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Der Newsletter der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt

11.10.2012

Vielfalt und Ausnahmestellung der baskischen Kultur

Im September unternahmen sieben Eichstätter Studentinnen und Studenten der Romanistik zusammen mit ihren Dozenten Dr. Benno Berschin (Fachdidaktik) und Susanna Gaidolfi (Sprachwissenschaft) eine Exkursion ins Baskenland. Vom idyllischen Standort Ascain (bei St.-Jean-de-Luz) aus wurden Tagesausflüge unternommen; so beispielsweise nach St. Jean-Pied-de-Port, dem letzten französischen Ort auf der klassischen Jakobswegroute oder nach San Sebastian, nach Bilbao und nach Roncesvalles, wo die im Rolandslied geschilderte Schlacht zwischen Mauren und einer Nachhut Karl des Großen stattgefunden haben soll.


Die Exkursionsgruppe mit den Dozenten Prof. Dr. Martin Haase (ganz links), Prof. Dr. Hans-Ingo Radatz (8. v.l.), Susanna Gaidolfi (9. v.l.) und Dr. Benno Berschin (ganz rechts).

Die "Eiche von Gernika". Es handelt sich derzeit um den vierten Baum, der im Jahr 2005 seinen Vorgänger ersetzte. Dieser stand dort seit 1858 und überstand den Luftangriff von 1937.

Zumeist sind die Straßenschilder im Baskenland zweisprachig. In Bayonne tritt neben der französischen und baskischen Ausschilderung auch eine in okzitanischer Sprache.

Die Idee zu dieser Exkursion war in einer fachdidaktischen Veranstaltung von Dr. Berschin zum Thema „Das Baskenland als transkultureller Lernort“ entstanden; die dabei von Studenten entwickelten Anregungen konnten in der Exkursionswoche in die Tat umgesetzt werden. Erweitert wurde die Eichstätter Gruppe um sechs Bamberger Kommilitoninnen und Kommilitonen der Otto-Friedrich-Universität mit ihren Dozenten Prof. Dr. Hans-Ingo Radatz und Prof. Dr. Martin Haase. Über Prof. Dr. Haase, einen der führenden Baskologen Deutschlands, war es gelungen, mit Vertretern von baskischen Organisationen in Kontakt zu treten und deren Arbeit vor Ort kennenzulernen.

So berichtete beispielsweise Andreas Schäfter in Gernika von seiner Tätigkeit als Friedensbotschafter für die Organisation Gernika Gogoratuz (baskisch für „Gernika erinnern“). Gernika war 1937 während des Spanischen Bürgerkrieges im Auftrag des spanischen Putschistengenerals Franco von deutschen Kampfflugzeugen der Legion Condor angegriffen und zerstört worden. Pablo Picasso verarbeitete diese Erfahrung in seinem Bild Guernica und heute fordert Gernika als internationale Stadt des Friedens zu Gewaltlosigkeit und Erinnerung auf. Dort steht darüber hinaus die „Eiche von Gernika“, unter der die politischen Repräsentanten des Baskenlandes seit Urzeiten ihre Versammlungen abhielten und in deren unmittelbarer Nähe noch heute die Versammlung der baskischen Provinz Bizkaia  gelegentlich zusammenkommt.

In Bilbao, der größten Stadt des Baskenlands, bekamen die Studenten direkten Einblick in die Arbeit der Real Academia de la Lengua Vasca, die sich als königliche, d.h. offizielle spanische Institution der Pflege und Bewahrung der baskischen Sprache annimmt.. Als isolierte, nicht mit anderen bekannten Idiomen verwandte Sprache wird das Baskische in der spanisch-französischen Grenzregion an der Atlantikküste von ca. 700 000 Menschen gesprochen, wobei es – im Gegensatz zur Situation in Frankreich – in Spanien offiziell anerkannt und im Rahmen der baskischen Autonomiegebiete gefördert wird. Als einzige nichtindogermanische Sprache Westeuropas und mit seinem agglutinierenden, also ‚anklebenden’ Sprachbau (grammatische Kategorien wie Zeit und Kasus werden durch das Anfügen von Elementen und nicht durch Beugung der Endungen ausgedrückt) geht vom Euskara (Baskischen) bis heute eine immense Faszination aus. Die Real Academia de la Lengua Vasca oder auf baskisch Euskaltzaindia trägt nicht nur für eine Standardisierung des Baskischen Sorge, sondern möchte, wie Gotzon Aurrekoetxea von der Akademie an seinen Forschungen demonstrierte, auch die dialektale Vielfalt dieses Idioms in einem Sprachatlas festhalten. Auch  im französischen Bayonne beteiligt man sich derzeit an  der Erstellung des genannten Sprachatlas. An der dortigen Universität der Pays de l’Adour wurde der Gruppe die Arbeit an diesem Projekt durch das französische Akademiemitglied Charles Videgain vorgestellt. Die Vielfalt und Ausnahmestellung der baskischen Kultur wurde der Exkursionsgruppe im Anschluss im Musée Basque von Bayonne näher gebracht.

Im persönlichen Kontakt mit der baskischen Bevölkerung auf einem Dorffest oder bei der Ausübung der baskischen Nationalsportart Pelota stellten die Teilnehmer fest, dass gerade bei der jungen baskischen Bevölkerung das Bewusstsein um die Bedeutung der eigenen Kultur und Sprache lebendig ist.

Nach zehn ereignisreichen Tagen kehrten die beiden Exkursionsgruppen mit zahlreichen Eindrücken und der Erkenntnis, dass das Baskenland nicht nur in sprachlicher Hinsicht eine Ausnahmestellung einnimmt, nach Eichstätt und Bamberg zurück.

Johannes Schleißheimer