Christoph Würflein und Prof. Dr. Harald Pechlaner eröffneten die 36. Eichstätter Tourismusgespräche, die traditionell in Kooperation zwischen dem Lehrstuhl Tourismus / Zentrum für Entrepreneurship der KU und dem Naturpark Altmühltal stattfinden, und begrüßten alle Gäste. In ihren Einstiegsworten stellten sie die Relevanz des Themas heraus. Christoph Würflein betonte: Tourismus bleibt eine personalintensive Branche ohne Patentrezepte. Prof. Pechlaner rief zu mehr systemischem Denken und konstantem Dialog zwischen Forschung und Betrieben auf.
Aktuelle Befragungen zeigen: planbare Arbeitszeiten, faire Vergütung und ein wertschätzendes Klima entscheiden über Bewerberzusagen. Regnet plädierte für messbare Candidate Experience Ziele und das Aktivieren aller Talentpools – vom Best Ager bis zum Quereinsteiger.
Das Familienunternehmen Lerch Genusswelten belegt mit 80 % Übernahmequote, wie internationale Auszubildende Fachkräftelücken schließen können. Hauptbremsen bleiben langwierige Visa Prozesse und Arbeitserlaubnisse.
Die Diskussion zeigte, dass Fachkräftemangel, strukturelle Ungleichgewichte und regulatorische Hürden zentrale Herausforderungen im touristischen Sektor darstellen – insbesondere in ländlichen Regionen wie dem Altmühltal. Lösungsansätze liegen in der besseren Vernetzung von Akteuren, strategischem Personalmarketing, der Öffnung gegenüber neuen Zielgruppen sowie politischer Unterstützung bei regulatorischen Anpassungen.
Anetsberger knüpfte an seinen eigenen KU-Werdegang an und betonte den Wert eines serviceorientierten People’s Business für die Regionalwirtschaft. Er sicherte politische Unterstützung für neue Modelle der Fachkräftegewinnung zu.
Der Workshop verdeutlichte, wie wichtig strukturierte Ausbildungsprogramme, persönliche Begleitung und Anerkennung für junge Menschen in der Tourismusbranche sind. Gleichzeitig wurde klar, dass der Fachkräftemangel nicht nur bestehendes Personal, sondern auch den Ausbildungsprozess massiv beeinflusst. Die AllgäuTopHotels zeigen, wie peer-geleitete Lernformate Motivation und Bindung junger Talente steigern.
Der Workshop des DEHOGA Bayern diente der Information über aktuelle Initiativen und Unterstützungsmöglichkeiten des Verbands, ermöglichte aber auch den aktiven Austausch mit Gastgebenden. Der Verband präsentierte Lobbythemen von 7 % MwSt. bis Arbeitszeitflexibilisierung und stellte Initiativen wie das „Top Ausbildungsbetrieb“-Siegel vor. Zudem wurden innovative Ideen aus dem Teilnehmerkreis wie ein Mitarbeitenden-Sharing zwischen saisonalen Betrieben diskutiert.
Die Zukunft der Arbeit im Tourismus wird maßgeblich durch digitale Transformationen geprägt. Prof. Bingemer plädiert für einen reflektierten, aber auch mutigen Einsatz von KI – insbesondere im Hinblick auf Fachkräftemangel, sich wandelnde Gästeerwartungen und betriebliche Effizienz. Gleichzeitig betont er, dass technologische Lösungen die menschliche Komponente niemals vollständig ersetzen können.