilis scientiae fundamenta überhaupt die Rede ist. Zum anderen werden die biographische und philosophiegeschichtliche Bedeutung der Ereignisse des November 1619 beleuchtet.

Durch Beiträge aus Literatur-, Kultur- und Geschichtswissenschaften sollen die Schilderung der Träume Descartes‘ auch auf Referenzen zu biblischen, antiken und mittelalterlichen Traumerfahrungen untersucht werden. Schließlich wird gefragt, welche Implikationen die neuesten Kenntnisse zum Frühwerk Descartes, die in den verschiedenen neuen Editionen greifbar werden, für die Rezeptionsgeschichte haben.

Eine Anmeldung für die Tagung ist noch bis zum 25. Oktober möglich über die Homepage www.descartes-in-neuburg.de, auf der sich auch detaillierte Informationen zu Programm und Referenten der Veranstaltung finden.

Die Tagung wird gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dem Bureau de Coopération Universitaire (BCU), der Deutschen Gesellschaft für französischsprachige Philosophie (DGFP), dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), dem Deutsch-Französischen Jugendwerk (OFAJ/DFJW), dem Centres d'études cartésiennes (Sorbonne Université), der Stiftung Cassianeum, der Ambassades de France in Berlin und in Bern, dem Zentrum für Forschungsförderung der KU sowie der Stadt Neuburg.