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14.11.19

Erster BESH-Legacy-Award für Prof. Dr. David Stewart

Das „KU Research Institute for Business and Economics in Service of Humanity“ (BESH) der KU hat am Mittwoch erstmals den von der Stadt Ingolstadt gestifteten „KU – Ingolstadt BESH Legacy Award“ an den US-amerikanischen Wissen-schaftler Prof. Dr. David Stewart verliehen. Der Preis wird künftig jährlich an einen internationalen Wissenschaftler aus den Wirtschaftswissenschaften vergeben, dessen Lebenswerk einen erheblichen Beitrag für Gesellschaft und Politik geleistet hat. Wie die Leitung des BESH betont, ist Professor Stewart „ein Vorbild für die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik“. Er habe Generationen von Wissen-schaftlern dazu inspiriert, Forschung mit „Impact“ zu betreiben, um einen positiven Beitrag für Gesellschaft und Menschheit zu leisten.


(v.l.) Ingolstadts Oberbürgermeister Dr. Christian Lösel überreichte den erstmals vergebenen BESH-Legacy-Award an Prof. Dr. David Stewart im Beisein von Laudator Prof. Dr. Shashi Matta (Mitbegründer des Forschungsinstituts BESH an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Ingolstadt und Professor für Business Administration, Innovation and Creativity). (Foto: Kastl/Stadt Ingolstadt)

„Die mit dem KU – Ingolstadt BESH Legacy Award geehrten Wissenschaftler zeichnen sich nicht nur dadurch aus, dass sie die akademische Gemeinschaft über hochkarätige Publikationen bereichern. Durch ihre Forschungsergebnisse sowie eine breite und verständliche Kommunikation befähigen sie auch Akteure aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft dazu, Entscheidungen zu treffen, die langfristig orientiert sind –verbunden mit dem Ziel, Regionen lebenswerter und die Welt ein wenig besser zu machen“, erklärt Prof. Dr. Shashi Matta (Mitbegründer des Forschungsinstituts BESH an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Ingolstadt und Professor für Business Administration, Innovation and Creativity).

„Mit den Forschungsarbeiten des Instituts Business und Economics in Service of Humanity werden Lösungsansätze für drängende Herausforderungen der Menschheit entwickelt. Sie sollen beitragen, auch den Menschen in unserer Region ein besseres Leben zu ermöglichen. Deshalb wird die Bevölkerung in die Aktivitäten des BESH und in die Entwicklungen und die Forschung an unseren Wissenschaftseinrichtungen einbezogen. Es gibt unter anderem eine Kooperation zur Bürgerbeteiligung zwischen der Katholischen Universität und der Stadt Ingolstadt, um die gesellschaftliche Akzeptanz der rasanten Entwicklung in vielen Bereichen der Wissenschaft zu erforschen bzw. zu fördern“, so Oberbürgermeister Dr. Christian Lösel.

In seiner Rede ging Professor Stewart auf das Thema „Privatsphäre und Persönlichkeit: Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft“ ein. „Insgesamt ist der Umgang mit Datenschutz und Privatsphäre oftmals schizophren. Das Konzept ‚Privatsphäre‘ ist diffuser und weniger greifbar als beispielsweise das Eigentumsrecht oder das Recht auf Leben“, so Stewart. Während das Öffnen fremder Post eine Straftat darstelle, sei aber die gesamte Internetaktivität gleichsam Freiwild für die Datenerhebung, zitierte er Microsoft-Gründer Bill Gates. Privatsphäre und damit zusammenhängende Aspekte seien ursprünglich kein Produkt des digitalen Zeitalters. So sei die Epoche der Aufklärung ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Anerkennung von Privatsphäre gewesen, da wir erst dann begannen, uns als Individuen mit individuellen Rechten zu begreifen. „Bis in die 1960er Jahre bewegte sich dann fast jede Debatte um Privatsphäre zunächst im Kontext des Eigentumsrechts – man darf etwa mein Grundstück nicht betreten oder mich nicht in meinem privaten Raum durch meine Fenster beobachten.“ Aber dann habe sich diese Sichtweise geändert – teilweise ausgelöst durch die Einführung neuer Technologien, so dass die Wahrnehmung von Privatsphäre nicht mehr länger nur im Zusammenhang mit privatem Eigentum gestanden habe.

