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18.05.20

Prof. Dr. Karin Scherschel neue Professorin für Flucht- und Migrationsforschung

Prof. Dr. Karin Scherschel ist erste Inhaberin der neuen Professur für Flucht- und Migrationsforschung an der KU. Sie ist zugleich neue wissenschaftliche Leiterin des Zentrums Flucht und Migration an der KU. Als Soziologin beschäftigt sich Professorin Scherschel unter anderem mit Fragen von Flucht und Asyl, Migration, Rassismus sowie sozialer Ungleichheit und Teilhabe.


(Foto: privat)

„Zwar war ich begleitend zu meinem Studium in der Sozialen Arbeit tätig, mich hat aber immer besonders der analytische Blick auf die Themenstellungen dieses Bereiches interessiert“, sagt Karin Scherschel, die in Saarbrücken und Bielefeld Soziologie studierte. Im Jahr 2003 wurde sie promoviert mit einer Arbeit zu rassistischen Argumentationsfiguren und habilitierte 2014 über das Thema „Prekäre Positionen in der Asyl- und Fluchtmigration. Studien zur Bedeutung staatlicher Regulierungen für soziale Ungleichheit“. Sie lehrte und forschte an Universitäten und Hochschulen in Wiesbaden, Duisburg-Essen, Linz, Magdeburg, Jena und Wien. An der Universität Jena hatte Professorin Scherschel die stellvertretende Leitung des Teilprojektes „Entsteht eine neue Unterschicht?“ im Rahmen eines DFG-Sonderforschungsbereiches inne. Vor ihrer Berufung an die KU war sie als Peter-Ustinov-Gastprofessorin am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien tätig.

„Die wissenschaftliche Arbeit zu Flucht und Migration hat in den vergangenen Jahren eine verstärkte Institutionalisierung erfahren. Der Bedarf und die Nachfrage für Expertise haben zugenommen. Verbunden damit ist aber auch eine Gratwanderung zwischen den Ansprüchen von Wissenschaft und Politik“, so Scherschel. Zudem sei in den vergangenen Jahrzehnten – besonders seit 2015 – eine große ehrenamtliche Szene entstanden, die sich praktischen Herausforderungen von Flucht und Migration annehme und ebenfalls Gegenstand der Forschung sei. Nicht mehr das Misslingen, sondern das Gelingen von Integration stehe im Mittelpunkt der Wahrnehmung – so gestalte sich im Vergleich zu früheren Zeiten etwa der Arbeitsmarktzugang für Fluchtmigranten weniger schwierig. „Ich bin jedoch eine große Anhängerin eines Integrationsverständnisses, das über den Arbeitsmarkt hinaus geht. Zudem beschränkt sich der Integrationsbegriff nicht auf Migration, sondern auf die generelle Frage von Teilhabechancen von Menschen in einer Gesellschaft. Die Frage der Integration spielt etwa auch bei rechtspopulistischen Gruppierungen eine große Rolle“, betont Professorin Scherschel.

 

Als Leiterin des Zentrums Flucht und Migration an der KU will sie dessen Forschung weiter vorantreiben und auch die Idee des Transfers in die Gesellschaft stärken, da das ZFM aus dem Anliegen von praktischer Hilfe für Geflüchtete heraus entstanden sei. Scherschel erklärt: „Gerade dieser starke Praxisbezug zeichnet das Zentrum aus und unterscheidet es von anderen Einrichtungen.“ Das „tolle Team“ des ZFM stimme sie positiv für ihre Vorhaben. Ihren Studierenden möchte Scherschel umfassend und wissenschaftlich fundiert auf mögliche Berufsfelder im Bereich von Flucht und Migration vorbereiten sowie darüber hinaus Lust machen auf das wissenschaftliche Arbeiten.