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22.05.15

„Hier wächst Forschung“: Studierende untersuchen Eichstätter Klima mit Erbsenpflanzen

Jeweils drei Pflanztöpfe mit der Aufschrift „Hier wächst Forschung“ finden sich derzeit an 40 Standorten in und um Eichstätt. Aufgestellt haben sie Studierende des Masterstudiengangs „Umweltprozesse und Naturgefahren“ an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Denn nicht mit Thermometern, sondern mit Hilfe von Erbsenpflanzen untersuchen vier Studentinnen und Studenten derzeit das Mikroklima in Eichstätt. Betreut werden sie dabei von der Professur für Landschaftsökologie und nachhaltige Ökosystementwicklung (Prof. Dr. Susanne Jochner).


An 40 Standorten in und um Eichstätt stehen derzeit Blumentöpfe mit Erbsensprösslingen, um die Auswirkungen des Mikroklimas auf die Entwicklung der Pflanzen zu untersuchen. (Foto: Marquardt/upd)

Alle zwei Tage untersuchen die Studierenden (hier: Kira Rehfeldt) die Erbsen auf Wuchshöhe und Phänologie. Falls es nicht regnet müssen die Töpfe zusätzlich mit einer einheitlichen Menge an Wasser gegossen werden (Foto: Marquardt/upd).

„Der Naturschutz in der Stadt geht über den reinen Arten- und Biotopschutz hinaus: Auch die Analyse der Elemente Boden, Wasser, Luft und Klima sind wichtig zur Bewertung von Stadtökosystemen“, erklärt Jochner. Als kostengünstige Alternative zu teuren Messgeräten lassen sich anhand der Entwicklungsstadien von Pflanzen Rückschlüsse auf mikroklimatische Unterschiede innerhalb einer Stadt ziehen. Denn das Wachstum der Erbsen wird größtenteils von der Temperatur gesteuert. Für ein repräsentatives Versuchsdesign wurden 40 Standorte ausgewählt. Alle zwei Tage halten die Studierenden das phänologische Entwicklungsstadium fest, messen die Höhen der Pflanzen, fotografieren die Töpfe und bewässern sie je nach Witterung gleichmäßig.

Bereits nach 19 Untersuchungstagen sind erste Ergebnisse erkennbar: Die Pflanzen wachsen schneller auf versiegelten Standorten als im weniger oder nicht-versiegeltem Umland. „Versiegelte Flächen unterscheiden sich in ihrer Wärmespeicherkapazität und –leitfähigkeit von z.B. Wiesen, wärmen sich also schneller auf und speichern die Wärme auch länger. Deshalb ist in Städten die Temperatur generell erhöht“, erklärt Jochner. Mit der Fragestellung, inwieweit sich Klimaunterschiede im kleinflächigen Raum auf die Phänologie der Markerbse auswirken, werden sich die vier Studierenden bis zur Blüte der Pflanzen befassen. Nach Abschluss des Freilandexperiments werten sie die erhobenen Daten hinsichtlich der Wachstumsunterschiede zwischen Standorten auf versiegelten Flächen sowie Standorten „im Grünen“ aus. Als weitere Parameter werden neben dem Versiegelungsgrad unter anderem die potentielle Sonnenscheindauer sowie die unterschiedlichen Höhenlagen der Standorte in die statistischen Auswertungen miteinbezogen.