Sie befinden sich hier: KU.de  Kommunikation  Für Journalisten  Presseinformationen

24.06.18

Shalompreis für Syrian Center for Media and Freedom of Expression

Die syrische Journalistin und Menschenrechtlerin Yara Bader hat im Rahmen eines Festaktes an der KU den Shalompreis 2018 des Arbeitskreises für Gerechtigkeit und Frieden entgegengenommen. Zusammen mit ihrem Ehemann Mazen Darwish erhielt sie die Auszeichnung für ihre Arbeit beim Syrian Center for Media and Freedom of Expression (SCM).


Shalompreis für Syrian Center for Media and Freedom of Expression

Verleihung des Shalompreises 2018 an Yara Bader (Vierte von links) vom Syrian Center for Media and Freedom of Expression. Foto: AK Shalom

Mazen Darwish, renommierter Menschenrechtsanwalt und Journalist, hatte das SCM 2004 gegründet. Er setzt sich seit vielen Jahren für Meinungsfreiheit, die Dokumentation der fortdauernden Menschenrechtsverletzungen und die Anhörung von Zeugen sowie eine Anklage der Täter ein.

An der feierlichen Preisverleihung im Holzersaal der KU nahmen der Schirmherr der Aktion, Oberbürgermeister Andreas Steppberger, der Vizepräsident der KU, Prof. Dr. Markus Eham, die Vorsitzende des Hochschulrates, Barbara Loos, sowie Gerhard Rott als Vertreter des Referats Weltkirche des Bistums Eichstätt teil. Die Laudatio hielt der Publizist, Journalist, Politiker und ehemalige Kulturstaatssekretär Professor Michael Naumann.

Mazen Darwish konnte aus terminlichen Gründen nicht anwesend sein. Derzeit laufen mehrere Anklagen gegen sechs hochrangige Geheimdienstoffiziere des Regimes in Damaskus. In diesen Fällen ist er als Anwalt tätig. Zusammen mit den European Centers for Human and Constitutional Rights (ECCHR) wurde in Deutschland erstmals Anklage gegen einen Generalmajor des Luftwaffengeheimdienstes erhoben. Generalbundesanwalt Peter Frank erließ einen internationalen Haftbefehl. Nach dem Weltrechtsstaatsprinzip ist dies möglich.

In einem im März 2018 in München aufgezeichneten Video mit einem Mitglied des AK Shalom sprach der 44-jährige Journalist von der Verhaftung 2012, den folgenden dreieinhalb Jahren Folter in unterirdischen Verliesen und von seinem Wunsch, nach seiner Freilassung sich weiter für die juristische Aufarbeitung, für die Freilassung der Gefangenen und eine zivile Gesellschaft in Syrien einsetzen zu wollen. Yara Bader betonte in ihrer Rede in Eichstätt, dass sie nicht aufhören würden, sich für die Gefangenen und Folteropfer in Syrien einzusetzen. Als Tochter eines Journalisten, der zwölf Jahre in syrischen Gefängnissen saß, habe sie von Anfang an gewusst, wie gefährlich es in Syrien sei, sich für die Freiheit des Wortes einzusetzen. „Es war mir bewusst, dass der Preis, sich für die Wahrheit einzusetzen, in Syrien sehr hoch ist. Es bedeutet, in den Untergrund gehen zu müssen oder ins Gefängnis und möglicherweise nie mehr das Licht sehen zu können.“

Die Preisträgerin sprach ihre große Dankbarkeit dafür aus, dass sie und ihr Mann seit Oktober 2015 im Exil in Berlin die Arbeit des Zentrums für Medien- und Meinungsfreiheit weiterführen könnten. Sie hob hervor, dass Generalbundesanwalt Peter Frank als erster Ankläger weltweit einen Haftbefehl gegen ein hochrangiges Mitglied des Regimes in Syrien erließ. Dass Deutschland im August 2015 die Grenzen für Flüchtlinge nicht schloss, erfülle sie mit großer Dankbarkeit.

