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22.03.17

Kunststoffe im Fisch: Masterstudentin untersucht Mikroplastik in der Ostsee

Drei Viertel des Mülls in den Meeren besteht laut Umweltbundesamt aus Kunststoffen. Wie sich insbesondere so genanntes Mikroplastik entlang der deutschen Ostseeküste verteilt, hat die Masterstudentin Kira Rehfeldt für ihre Abschlussarbeit im Fach Geographie an der KU untersucht, bei der sie von Prof. Dr. Michael Becht (Lehrstuhl für Physische Geographie) betreut wurde. In allen entnommenen Proben konnte Rehfeldt diesen Plastikmüll nachweisen, dessen Partikel kleiner als fünf Millimeter sind.


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Probenentnahme aus der Ostsee an Bord des Forschungsschiffes "Aldebaran" (Foto: Rehfeldt)

Kira Rehfeldt

Mikroplastik lässt sich mittlerweile weltweit in Fischen und der folgenden Nahrungskette nachweisen. Neben Abfall, der auf See über Bord gekippt wird, gelangt ein Großteil des Mikroplastiks zum Beispiel über Abwässer ins Meer: Aus dem häuslichen Bereich stammen insbesondere Mikroplastikperlen aus der Kosmetik oder synthetische Fasern aus der Wäscherei. „In einem Kleidungsstück aus Fleece oder Polyesterfasern werden zum Beispiel beim ersten Waschgang 1.900 Fasern freigesetzt, die dem Abwasser wieder entzogen werden müssen. Allerdings können in den Kläranlagen nicht sämtliche Mikroplastikpartikel herausgefiltert werden“, so Rehfeldt.

Für ihre Masterarbeit hat sie an Bord des Forschungsschiffes „Aldebaran“ von Travemünde über Rostock bis zur Insel Hiddensee und den Bodden bis nach Ribnitz-Damgarten insgesamt 16 Mikroplastikwasserproben aus den oberen 15 Zentimeter der Ostsee genommen. Die anschließende Analyse unter dem Mikroskop ergab, dass in allen Proben Mikroplastikpartikel und -fasern nachweisbar waren. „An Einbuchtungen der Küste und im Einmündungsbereich des Flusses Warnow habe ich erhöhte Partikelkonzentrationen festgestellt. Grund hierfür sind wohl die Strömungsverhältnisse in diesem Bereich sowie der Zu- und Abstrom der Warnow“, so Rehfeldt.

Außerdem stellte sie mithilfe eines speziellen Verfahren fest, welche Plastikarten sich in den Proben befanden, die zu 70 Prozent aus Polyethylen (PE) bestanden, die anderen hauptsächlich aus Polypropylen (PP) und Polystyrol (PS). Die Partikel waren meist kleiner als 1,5 Millimeter. Speziell der hohe Anteil an Polyethylen lasse sich darauf zurückführen, dass dieser Kunststoff bereits seit Ende der 1930er-Jahre verfügbar sei. Auch wenn man das Untersuchungsgebiet mehrfach unter die Lupe nehmen müsste, um repräsentative Ergebnisse zu erhalten, lassen Rehfelds Ergebnisse von der Ostsee im Vergleich zu anderen Gewässern auf eine geringe bis durchschnittliche Konzentration von Mikroplastik schließen.

Für sich selbst hat Rehfeldt Konsequenzen für den Umgang mit Kunststoff gezogen: „Da in einigen Studien bereits Mikroplastikpartikel in den Fischbeständen nachgewiesen werden konnten, versuche ich weitgehend dieses Nahrungsmittel zu vermeiden. Zudem bemühe ich mich im Alltag, die Verwendung von Produkten aus Kunststoff zu reduzieren. Erst jetzt ist mir deutlich geworden, dass es kaum noch möglich ist, ein Leben ohne den Konsum von Plastik zu führen.“ Für eine vielversprechende Alternative hält sie die Produktion von Biopolymeren, welche sich biologisch abbauen lassen.