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09.01.20

Der Archaeopteryx ist zurück: Feierliche Wiedereröffnung des Eichstätter Jura-Museums

Ein Jahr lang war das Jura-Museum auf der Eichstätter Willibaldsburg geschlossen, nun können sich dort die Besucherinnen und Besucher wieder auf eine Zeitreise in die Erdgeschichte begeben: Mit einem feierlichen Festakt ist das Museum am Donnerstag wiedereröffnet worden. Die Resonanz auf die Veranstaltung, zu der rund 200 geladene Gästen kamen, zeugt von der Wertschätzung für das Museum und dessen Bedeutung – sowohl für die Region als auch darüber hinaus. Die Stiftung Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt hat zum Juli dieses Jahres die Trägerschaft der Einrichtung übernommen.


Freuten sich gemeinsam über die Wiedereröffnung des Jura Museums: Dr. Peter Beer (KU-Stiftungsratsvorsitzender), Prof. Dr. Gerhard Haszprunar (Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns), Prof. Dr. Gabriele Gien (Präsidentin der KU), Dr. Christina Ifrim (designierte Direktorin des Museums), Dr. Stephanie Armer (Geschäftsführerin des Museums) sowie Dr. Rolf-Dieter Jungk (Amtschef im Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst) (von links). (Fotos: Klenk/upd)

Freuten sich gemeinsam über die Wiedereröffnung des Jura Museums: Dr. Peter Beer (KU-Stiftungsratsvorsitzender), Prof. Dr. Gerhard Haszprunar (Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns), Prof. Dr. Gabriele Gien (Präsidentin der KU), Dr. Christina Ifrim (designierte Direktorin des Museums), Dr. Stephanie Armer (Geschäftsführerin des Museums) sowie Dr. Rolf-Dieter Jungk (Amtschef im Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst) (von links). (Fotos: Klenk/upd)

Musik auf Steinen: Die Musikprofessoren Daniel Mark Eberhard und Kathrin Schlemmer sowie Student Henrik Küpper spielten auf dem Lithophon.

Musik auf Steinen: Die Musikprofessoren Daniel Mark Eberhard und Kathrin Schlemmer sowie Student Henrik Küpper spielten auf dem Lithophon.

Rund 200 Ehrengäste aus Politik und Gesellschaft, Kirche und Wissenschaft wollten dabei sein, als am Donnerstag das Jura Museum nach einjähriger Schließung wiedereröffnet wurde.

Rund 200 Ehrengäste aus Politik und Gesellschaft, Kirche und Wissenschaft wollten dabei sein, als am Donnerstag das Jura Museum nach einjähriger Schließung wiedereröffnet wurde.

„Wir wollen ein Zeichen dafür setzen, dass es weitergeht mit diesem Museum und seinen einzigartigen Beständen. Deshalb haben wir beschlossen, mit einer Wiedereröffnung nicht bis zum Abschluss der Burgsanierung in einigen Jahren zu warten“, betonte KU-Präsidentin Prof. Dr. Gabriele Gien. Während der Schließung des Museums seien wichtige Arbeiten durchgeführt worden, um die Betriebssicherheit zu gewährleisten. Auch während der anstehenden Umbauphase solle die Einrichtung als hohes Kulturgut so lange wie möglich geöffnet bleiben. „Wir möchten das Museum und die Universität näher zusammenrücken lassen und als Brücke in die Gesellschaft und Wissenschaft hinein gestalten. Dazu hat bereits ein vielversprechender Austausch mit zahlreichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern stattgefunden“, so Gien. Von der Theologie über Archäologie und Geographie bis hin zu ästhetischer Bildung und Didaktik böten sich Anknüpfungspunkte. „Das Museum wird neben der Grundfinanzierung weitere Freunde und Förderer brauchen. Wir freuen uns, dass sich die Stiftung Sparkasse Eichstätt und die Baufamilie Meier bereits für eine Förderung bereiterklärt haben“, berichtete die Präsidentin. Als Förderer hinzugekommen ist außerdem die Treuchtlinger „Wilhelm und Christine Hirschmann-Stiftung“.