Oberbürgermeister Andreas Steppberger erklärte, der Preis gehe in diesem Jahr an eine Organisation und an Menschen, die ihn mehr als verdient hätten. Mit größtem Respekt verneige er sich vor dem Mut der Preisträger. Im Anschluss an sein Grußwort überreichte Steppberger Yara Bader eine bronzene Friedenstaube des Landshuter Künstlers Richard Hillinger, der sie als Symbol für die UN-Menschenrechtscharta gestaltete. „Diese Friedenstaube soll nun zu Ihnen fliegen und Ihr Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und Ehrfurcht vor dem Leben würdigen“, so Steppberger.

KU-Vizepräsident Eham sagte in seiner Ansprache: „Man denkt sich offenbar in bestimmten Kreisen Nationalstaaten als gefährdungssicher abgeriegelte Festungen ihrer Besitzer. Zieht man so die Grenzen des Wahrnehmens und Denkens entsprechend eng, haben die sogenannten einfachen Lösungen Hochkonjunktur.“ Hingegen spreche Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato Si‘“ vom gemeinsamen Haus der Menschheit, in dem die Würde aller Menschen unveräußerlich sei. Diözesanreferent Gerhard Rott sprach im Namen des Bistums Eichstätt den Respekt für die Arbeit des SCM aus und warb um Spende für den Arbeitskreis und damit für die diesjährigen Preisträger.

Laudator der Preisverleihung war der ehemalige Kulturstaatssekretär Michael Naumann. Als Journalist und Verleger hat er sich stets für die Meinungsfreiheit eingesetzt. Außerdem sind Naumann und seine Frau mit den beiden Preisträgern eng verbunden. Schon während der Kampagne zur Freilassung von Mazen Darwish unterstützten sie die Menschenrechtler, in Berlin halfen sie Darwish und seiner Frau beim Neuanfang. Naumann erinnerte an den Artikel 5 der Menschenrechtserklärung: „Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.“

Wer an die universalen Normen der Menschenrechte glaube, dürfe den syrischen Journalisten und Rechtsanwalt Mazen Darwish und die Journalistin Yara Bader zu den aufgeklärten Verteidigern der Pressefreiheit zählen, die für ihre Standfestigkeit ihr Leben aufs Spiel gesetzt hätten. „Sie zu ehren, ist in Wirklichkeit eine Ehre für uns alle.“

Naumann wies darauf hin, dass bis zu 50000 Menschen in der Türkei als politische Gefangene gehalten würden. Dies zeige, welche Folgen ein Verfall der Justiz habe. „Wo die Kritik an den Machenschaften der Herrschenden unterbunden wird mit all den Möglichkeiten, die zumal Polizeistaaten zur Verfügung stehen, wo von der Zensur bis zum Terror alles unternommen werden kann, was dem Machterhalt der Gewählten oder Nichtgewählten an der Staatsspitze dient, gleitet jeder Staat früher oder später ab in Unterdrückung, Unfreiheit und soziales Elend, wenn nicht gar Krieg.“

In ihrer Dankesrede sagte Yara Bader, sie wolle nicht verhehlen, Angst vor der Arbeit beim SCM gehabt zu haben. Diese sei jedoch unbedeutend im Vergleich zu der Angst, ein wie sie sagte „gebrochener Mensch ohne Träume und Visionen“ zu sein.

Die Arbeit des AK Shalom für Gerechtigkeit und Frieden an der KU, der seit 1981 besteht, geschieht ehrenamtlich. Studierende, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität sowie Bürgerinnen und Bürger Eichstätts engagieren sich für den Arbeitskreis. Alle Spenden gehen vollständig an die Preisträgerprojekte. Für das SCM kann noch bis September 2018 gespendet werden auf das Konto der Katholischen Hochschulgemeinde Eichstätt, Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte eG, IBAN: DE34 7216 0818 0109 6203 20, Kennwort: Shalomaktion 2018.