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04.10.19

Flucht und Migration zwischen Traum und Trauma

Schon ein kurzer Besuch auf der diesjährigen Kunstbiennale in Venedig lässt die Brisanz der Auseinandersetzung mit Flucht und Migration erkennen, nicht zuletzt auch mit Blick auf die hitzigen Debatten, die darüber jüngst in den Feuilletons der großen Zeitungen weltweit geführt wurden. Umso notwendiger erscheint es daher, dieses dringliche Thema auch in einer historischen Perspektive zu analysieren. Unter dem Titel "Über die Flucht. Geschichte und Ästhetik eines Traum(a)s am Beispiel Venedigs" hat in Venedig am Deutschen Studienzentrum/Centro Tedesco di Studi Veneziani im Palazzo Barbarigo della Terrazza ein siebentägiger Studienkurs stattgefunden. Geleitet wurde er von PD Dr. Marita Liebermann (akademische Oberrätin am Lehrstuhl für Romanistik I und derzeit Direktorin des Deutschen Studienzentrums Venedig) und von Dr. Dominik Brabant (Akademischer Rat am Lehrstuhl für Kunstgeschichte).


Im Rahmen des Studienseminars besuchten dessen Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem auch die Biennalein Venedig. (Foto: Brabant/upd)

Im Rahmen des Studienseminars besuchten dessen Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem auch die Biennalein Venedig. (Foto: Brabant/upd)

Insgesamt 15 deutschsprachige Studierende im Masterstudium sowie Doktorandinnen und Doktoranden aus den Fächern Geschichte, Literaturwissenschaften, Philosophie, Kunstgeschichte und Kulturwissenschaften waren eingeladen, gemeinsam mit den Leitern des Studienkurses sowie weiteren Dozierenden aus der Byzantinistik, der politischen Philosophie und der Architekturgeschichte die Lagunenstadt als ein Gebilde aus vielartigen Fluchtbewegungen zu untersuchen. An ausgesuchten Beispielen von realen und mythisch-fiktiven sowie metaphorischen Formen der Flucht von Einzelnen (wie zum Beispiel dem Architekten und Bildhauer Jacopo Sansovino) oder von Kollektiven wurden zentrale Momente der venezianischen Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart, venezianische Kunst und an Venedig geknüpfte Imaginarien untersucht. Als selbstverständlich geltende Kulturzusammenhänge konnten dabei neu reflektiert werden. In diesem Sinne und darüber hinaus bezog sich die Neubetrachtung punktuell auch auf Migrationsdiskurse von heute, in denen Flucht oft als Stigma erscheint. Ergänzt wurde das Seminar durch eine Reihe von Exkursionen, die die TeilnehmerInnen zu für die Fluchtthematik herausragenden Orten führte – von der Markusbasilika bis zum jüdischen Ghetto, vom Dogenpalast bis zu Biennale, auf der aktuelle Positionen der Gegenwartskunst besichtigt und gemeinsam kritisch diskutiert werden konnten.