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22.02.18

Shalompreis 2018 geht an Syrisches Zentrum für Medien- und Meinungsfreiheit (SCM)

Der Arbeitskreis Shalom für Gerechtigkeit und Frieden an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt verleiht den Shalompreis 2018 an das SCM. Das „Syrian Center for Media and Freedom of Expression“ setzt sich für die Meinungs- und Medienfreiheit sowie einen zivilgesellschaftlichen Wandel zu einer Demokratie in Syrien ein. Das SCM mache Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen in Syrien öffentlich, bringe sie vor Gericht und setze sich für inhaftierte Medienschaffende und Schriftsteller ein, begründet der AK Shalom die Wahl. Der Shalompreis ist einer der höchstdotierten Menschenrechtspreise Deutschlands und wird rein aus Spenden finanziert.


Die Preisträger: Mazen Darwish und seine Frau Yara Bader vom „Syrian Center for Media and Freedom of Expression“

Die Preisträger: Mazen Darwish und seine Frau Yara Bader vom „Syrian Center for Media and Freedom of Expression“ (Foto: Daniel Weu).

Zur feierlichen Preisverleihung am 23. Juni in der Eichstätter Sommerresidenz erwartet der Arbeitskreis den SCM-Gründer Mazen Darwish (43) und seine Frau Yara Bader (32). Darwish ist Menschenrechtsanwalt und Journalist. Nach der Rückkehr aus dem Exil in Frankreich gründete er 2004 das SCM und wurde in der Folge mehrmals verhaftet. „Zu Beginn der Syrienkrise und des friedlichen Aufstandes gegen die Diktatur im Jahr 2011 inhaftierte, folterte und tötete die Assad-Regierung wahllos Menschen. Über diese Menschenrechtsverletzungen berichtete der SCM“, schreibt der AK Shalom. Im Februar 2012 wurde das Büro der Pressefreiheitsorganisation in Damaskus gestürmt. Darwish und mehrere Mitarbeiter, darunter seine Frau Yara Bader verschwanden in Gefängnissen. Einige wurden nach ein paar Tagen freigelassen, Bader nach drei Monaten. Mazen Darwish wurde ohne Anklage dreieinhalb Jahre in verschiedenen Militärgefängnissen und unterirdischen Verliesen des Geheimdienstes festgehalten und gefoltert.

Die Theaterwissenschaftlerin und Journalistin Yara Bader setzte sich zunächst aus dem Exil im Libanon, dann von Europa aus für die Freilassung ihres Mannes sowie zahlreicher weiterer politischer Gefangener ein. Mitte 2015 kam Darwish nach einer Amnestie frei – die Anklage „Terrorismus“ wurde nicht fallengelassen. Da Darwish weiter über Menschenrechtsverletzungen berichtete – über die Kriegsverbrechen des Regimes ebenso wie über die von radikalen Kämpfern – war die Arbeit in Syrien nicht mehr möglich. Bader überzeugte ihren Mann, ins Exil zu gehen. Seit 2015 leben Yara Bader und Mazen Darwish in Berlin und führen die Arbeit des SCM von dort aus weiter.

Das SCM arbeitet eng mit der Ende 2016 gegründeten UN-Behörde IIIM (International Impartial and Independent Mechanism) zusammen, außerdem mit der Unabhängigen Internationalen Untersuchungskommission für Syrien und mit „Reporter ohne Grenzen“. Im Einsatz für die Menschenrechte ist es dem SCM nach eigenem Bekunden insbesondere wichtig, dass Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Daher dokumentiert das Zentrum Verbrechen und hört Zeugen sowie Opfer an.

Nach dem Weltrechtsprinzip ist das nationale Strafrecht auch auf Sachverhalte anwendbar, die keinen spezifischen Bezug zum Inland haben und auch wenn weder Täter noch Opfer die Staatsangehörigkeit des betroffenen Staates besitzen. Die Straftat muss sich gegen international geschützte Rechtsgüter richten. Im März 2017 hat der SCM erste Anklage beim Generalbundesanwalt gegen sechs hochrangige Mitarbeiter des syrischen Geheimdienstes eingereicht. Die deutsche Justiz hat die Arbeit aufgenommen.

Das SCM und seine Arbeit präsentiert der Arbeitskreis Shalom am Sonntag, 25. Februar 2018, um 10.45 Uhr im Rahmen des Auftaktgottesdienstes der diesjährigen Shalom-Aktion im Salesianum Eichstätt.

Der AK Shalom arbeitet ehrenamtlich, seine Mitglieder sind Eichstätter Studierende und Bürgerinnen. Ihr Ziel ist es, einen Beitrag für die Wahrung der Menschenrechte und den weltweiten Frieden zu leisten. Jedes Jahr rückt dabei thematisch ein Land bzw. eine Region in den Mittelpunkt des Interesses. Der Shalompreis ist einer der höchstdotierten Menschenrechtspreise in Deutschland. Das Preisgeld wird ausschließlich aus Spenden zusammengetragen – in den vergangenen Jahren immer mehr als 20.000 Euro. Der letztjährige Preisträger Father Shay Cullen und sein Projekt „Preda“ auf den Philippinen erhielten die bis dato größte Spendensumme von 30.500 Euro.

Weitere Informationen, auch zum Spendenkonto des AK Shalom unter www.ak-shalom.de