Allgemein betrachtet grenze Privatsphäre die Individuen von Staat und Unternehmen ab, so dass die Einzelpersonen selbst entscheiden selbst, wen sie wie weit in ihre Privatsphäre vorlassen und welche Informationen sie preisgeben. „Aus dieser Perspektive betrachtet ist der Begriff „Privatsphäre“ eigentlich ungeeignet. Es geht vielmehr um Konzepte wie Freiheit, Autonomie und Selbstbestimmung des Individuums und darum, dass man so sein darf wie man ist, dass die Gedanken frei sind und dass man im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen ohne Einschränkungen handlungsfähig ist“, so Stewart.

Die Verbraucher müssten im digitalen Zeitalter vollständig informiert werden, um Kontrolle auszuüben und um unsere fundierte Einwilligung erteilen zu können: Welche Informationen werden zur Verfügung gestellt – und wem, zu welchem Zweck, über welchen Zeitraum hinweg, zu welchem Preis und für wie lang? Abschließend forderte der Preisträger: „Die Aufgabe von Forschung im Bereich Marketing wird es sein, eine auf den Verbraucher fokussierte Definition von Privatsphäre zu schaffen, die in der Definition des Selbst verankert ist. Der Verbraucher muss die Kontrolle haben.“

Über den Preisträger:

Prof. Dr. David Stewart ist „President‘s Professor for Marketing and Law“ der Loyola Marymount University in Los Angeles. Er ist ein ausgewiesener Wissenschaftler und Vordenker, der über 250 Veröffentlichungen in renommierten Fachzeitschriften und 12 Bücher verfasst hat und somit einen wertvollen Beitrag auf dem Weg zur Klärung der dringlichsten sozialen Fragestellungen unserer Zeit geleistet hat. Er war Herausgeber von drei führenden internationalen Fachzeitschriften im Bereich der Wirtschaftsforschung und diente als Mentor für unzählige Wissenschaftler (allesamt heutige Professoren) und tausende BWL-Studierende (mittlerweile viele auf Führungspositionen in Wirtschaftsunternehmen). Stewart erhielt bereits zahlreiche Lifetime Achievement Awards und ist nach wie vor sehr erfolgreich in Forschung und Lehre aktiv. Er war Mitglied in zahlreichen Aufsichtsräten und Vorständen.

Über das „KU Research Institute for Business and Economics in Service of Humanity“ (BESH)

Mit dem Forschungsinstitut „Business and Economics in Service of Humanity“ (BESH) hat im Juni dieses Jahres an der KU ein in dieser Form deutschlandweit einmaliges Forschungsinstitut seine Arbeit aufgenommen. Es bündelt die Kompetenzen von vier Lehrstühlen aus den Bereichen Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Ingolstadt (WFI) der KU. Im Zentrum des Forschungsinteresses stehen dabei insbesondere die Bereiche Gesundheit und allgemeines Wohlbefinden, Bildung, Migration, Einkommensverteilung, finanzielle Bildung, verantwortungsvoller Konsum, Weiterbildung von Arbeitskräften sowie der Aufbau intelligenter und nachhaltiger Dienstleistungen. Gründer des BESH sind Prof. Dr. Alexander Danzer (Lehrstuhl für Mikroökonomik), Prof. Dr. Jens Hogreve (Lehrstuhl für Dienstleistungsmanagement), Prof. Dr. Shashi Matta (Lehrstuhl für Business Administration, Innovation and Creativity) und Prof. Simon Wiederhold (Lehrstuhl für Makroökonomik).