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28.06.16

Wasser, Landschaft und Mensch im Gleichgewicht: Aueninstitut Neuburg besteht seit zehn Jahren

Mit dem Aueninstitut Neuburg ist die KU seit zehn Jahren neben Eichstätt und Ingolstadt auch in Neuburg vertreten. Die Jubiläumsfeier im Schloss Grünau war Anlass für Rückschau und Ausblick – verbunden mit einem Tag der Offenen Tür mit vielen Führungen durch den Auwald für interessierte Bürger.


Schloss Grünau, Sitz des Aueninstituts (Foto: Fischer)

Der Auwald ohne...

...und mit Fluss.

Für die Forscher galt es, die Veränderungen in den Auen zwischen Neuburg und Ingolstadt systematisch zu dokumentieren.

Was passiert in Flora und Fauna, wenn man einen Fluss wieder mit dem angrenzenden Auwald verbindet? Diese Frage stand zum Start des Aueninstituts Neuburg vor zehn Jahren im Zentrum seiner Arbeit. Denn an der Donau zwischen Neuburg und Ingolstadt besteht ein Auengebiet mit über 2000 Hektar Fläche, das von europäischer Bedeutung ist. Und es war in den vergangenen zehn Jahren gewissermaßen ein überdimensionales Versuchsfeld rund um die Renaturierung der dortigen Auen. Durch Eingriffe in den Verlauf der Donau im 19. Jahrhundert sowie Stauregulierungen im letzten Jahrhundert ging die natürliche Flussdynamik weitgehend verloren. Ziel des großangelegten Projektes „Dynamisierung der Donauauen zwischen Neuburg und Ingolstadt“, das vom Freistaat Bayern getragen wurde, war es, zum einen die auentypische Flora und Fauna zu verbessern und gleichzeitig Rückhalteraum für kleinere Hochwasser zu „reaktivieren“.

Dafür wurde zum einen ein Umgehungsgewässer aus der kanalisierten Donau angelegt, das kontinuierlich die ehemaligen Schlingen der Donau durchfließt. Zusätzlich nahm man gezielte ökologische Flutungen vor, bei denen – sobald die Donau einen entsprechenden Pegel aufwies - zusätzliches Wasser in das Auengebiet geleitet wurde und weiterhin wird. Welche Auswirkungen dies auf Pflanzen- und Tierwelt sowie die Gestalt des Gewässerverlaufs hat, dokumentierte das Aueninstitut in Kooperation mit zahlreichen Partnern über das Projekt MonDau (Monitoring Donauauen). Gefördert wurde es durch das Bundesumweltministerium „Wir haben durch unser Projekt beispielsweise Wald- und Fischökologen zusammengebracht“, erklärte Institutsleiter Prof. Dr. Bernd Cyffka bei der Festveranstaltung zum Jubiläum seiner Einrichtung. Wie die Wissenschaftler des Instituts zeigen konnten, nahm durch die Vergrößerung der wassergebundenen Lebensräume die Artenvielfalt der Wasservegetation und der Fische zu. Auch die Vogelfauna reagierte mit einem Zuwachs an Arten in den neu geschaffenen Habitaten. Diese Erfahrungen lassen Schlussfolgerungen auch für andere Flussbereiche in Deutschland und Europa zu.

Anfangs war das Aueninstitut offiziell noch ein Sachgebiet im Landratsamt Neuburg-Schrobenhausen, das von Cyffka damals als Stiftungsprofessor geleitet wurde. Im Oktober 2010 ging das Institut dann auch förmlich als Forschungseinrichtung an die Universität über. Der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen übernimmt noch bis 2020 die jährliche Finanzierung in Höhe von 120.000 Euro. Für diese Förderung dankte KU-Präsidentin Prof. Dr. Gabriele Gien und betonte, dass sich die KU auch durch das Neuburger Institut Fragen von Nachhaltigkeit und globaler Verantwortung stelle. Landrat Roland Weigert freute sich bei der Festveranstaltung darüber, dass das „Kind“ sich gut entwickelt habe und erinnerte – ebenso wie der Vorsitzende des Fördervereins Auenzentrum Neuburg, Dr. Rupert Ebner – an das Engagement seines kürzlich verstorbenen Vorgängers Richard Keßler für die Gründung des Aueninstituts sowie des Auenzentrums. Dieses zählte im vergangenen Jahr 25.000 Besucher, die sich im Schloss Grünau über Donau, Auwälder und deren Ökologie informierten.

Als Hausherr und stellvertretend für den Wittelsbacher Ausgleichsfonds hielt Oberforstdirektor Harald Textor eine historische Rückschau auf die planvolle und behutsame Nutzung der Wälder, durch die der Auwald zwischen Neuburg und Ingolstadt in seiner heutigen Form habe erhalten werden können. Erst die große Grundwasserabsenkung durch Donaubegradigung und der Bau von Staustufen hätten zu Problemen geführt.

Dass die Renaturierung von Gewässern Teil der bayerischen Strategie zum Hochwasserschutz ist, erläuterte Ministerialrat Erich Eichenseer vom Umweltministerium anhand mehrerer Beispiele aus anderen Regionen des Freistaates und betonte, dass die Wasserwirtschaft starke Partner wie das Aueninstitut benötige, um solche Projekt zu stemmen.

Durch seine Arbeit hat sich das Aueninstitut im Lauf der Jahre gut vernetzt, so dass es mittlerweile an nationalen und internationalen Projekten beteiligt ist. So untersuchen die Forscher des Instituts gemeinsam mit deutschen, chinesischen und kirgisischen Wissenschaftlern, wie sich in den Trockengebieten Zentralasiens Wasserressourcen nachhaltig nutzen lassen und die Stabilität der dortigen Ökosysteme bewahrt werden kann. Darüber hinaus gehört das Aueninstitut zum Verbundprojekt RESI (River Ecosystem Service Index), bei dem 19 Projektpartner aus Forschung, Verwaltung und Praxis der Frage nachgehen, wie sich die Bewirtschaftung von Flussökosystemen verbessern lässt. Denn Flüsse und Auen haben viele Aufgaben gleichzeitig: Sie sind Schifffahrtsstraße, Reservoir für Hochwasser, Trinkwasserlieferant und Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten. Das Aueninstitut der KU übernimmt zusammen mit dem Umweltforschungszentrum Leipzig und dem Karlsruher Institut für Technik (KIT) die Bewertung der Biodiversität in Auen als Grundlage aller Ökosystemleistungen. Dabei wird einerseits der Frage nachgegangen, welche Arten besonders wichtig sind in Auen und wie sich diese Arten bei verschiedenen Maßnahmen wie Renaturierungen, aber auch Hochwasserschutzmaßnahmen entwickeln. Es ist dabei verantwortlich für die Modellregion Donau mit ihren zwei Beispielsgebieten: die renaturierte Aue zwischen Neuburg und Ingolstadt und der noch freifließenden Donau zwischen Straubing und Vilshofen.

www.ku.de/mgf/geographie/angewandte-physische-geographie/aueninstitut-neuburg/