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23.01.18

Studierende unterwegs mit dem bayerischen Lawinenwarndienst

Nach mehreren Tagen mit ergiebigen Schneefällen herrscht in den bayerischen Alpen aktuell erhebliche Lawinengefahr. Verschärft wird die Lage durch die für die nächsten Tage angekündigte wärmere Witterung. Aber wie kommt es zu Lawinenabgängen, wie kann man sie vorhersagen und sich vor ihnen schützen? Mit diesen Fragen befassen sich Geographie-Studierende der KU in diesem Wintersemester im Modul „Schnee-, Lawinen- und Gletscherkunde“. Die Lehrveranstaltung beinhaltet neben einem theoretischen Teil auch Beiträge aus der Praxis, präsentiert durch drei externe Lehrbeauftragte des Lawinenwarndienstes Bayern. Höhepunkt ist eine zweitägige Geländeübung, zu der am vergangenen Freitag 40 Studierende gemeinsam mit Dozent Dr. Florian Haas vom Lehrstuhl für Physische Geographie in Richtung Alpen aufbrachen.


Geographie-Dozent Florian Haas präsentiert den Blocktest, der Einblick in die Schichten der Schneedecke und die zu erwartende Lawinengefahr. (Foto: Haas/upd)

Ziel am ersten Tag war das Skigebiet Spitzingsee, begleitet wurde die Exkursionsgruppe dabei von Walter Alkofer (Obmann der Lawinenkommission vom Schliersee) und Dr. Thomas Feistl (stellvertretender Leiter der Lawinenwarnzentrale). Vor Ort erhielten die Studenten Einblick in die Arbeiten einer Lawinenkommission: Wie werden Messdaten über die Schneesituation erhoben? Und wie wird daraus ein Lawinenlagebericht erstellt?

Bei heftigem Schneefall mussten die Geographie-Studenten selbst Hand anlegen und gemeinsam mit den Experten eine Abschätzung über die Lawinengefahr abgeben. Dazu gehörten neben der detaillierten Aufnahme der einzelnen Schneeschichten vor allem Tests, die Hinweise auf die Stabilität der Schneedecke und damit auf die Lawinengefährdung geben sollten. Teil des Standardverfahrens zur Stabilitätsüberprüfung ist der sogenannte kleine Blocktest, den Exkursionsleiter Florian Haas seinen Studenten vorführte: Ein definierter Schneequader wird durch Klopfen mit einer Schaufel nach und nach immer mehr belastet. Insgesamt konnten zwei Schwachschichten in der Schneedecke identifiziert werden. Die Eichstätter Gruppe legte sich damit auf eine erhebliche Lawinengefahr fest (Stufe 3 von 5), bei der bereits ein einzelner Skifahrer eine Lawine auslösen kann, und zeigte damit ihr Können: Tatsächlich entsprach dies genau der Gefährdungsstufe, die der Lawinenwarndienst für diesen Tag ausgegeben hatte.

Neben den Schneedeckenuntersuchungen gehört zu den Arbeitsaufgaben der Lawinenkommission auch die Überwachung der Lawinengefahr an der Spitzingseestraße, da hier vor allem nach starken Schneefällen mehrere Lawinenstriche die Straße bedrohen. Um die Lawinen im Gefahrenfall kontrolliert zu sprengen, arbeitet dort die modernste Lawinensprengbahn Europas. Deren Funktionsweise wurde der Exkursionsgruppe ebenfalls hautnah von zwei Sprengbeauftragten demonstriert.

Der zweite Exkursionstag stand ganz im Zeichen der Vertiefung des Gelernten. In kleinen Gruppen führten die Studierenden in der Nähe des Braunecks bei Lenggries eigenständige Schneedeckenuntersuchungen durch. Die während des Tages erhobenen Schneedeckendaten bilden die Grundlage für die benotete Semesterabschlussarbeit in diesem Modul.

Nähere Informationen zur Exkursion und zum Studium der Physischen Geographie sind unter www.umweltgeographie.de zu finden.