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10.12.18

Therapeutische Ansätze in der römischen Philosophie

In seinem Traktat „De ira“ (Über die Wut) analysierte der antike Autor Seneca einst verschiedene Gesichtspunkte dieses Affektes: Was versteht man unter Wut und wie entsteht sie? Soll man Wut in bestimmten Situationen zulassen? Ist Wut überhaupt vermeidbar? „Die Vermittlung praktischer Lebensweisheit war ein zentrales Ziel der sich als ,Lebenskunst‘ definierenden Philosophia Romana, die von antiken Autoren auf sehr unterschiedliche Weise angestrebt wurde“, erläutert Prof. Dr. Gernot Michael Müller (Professor für Klassische Philologie und Wirkungsgeschichte der Antike an der KU). Speziell die therapeutischen Ansätze in der römischen Philosophie standen nun im Zentrum eines Workshops der Arbeitsgemeinschaft „Philosophie in Rom“ an der KU.


Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, den USA und Frankreich tauschten sich bei einem Arbeitstreffen an der KU über therapeutische Aspekte in Werken römischer Philosophen aus. (Foto: Schulte Strathaus/upd)

Der Verbund ist Teil der Gesellschaft für antike Philosophie (Ganph) und wurde 2014 an der KU gegründet. Nun tagte die Arbeitsgemeinschaft erneut in Eichstätt. Die Ganph verbindet deutschsprachige und internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich aus philosophiegeschichtlicher, literaturwissenschaftlicher und kulturgeschichtlicher Perspektive mit der Erforschung der Philosophie in der Antike beschäftigen.

Die insgesamt zehn Vorträge zeigten, dass Philosophen wie Cato, Cicero oder Horaz das Potenzial verschiedenste literarische Ausdrucksformen – ob Dialog, Brief, Gedicht oder Traktat – nutzten, um ihren Lesern bei der Bewältigung seelischer Leiden und beim Umgang mit der eigenen Emotionalität zu assistieren. Die Wahl der Textgattung habe sich auf die jeweilige argumentative Struktur und Komposition ausgewirkt. Neben philosophischen kamen bei dem Treffen an der KU daher auch sprach-, literatur- und kulturwissenschaftliche Perspektiven zum Tragen. Zeitlich deckten die Beiträge das Spektrum von der späten Republik bis hin zur Spätantike ab.

Darüber hinaus wurde durch die Tagung deutlich, dass die Erforschung einzelner Aspekte antiker Philosophie längst nicht als abgeschlossen betrachtet werden darf – wie auch die Teilnahme von Wissenschaftlern aus den USA und Frankreich am Workshop belegte. Speziell mit den Wissenschaftlern der University of Notre Dame will sich die Klassische Philologie der KU zu weiteren Kooperationen austauschen.