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29.08.19

Neue Buchreihe zu lateinischer Literatur der Spätantike

Die Zeit der Spätantike ist von der Forschung in jüngster Zeit als Epoche des Übergangs neu entdeckt worden. Die Vielfalt der Veränderungen zwischen dem dritten und siebten Jahrhundert spiegelt sich auch in der damaligen Literatur wider, der sich die neue Reihe „Bibliothek der lateinischen Literatur der Spätantike“ widmet. Herausgeber sind Prof. Dr. Bardo Maria Gauly (Lehrstuhl für Klassische Philologie an der KU) und sein Kollege Prof. Dr. Alexander Arweiler von der Universität Münster.


(v.l.) Prof. Dr. Bardo Maria Gauly und Prof. Dr. Friedrich Heberlein präsentieren den ersten Band der neuen Reihe „Bibliothek der lateinischen Literatur der Spätantike“. (Foto: Schulte Strathaus/upd)

Bei der Auswahl der Texte spielen – wie die Herausgeber in ihrem Vorwort zum ersten nun erschienenen Band betonen – keine disziplinären Interessen etwa von Theologie, Geschichte oder Klassischen Philologie eine Rolle. Vielmehr wolle man einer literarisch interessierten Leserschaft durch zweisprachige Ausgaben einen Zugang zu Vielfalt, Formen- und Gedankenreichtum dieser Periode eröffnen. „Wir verstehen das literarische Feld der lateinischen Spätantike als in hohem Maß differenzierten Kommunikationsraum, der sich vom Westen des europäischen Kontinents über Nordafrika bis in den griechischen Osten erstrecken konnte“, so Gauly und Arweiler. Ein Ziel der Reihe sei daher, die Vielfalt der Antworten zu entdecken, die sich in den Texten auf tiefgreifende soziale, politische, religiöse und intellektuelle Herausforderungen der damaligen Zeit wiederzuentdecken.

Der erste Band der „Bibliothek der lateinischen Literatur der Spätantike“ ist der erstmals in deutscher Übersetzung erschienene Kommentar des Macrobius zu Ciceros „Somnium Scipionis“. Prof. Dr. Friedrich Heberlein (Honorarprofessor für Lateinische Sprachwissenschaft an der KU) hat dabei einen der wirkungsmächtigsten Texte der Antike bearbeitet. Entstanden um 430 n. Chr. als philosophische Einführungsschrift eines hochrangigen römischen Politikers für seinen Sohn, wurde er über ein Jahrtausend als Kompendium der neuplatonischen Philosophie, vor allem aber als Kompendium der Traumtheorie, Arithmologie, Astronomie, Geographie und Musiktheorie der Antike gelesen. Heberleins Übersetzung macht Macrobius' Text erstmals einem breiteren Publikum zugänglich – ist doch die Sprache des Werkes weit vom klassischen Latein entfernt. Der beigefügte Lesetext auf der Basis der Ausgabe von Armisen-Marchetti erleichtert zudem eine Überprüfung des Originalwortlautes. Ein einführender Essay aus der Feder des bekannten Platonismusforschers Christian Tornau bietet außerdem eine grundlegende Orientierung über den Charakter des Werks.

Friedrich Heberlein (Hrsg.): Macrobius Ambrosius Theodosius: Kommentar zum "Somnium Scipionis" (Bibliothek der lateinischen der Spätantike, Band 1). Stuttgart 2019 (Franz Steiner Verlag), 54 Euro.