Stellvertretend für den bayerischen Ministerpräsidenten sowie den bayerischen Wissenschaftsminister beglückwünschte Dr. Rolf-Dieter Jungk (Amtschef im Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst) beim Festakt zur Eröffnung. „Die Willibaldsburg behält mit dem Museum einen ihrer Hauptanziehungspunkte. Die Ungewissheit hat ein Ende“, betonte Jungk im Rückblick auf die Gespräche zur künftigen Trägerschaft des Museums. Nun könne wieder eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen von Fossilien in Plattenkalken besichtigt werden. „Das Museum ist auf einem ganz hervorragenden Kurs!“

Als Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns dankte Prof. Dr. Gerhard Haszprunar allen Beteiligten bei Kirche, Staat und Universität für deren Engagement. „Das Museum ist eine Brücke zwischen Glaube, Wissenschaft und Wissensvermittlung an die breite Öffentlichkeit.“ Für den Träger der Katholischen Universität betonte der Stiftungsratsvorsitzende Dr. Peter Beer in einer anschließenden Gesprächsrunde, dass die Beschäftigung mit der Schöpfung auch zu Sinnfragen führe: „Das Museum ist für uns als Träger ein Gewinn und eine Chance, um Menschen zusammenzuführen.“ Die Sammlung des Museums geht zurück auf das Eichstätter Priesterseminar, das zuletzt auch die Trägerschaft der Einrichtung übernommen hatte. Der Regens des Priesterseminars, Michael Wohner, betonte, dass es weiterhin die Sammlung zur Verfügung und das Museum finanziell unterstützen werde und dankte für vier Jahrzehnte der Zusammenarbeit. Den Wert der Sammlung unterstrich der scheidende kommissarische wissenschaftliche Leiter des Museums, Prof. Dr. Andreas Nützel: „Viele Arten, die wir aus der Zeit vor 150 Millionen Jahren kennen, finden wir nur in den Plattenkalken aus der hiesigen Region. Die Sammlung hat somit eine wissenschaftliche Weltgeltung!“ Der Festakt bildete außerdem den Rahmen für einen Dank der Vertreter von Staat, Universität und Kirche an Nützel für dessen Engagement in der Interimszeit.

Zugleich wurde mit Privatdozentin Dr. Christina Ifrim die neue wissenschaftliche Leiterin vorgestellt, die zum 1. Februar ihr Amt antreten wird, sowie Dr. Stephanie Armer als Geschäftsführerin des Museums. „Es ist für mich eine unglaublich große Ehre, diese Aufgabe übernehmen zu dürfen. Mein Ziel wird es sein, Wissenschaft erlebbar zu machen“, erklärte Ifrim.

Anlässlich der Wiedereröffnung des Jura-Museums verkündete außerdem der Präsident der Paläontologischen Gesellschaft, Prof. Dr. Hans Kerb, dass der Urvogel Archaeopteryx von der Fachgesellschaft zum Fossil des Jahres gekürt wurde. Weltweit sind bislang lediglich 14 Exemplare dieses Fossils bekannt, eines davon auf der Willibaldsburg, das beim Festakt durch Professor Kerb feierlich enthüllt wurde. In einem Fachvortrag bezeichnet Prof. Dr. Oliver Rauhut von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, den Archaeopteryx als „Urmeter“ der Vogel-evolution. Neben dem Eichstätter Exemplar ist anlässlich der Wiedereröffnung derzeit darüber hinaus ein weiterer Archaeopteryx und ein der Urvogel „Alcmonavis poeschli“ als Leihgabe der Staatssammlung für Paläontologie und Geologie zu sehen. Zum Bestand des Jura-Museums gehört außerdem das weltweit einzige Exemplar des Raubdinosauriers Juravenator. Besonders sehenswert ist unter anderem auch der Aquarienraum mit dem „größten Korallenriff nördlich der Alpen“, das einen besonderen Bezug zu den Versteinerungen herstellt. Denn vor 150 Millionen Jahren war das heutige Bayern überdeckt von einem tropischen Meer mit Atollen und kleinen Inseln.

Passend zum Veranstaltungsort des Festaktes übernahmen Prof. Dr. Daniel Mark Eberhard, Prof. Dr. Kathrin Schlemmer und Henrik Küpper von der KU die musikalische Umrahmung auf Lithophonen. Diese sind im Gegensatz zu Xylophonen nicht mit Klangkörpern aus Holz, sondern geschliffenen Steinplatten ausgestattet, auf denen die Künstler an mehreren Orten des Museums Improvisationen zu den Themen Wasser, Luft und Erde – dem Lebensraum der ausgestellten Lebewesen – erklingen ließen. Die Instrumente werden künftig auch in der Museumsarbeit eingesetzt werden.

Das Juramuseum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet.